Nie ohne Tier

Jeder Halm im Garten zieht auch Viecherln an: Darunter sind auch einige, die Gregor Fauma sehr erfreuen: Ohne Zirp-zirp der Heimchen ist ein Sommer kein Sommer

Ein alter Irrtum irrender Alter ist die Unterstellung, ein Garten habe in erster Linie mit Pflanzen zu tun. Doch ein Garten kann viel mehr. Ein Garten ist der Raum, in dem der Gestalter nicht zwingend göttlich ist, sondern mit seinen bescheidenen Mitteln versucht, ein funktionierendes Zusammen von Tier und Pflanze zu schaffen, und zwar nach eigenem Sinn. Nicht mit einer Rippe beginnt der schöpfende Gärtner, sondern zumeist mit einem Packerl Gartenerde. Der Rest ist bekannt.

Ein einziges Verstoffwechseln

Staude um Staude, Baum um Baum und Graserl um Graserl werden herangekarrt. Aber mit jedem einkehrenden Halm kommt auch ein Viecherl mit. Da wären die Tiere, die gerne in und gelegentlich auch über der Erde leben. Man spricht von Würmern, diversen Larven, aber auch Wühlmäusen und Maulwürfen. Je nach Zustand fressen die einander, und im Laufe des Frühjahrs gesellen sich die Singvögel und Hauskatzen hinzu, die sich auch am gegenseitigen Fressen beteiligen. Kämpfende Marder beginnen die Nacht mit seltsamem Geschrei zu füllen, Amseln übernehmen noch vor dem Morgengrauen das Kommando, und das Gurren der Tauben bringt menschliche Bewohner an den Rand des Wahnsinns. Ebenso entnervend sind Stuhlmulden von Katze und Marder, aber auch Fraßschäden von Schnecke und Raupe.

Die Ameisen hingegen sind still, kacken nicht in selbstgegrabene Löcher und fressen auch keine Pflanzen. Sie pflegen jedoch die Läuse, welche ihrerseits wieder die Pflanzen an- und aussaugen. Die ganze Tierwelt ist in so einem Garten ein einziges Verstoffwechseln, dessen muss man sich einmal bewusst werden. Wer es damit nicht so hat, wendet sich mehr den schönen, ästhetischen Aspekten der Tierwelt zu. Der Garten hat hier viel zu bieten. Vielen schlägt das Herz höher, wenn sie Zeugen des mütterlichen Lockens innerhalb einer Kohlmeisenfamilie werden, wenn Meisen-Mutter versucht, ihren Nachwuchs zum Fliegen zu animieren.

Schön anzusehen ist das Flattern bunter Schmetterlinge über eigens für sie gekaufte und gepflegte Pflanzen. Buddleja davidii, der Sommerflieder, ist hier ideal dafür. Er zieht Schmetterlinge magisch an, duftet wunderbar und blüht ohne Unterlass den ganzen Sommer über. Viele Gartenfreunde schicken ein "Jö" in die Runde, wenn sie ihren ersten Marienkäfer des Jahres erblicken. Mit verklärtem Blick lassen sie den Käfer über ihre Finger krabbeln und freuen sich, dass er immer noch und immer wieder vom höchsten Punkt, dem Mittelfinger, wegfliegt. Wie schön.

Mit Zirpen die heißesten Tage begleiten

Manch Gärtner liebt das Summen der Schwebfliegen, die bevorzugt über weniger gut riechenden Blumen in der Luft stehen und ruckartig ihre Position wechseln. Sie tun mit ihrem schwarz-gelb gestreiften Hinterleib so, als wären sie gefährlich, können aber weder stechen noch beißen. Sie sind einfach nur hübsch anzusehen.

Für mich sind aber jene Viecher mit die wichtigsten Gartenbewohner, die mit ihrem Zirpen die heißesten Tage im Jahr begleiten, dabei an Pinienhaine der Toskana oder Platanenalleen der Provence erinnern: die Zikaden, Heimchen und Heuhüpfer. Ohne diesen Sound am heißen Nachmittag, ohne das Zirp-zirp der Heimchen ist ein Sommer kein Sommer. Kommen sie nicht von alleine, so empfehle ich den Besuch eines Terrariengeschäfts - dort kann man sie als Futtertiere kaufen und im Garten freisetzen. Flora ist fein, diesmal lebe die Fauna! (Gregor Fauma, Rondo, DER STANDARD, 10.8.2012)

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24 Postings
Pak Choi

äusserst beliebt bei Kohlweißlingen - leider.

lieber Standard

Fauma?

ah...so, danke

sie sind nicht der erste sondern der hunderdste - ein reinfaller, wie kann man einen namen mit rechtschreibfehler haben? :-)

hätte gerne wieder meinen garten zurück! "schluchz"

Iiiiiihhhhh.

Zu diesem Zweck wurde DDT erfunden. Ein paar kg drüber und gut ist.

du ..

.. kannst es auch essen. Ein paar Teelöffeln davon und gut istt's.

wer kennt

diese viecher, die sich wie kolibris benehmen und im schwebflug an blüten saugen? sind aber insekten, allerdings sehr große. so groß wie kleine spatzen. hab sie heuer schon ein paar mal gesehen.

könnte auch ein Windenschwärmer sein?

(falls die Tiere in der Nacht auftauchen)

für mich hört mich hört sich das nach einem Wollschwerber an :http://de.wikipedia.org/wiki/Wollschweber

Taubenschwänzchen? Die sind allerdings nicht so groß wie Spatzen.

naja, fast

ich glaube, die meine ich. sehr kuriose tiere. sie kommen nicht jedes jahr, aber heuer sind sie wieder da. meistens am frühen abend.

Ja, interessante Tierchen. Meiner Beobachtung nach so ziemlich die einzigen Insekten, die gerne Pelargonien anfliegen. Alles andere Getier (abgesehn von den Blattläusen natürlich) hat viel lieber die Kräutertöpfe und Dahlien etc angesteuert.
Und seitdem ich endlich einen Garten hab, wimmelts eh nur so. Grillen jede Menge zb.

möglich

schauen ja sehr ähnlich aus wie die taubenschwänzchen.

sind in etwa so groß wie hummeln

falls das für Sie (fast) Spatzengröße ist, sollten Sie mal schauen, ob in der Nähe ein Atomkraftwerk ist, oder ob Sie selbst sehr klein sind und blaue haut haben.

nein

sind deutlich größer als hummeln. fünf mal so groß wie eine sehr dicke hummel.

das zeug würd ich nicht mehr rauchen....

Also- auf die Idee, Grillen zu kaufen muss man erst mal kommen.
Aber gut, es werden auch Wiesengänseblumchensamen zum Verkauf angeboten und tatsächlich auch gekauft.
Wenn man unbedingt will, kann man echt für alles Geld ausgeben.

nett zu lesen!

Taubenschwänzchen

mein Favorit ("Koilibri") an der Buddleja
http://www.insektenbox.de/schmet/tauben.htm
(übrigens: Blütenreste abschneiden, dann blüht sie nochmals)

und Grillen: hatte mal eine im Schlafzimmer...seither hat meine Liebe einen Dämpfer bekommen....

gemeine stinkwanzen sind bei mir gratis ab haus abzuholen

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