Entführt in die "Welt von Tuchlauben"

  • Ein Vorschlag zur Güte von Signa, aber nur ein Musterbüro. Der Kunde kann sich am Ende einrichten, wie es ihm gefällt.
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    foto: standard/urban

    Ein Vorschlag zur Güte von Signa, aber nur ein Musterbüro. Der Kunde kann sich am Ende einrichten, wie es ihm gefällt.

Edelste Materialien und exklusive Lage sollen Kunden vom "Goldenen Quartier" in der Wiener Innenstadt überzeugen

Wien - Wenn Kord Schmülling schwärmt, dass "der Qualitätsstandard einzigartig ist für Wien", hat er vermutlich recht. An der Tuchlauben in der Innenstadt entsteht derzeit das Feinste vom Feinen: Seidentapeten, italienischer Steinboden und aufwändige Verglasungen sollen Kunden aus aller Welt anlocken, die zu schätzen und zu zahlen wissen, was ihnen die Firma Signa Development bietet.

Plastik-Orchideen

Schmülling ist der Geschäftsführer von Signa und führte am Mittwoch durch das Musterbüro an der Ecke Bognergasse. Der Rest ist noch eine Baustellenwelt aus Sichtbeton und losen Kabeln.

"Hier wollen wir zeigen, was alles möglich ist und in die Welt von Tuchlauben entführen", sagt er. Die bis zum Orchideen-Arrangement - zweckhalber sind sie aus Plastik - ausstaffierten Räumlichkeiten messen 180 m², die Miete wird "oberhalb der 25-Euro-Grenze liegen".

Luxusimmobilien boomen derzeit in Wien, die Makler liefern sich ein regelrechtes Rennen, wer den Zuschlag für das Goldene Quartier, wie der gesamte Tuchlaubenkomplex heißt, bekommt. In das Gebäude am Hof wird das Park-Hyatt-Hotel einziehen.

Auf rund 8500 m² werden sich in den unteren Geschoßen bis Jahresende diverse Nobelmarken einmieten, darunter Armani und Louis Vuitton, der seine Osteuropa-Zentrale hier eröffnen wird. Die Büroflächen darüber betragen 9300 m², die je nach Bedarf parzelliert werden und ausschließlich befristet vermietet werden.

Fertigstellung 2013

Und ganz oben thronen ab 2013 elf exklusive Dachgeschoßwohnungen. Die wiederum gibt es nur als Eigentum. Ein Besichtigungsexemplar soll ab Herbst die Kunden zum Kauf verführen, bis dahin bleiben die Details der Luxusimmobilien einer kleinen Gruppe vorbehalten.

Aktuell sind die Objekte noch nicht am Markt, doch Schmülling will schon jetzt verraten: "Sie suchen den Vergleich in Wien vielleicht vergeblich." Das hätten ihm auch die ersten Makler bestätigt, die sich um eine Partnerschaft bemühen.

Sorge, dass das Megaprojekt für Wien doch etwas zu kostspielig angelegt sein könnte, scheint Schmülling nicht zu kennen. "Wir liegen hervorragend im Zeitplan, was den Bau und die Vermarktung betrifft." Insgesamt arbeiten rund 200 Mitarbeiter an der Fertigstellung von Tuchlauben. Über das Investitionsvolumen von Signa-Gründer René Benko wird elegant geschwiegen.

"Extrem aufwändig"

"Auf jeden Fall hat Benko das volle Risiko auf sich genommen. Wer schlussendlich in die Häuser einziehen wird, war auch bei Projektstart nicht klar", meint der Geschäftsführer. Dass sich hauptsächlich internationales Klientel für die hochpreisigen Objekte interessieren würden, will Schmülling nicht bestätigen. Jedenfalls hätten sie "sehr, sehr viele Anfragen". Die Geschäfte würden nicht alle gleichzeitig fertig - Luxus sei technisch und finanziell "extrem aufwändig" und würde die vierfache Ausbauzeit wie etwa ein Hennes und Mauritz benötigen.

Der Trubel um die Fußgängerzonen in der Seitzer- und Bognergasse habe sich seiner Meinung nach gelegt. Eine Bürgerinitiative forderte über Monate hinweg von Bezirksvorsteherin Ursula Stenzel (VP), die an die Fußgängerzone angepasste Streckenführung der Innenstadtbusse wieder zurückzunehmen. "Weder die Busroute noch das Fahrverbot war eine Bedingung für die Groß-Investition", sagt Schmülling. (Julia Herrnböck, DER STANDARD, 9.8.2012)

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