Wie Maulwurf & Co zu ihren Schaufelpfoten kamen

Ein knorpelbildendes Gen ist zu anderen Zeiten aktiv als bei anderen Kleinsäugern und lässt die Vorderpfoten größer werden

Zürich - Ein internationales Forscherteam um Constanze Bickelmann vom Paläontologischen Institut und Museum der Universität Zürich hat die genetische Entwicklung der schaufelförmigen Pfoten von Maulwürfen aufgeklärt. Demnach ist bei Maulwürfen das sogenannte SOX9-Gen, das an der Bildung von Knorpel beteiligt ist, zu anderen Zeiten aktiv als bei anderen Kleinsäugern, wie die Forscher im Online-Fachblatt "EvoDevo" berichten. 

Frage des Timings

Die Forscher verglichen die Aktivität dieses Gens in der Embryonalentwicklung von Iberischen Maulwürfen, Kleinohrspitzmäusen (die ebenfalls zur Ordnung der Insektenfresser zählen) und Hausmäusen aus der Ordnung der Nagetiere. Es zeigte sich, dass das SOX9-Gen bei Spitzmaus und Maus bei der Entwicklung in Vorder- und Hinterbeinen gleichzeitig aktiv wird, beim Maulwurf jedoch in den Vorderbeinen früher als hinten.

Als Ergebnis haben sich bei den Maulwürfendie Vorderpfoten zu regelrechten Schaufeln vergrößert, während die Hinterpfoten etwa dieselbe Relation zum restlichen Körper wahren, wie dies bei anderen Kleintieren der Fall ist. Hände und Klauen sind verlängert und die Handflächen nach außen gedreht. Ein sechstes Fingerglied hilft beim Graben. Damit schafft es der Maulwurf, bis zu sieben Meter lange Gänge pro Stunde zu buddeln.

"Diese unterschiedliche Zeiteinteilung der Genaktivität ist ein extremes Beispiel für die Anpassung an eine besondere Lebensform",sagt Bickelmann. "Die natürliche Auswahl hat Tiere bevorzugt, die größere Vorderpfoten hatten und somit besser graben konnten." Darum hinterließen Maulwürfe mit einem früher aktiven SOX9-Gen in den Vorderpfoten mehr Nachkommen und breiteten sich aus. Da die Trennung von Maulwürfen und Spitzmäusen vor 70 Millionen Jahren stattfand, führte dieser Auswahlprozess zu einer langsamen, aber tiefgreifenden Veränderung bei der Produktion eines Eiweißes, das im Tierreich fast universell vorkommt, wie die Forscher schreiben. (APA/red, derStandard.at, 8. 8. 2012)

  • Der Sternmull (Condylura cristata) ist ein nordamerikanischer Vetter unseres Maulwurfs. Um jedes Nasenloch sind elf fingerähnliche Hautanhänge angeordnet, die als Tastorgane fungieren - ein viel effektiveres System als die Tasthaare des Europäischen Maulwurfs.
    foto: ap photo/vanderbilt university, kenneth catania

    Der Sternmull (Condylura cristata) ist ein nordamerikanischer Vetter unseres Maulwurfs. Um jedes Nasenloch sind elf fingerähnliche Hautanhänge angeordnet, die als Tastorgane fungieren - ein viel effektiveres System als die Tasthaare des Europäischen Maulwurfs.

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