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vergrößern 600x401"Bin ich mit dieser Frau verwandt?" Für viele Isländerinnen und Isländer keine absurde Frage.

Gisli Palsson forscht an der Universität Reykjavik zu den sozialen Dimensionen des Stammbaum-Kultes.
Bryndis sitzt in der Küche ihres schmalen roten Holzhauses am Rande von Reykjavik. Es ist Nachmittag, die milde isländische Herbstsonne wirft gelbe Rechtecke auf den Fliesenboden. Die 39-Jährige nimmt einen Schluck Kaffee, stellt die Tasse ab und beginnt zu erzählen. Als Historikerin beschäftigt sie sich nicht nur mit der Vergangenheit anderer - sie gräbt auch gerne in ihrer eigenen Geschichte. Ihre Vorfahren hätten sich vor 500 Jahren als Bauern in Island angesiedelt, sagt sie, ungefähr dort, wo jetzt Reykjavik liegt.
Heute leben knapp 120.000 Menschen in der Stadt, nicht einmal 320.000 sind es auf ganz Island. Das macht gerade einmal drei Einwohner pro Quadratkilometer - die geringste Bevölkerungsdichte Europas. Der EU-Schnitt liegt bei 114 Menschen. "Im Grunde stammt ganz Island von vier, fünf Familien ab", sagt Bryndis, "da ist es sehr wahrscheinlich, dass man sich mal in jemanden verliebt, mit dem man verwandt ist."
Das Klischee, dass ganz Island irgendwie mit Björk verwandt ist, hat einen wahren Kern. Die isolierte Insellage und ein über Jahrhunderte geringer Zuzug sorgten dafür, dass das "isländische Genom" weltweit einzigartig ist. Es macht Island zum gelobten Land für Forscherinnen und Forscher, um genetisch verursachten Krankheiten auf den Grund zu gehen. Und zum Sehnsuchtsort für Neonazis und Rassisten, die hier ihr Ideal der "genetischen Reinheit" verwirklicht sehen.
Bryndis interessiert sich weder für Genforschung noch für die kruden Ideen alter und neuer Nazis - aber für ihre eigene Herkunft. "Man kann in Island sehr leicht herausfinden, ob man mit einem Menschen verwandt ist", sagt sie. Die sehr populäre Online-Datenbank "Islendingabok" (Das Buch der Isländer) helfe dabei. Mit wenigen Mausklicks lässt sich dort das Verwandtschaftsverhältnis zwischen zwei Menschen ermitteln - kostenlos und unbürokratisch. Fast alle Isländer nutzen das "Islendingabok". Man meldet sich an, gibt den eigenen Namen ein, und schon erwächst am Bildschirm der eigene Stammbaum über Jahrhunderte zurück - oft bis zu den ersten Siedlern vor 1.100 Jahren.
Betrieben wird das "Islendingabok" von der Pharmafirma DeCode Genetics. Das in Reykjavik ansässige Unternehmen zählt sich selbst zur Weltspitze, wenn es um die Erforschung des menschlichen Genoms geht. Im Jahr 1996 machte die Firma von sich reden, als sie ankündigte, das Genom der isländischen Bevölkerung vollständig entschlüsseln zu wollen. Das war wissenschaftliches Neuland, viele Isländer fühlten sich geehrt, Kritik am Vorhaben gab es kaum.
DeCode Genetics begann also, die Geninformationen aller Isländer zu sammeln - toter wie lebender. Aufgrund rechtlicher Probleme wurde die Datenbank aber nie realisiert, die gesammelten Daten blieben ungenützt. Bis zum Jahr 2003 - da präsentierte das Unternehmen das "Islendingabok".
Die Website verknüpft seither die gesammelten Gendaten der Isländer mit Aufzeichnungen, die zu den Anfängen Islands zurückreichen - darunter kirchliche Dokumente, Volkszählungsergebnisse, behördliche Register, historische Akten und private Chroniken. Auf diese Weise macht das "Islendingabok" Verbindungen zwischen Einzelpersonen und Familien sichtbar. Heute nutzen fast alle Isländerinnen und Isländer die Datenbank.
Es sei kein Zufall, dass das "Islendingabok" so populär ist, meint Gisli Palsson, Anthropologe an der Universität Reykjavik. Die Leidenschaft fürs Graben in der eigenen Geschichte sei typisch für die Insel. Sie erkläre auch, warum die Idee der Gendatenbank von der Bevölkerung so unkritisch angenommen wurde. "In Island ist es seit der ersten Besiedlung durch die Wikinger selbstverständlich, Aufzeichnungen zur eigenen Abstammung zu führen - in Form von Sagen und Familiengeschichten. Die Menschen haben diese alten Aufzeichnungen zu Hause im Bücherregal stehen. Bei der Abstammung gibt es weder Geheimhaltung noch Tabu."
Die isländische Sammelwut lässt sich mit der Landesgeschichte erklären. Island erlebte immer wieder Hungersnöte, Katastrophen und Vulkanausbrüche, bei denen ein großer Teil der Menschen starb. "Die Überlebenden mussten dokumentieren, ob und wie sie mit den Verstorbenen verwandt waren", sagt Palsson. "Wer hatte nun Anspruch auf deren Grund und Boden? Auf das Haus? Die Menschen mussten wissen, von wem sie abstammen, um Klarheit über die Besitzverhältnisse zu bekommen. Und sie suchten nach Identität." Die Identitätssuche wurde zum nationalen Bedürfnis - das "Islendingabok" befriedigt es.
