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Einladung nach Teheran: Präsident Morsi.
Kairo/Wien - Fährt er oder fährt er nicht? Das ist im Moment die Frage in der schwierigen ägyptisch-iranisch-saudischen Dreiecksbeziehung - wobei die umworbene Braut Mohammed Morsi heißt. Am Mittwoch schickte jedenfalls Teheran einen Vizepräsidenten, Hamid Baghaei, nach Kairo, um den ägyptischen Präsidenten auch noch einmal persönlich zum Blockfreiengipfel Ende August nach Teheran einzuladen. Denn einer telefonischen Einladung durch Präsident Mahmud Ahmadi-Nejad war keine fixe Zusage gefolgt.
Ob Morsi nach Teheran fährt, ist ein Indikator dafür, ob die neue ägyptische Führung tatsächlich, wie mehrmals angekündigt, die Beziehungen zum Iran normalisieren will. Ein Interview mit der iranischen Nachrichtenagentur Fars, in der Morsi das kurz vor seinem Amtsantritt Ende Juni betont hatte, dementierte er später, ganz offensichtlich, um nicht mit dieser Bürde seinen ersten Auslandsbesuch, in Saudi-Arabien, antreten zu müssen. Nun verstärkt Iran sein Werben, verbunden mit einem gewissen Druck, der sich ans Ehrgefühl Morsis richtet.
In einem Interview mit dem Standard sagte Irans Außenminister Ali Akbar Salehi vor kurzem, dass Morsi "kommen muss, wenn er den Normen folgt". Denn es sei üblich, dass der Staatschef des alten Blockfreienvorsitzlandes, Ägypten, dem neuen - Iran - den Vorsitz übergebe. "Wir haben ihn eingeladen, und wir erwarten, dass er kommt." Zur Frage des Drucks aus Riad auf Morsi, nicht zu fahren, sagte Salehi: "Ägypten ist ein großes Land und kann großem Druck standhalten."
Die iranisch-ägyptischen Beziehungen waren seit der Islamischen Revolution im Iran im Jahr 1979 schwer gestört: Der gestürzte persische Schah hatte bei Anwar al-Sadat in Ägypten Zuflucht gesucht und bekommen. Sadats Mörder, Khaled al-Islambuli, wurde in Teheran sogar mit einer Straße geehrt (die allerdings 2004 ausgerechnet von einem Teheraner Bürgermeister namens Mahmud Ahmadi-Nejad wieder umbenannt wurde).
Die Iraner feierten den ägyptischen Umsturz 2011 als antiimperialistische islamische Revolution. Mit den Muslimbrüdern haben die iranischen Islamisten gemeinsam, dass sie ganz explizit Republikaner sind - und sie sind als solche ohne Zweifel eine Herausforderung für die islamisch legitimierte Monarchie in Saudi-Arabien. Wenn nun arabische Länder wie Ägypten islamisch legitimierte Regierungen bekommen, die ohne Königshaus auskommen, könnten ja auch die Golfaraber auf gefährliche republikanische Ideen kommen.
Für Morsi, dessen 100-Tage-Programm für Ägypten hoffnungslos optimistisch ist, ist jedoch Finanzhilfe und Unterstützung aus Saudi-Arabien überlebensnotwendig. Noch hat er seine Entscheidung offiziell nicht mitgeteilt. Die saudifreundliche Al-Hayat meldete vor einigen Tagen, er werde nur seinen Premier Hisham Kandil nach Teheran schicken, nach Medienberichten vom Wochenende überlegt er noch.
Wobei vor dem Blockfreiengipfel, am 15. August, noch ein Besuch von Präsident Ahmadi-Nejad in Riad vorgesehen ist: König Abdullah hat einen Krisengipfel der islamischen Länder einberufen. Der Iran konnte nicht ignoriert werden, denn es sind alle Staatschefs der Länder der OIC (Organisation of the Islamic Conference) eingeladen.
Der Burgfriede in Riad wird gewahrt bleiben, aber eine politische Annäherung zwischen Iran und Saudi-Arabien, das vor allem das iranische Atomprogramm als unerträgliches iranisches Hegemonialstreben am Golf einstuft, ist nicht zu erwarten. Saudi-Arabien wird vor allem über Syrien reden wollen, wo die sunnitische Mehrheit von einem alawitischen Regime niedergemetzelt wird, und Iran über Bahrain, wo eine sunnitische Minderheit die Schiiten unterdrückt. (Gudrun Harrer /DER STANDARD, 9.8.2012)
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