Hat das digitale Stammbuch das soziale Leben und die Beziehungen der Isländer zueinander verändert? Gisli Palsson glaubt das. "Das Islendingabok trägt dazu bei, dass man über Verwandtschaft vor allem unter genetischen Gesichtspunkten nachdenkt." Das verändere das Verständnis von Familie und Zugehörigkeit. "Die Datenbank ist Teil einer Entwicklung im Westen, die davon ausgeht, dass es vor allem die Gene sind, die einen Menschen ausmachen. Das ist eine grobe Vereinfachung." Denn Menschen würden vor allem durch ihr Umfeld und ihre sozialen Beziehungen geprägt - nicht durch ihre Gene. "Offenbar ist die Öffentlichkeit fasziniert von der simplen Idee, dass das Erbgut alles beeinflusst." Ahnenforschung auf Basis von genetischen Verbindungen fuße auf dieser Idee.
Bryndis schenkt sich Kaffee nach. "Ich hatte eine sehr gute Freundin", erzählt sie, "dann habe ich herausgefunden, dass wir verwandt sind, nicht sehr eng, in der fünften Generation. Aber es hat unsere Freundschaft noch enger gemacht." Es würde die Beziehung zu einem Menschen stärken, wenn man erfährt, dass man mit ihm verwandt ist. Manchmal verwendet Bryndis das "Islendingabok", um etwas über Männer herauszufinden, die sie gerade kennengelernt hat. "Aber nur, wenn sie mir gefallen", sagt sie und lacht. "Man möchte schließlich wissen, ob der neue Lover ein entfernter Cousin ist." (Lisa Mayr, derStandard.at, 4.10.2012)
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schon im späteten 19.jahrhundert in den büchern dauernd nur noch die mutter steht und kein vater mehr hat das suchen keinen sinn.
Immerhin kann man sich damit trösten, dass ein langer Stammbaum offenbar nur beweist, dass es Familien gibt die tot mehr wert sind als lebendig.
Mich würde es interessieren, ob ein Teil dieser anscheinend gesteigerten Neugier auf die Vorfahren bei den Isländern etwas mit der recht ungewöhnlichen Art der Namensvergabe zu tun haben könnte. Schließlich hat eine isländische Familie nicht den gleichen Familiennamen.
Bzw wird oft zu sicheren "Identifizierung" der Name des Vaters dazu gesagt, damit Verwechslungen vermieden Werden.
Da wird ein Hang zum Ahneninteresse täglich geübt wie ein Mantra: "Tochter von" "Sohn von"
Das was sie erklären ist aber der "Familienname". Die Bezeichnung ist nicht ganz korrekt - "Nachname" wäre wol besser - da es ja nicht der Name der Familie ist, aber die Funktion ist die selbe: Vorname Nachname.
Z.Bsp.:
Premierministerin: Jóhanna Sigurðardóttir
Vorname: Jóhanna
"Nachname": Sigurðardóttir (Tochter der Sigurðar)
Im WIki steht viele davon seien dänischen Ursprungs. Wie ist das beim Rest. Ist das dann Hinweis auf ein besonders vornehme Abstammung (also ein besonders ehrwürdiger name der nicht verschwinden soll). oder womöglich das Gegenteil?
VIelleicht sind hier Islandkenner unterwegs die das wissen?
"Es gibt nur wenige Familiennamen in Island, die meist von Eltern ausländischer Herkunft vererbt oder angenommen wurden. Bekannte Träger vererbter Familiennamen sind der frühere Premierminister Geir Haarde, der Fußballer Eiður Smári Guðjohnsen, die Sängerin Emilíana Torrini, die isländische Schauspielerin Kristbjörg Kjeld und der Filmregisseur Baltasar Kormákur Samper. Vor 1925 war es zudem gestattet, einen Familiennamen anzunehmen, was beispielsweise der Literaturnobelpreisgewinner Halldór Laxness tat. Seit dem isländischen Namensgesetz von 1925 ist dies nur noch möglich, wenn der anzunehmende Familienname ererbt ist."
Das hat jemand von Decode Genetics auch einmal bei einem Vortrag gesagt, dass das eine Rolle spielen könnte. Nicht in erster Linie, weil man täglich wiederholt, wer Sohn und Tochter von wem ist, sondern umgekehrt, weil es aus den Namen nicht ersichtlich ist, wer zum Beispiel wessen Enkelkind oder Urenkerl ist (was in anderen europäischen Sprachen zumindest in der väterlichen Linie nachvollziehbar ist). Daher gibt es traditionell ein gesteigertes Interesse daran, die Familienverhältnisse aufzuzeichnen.
http://www.ruggedelegantliving.com/a/images/... .World.jpg
*schmacht*
Das Islandingabok ist nur für Isländer nach Anmeldung nutzbar. Man sieht lediglich den eigenen Stammbaum. Wären Sie Isländer und mit Björk verwandt, würden Sie sehen, dass sich Ihre Stammbäume an einer bestimmten Stelle berühren. Herzliche Grüße, LM
Island ist grossartig!
http://www.youtube.com/watch?v=EuftN2ViiN4
War gerade heuer dort, wirklich wunderschön!
Empfehle jeden, sich das mal anzusehen, etwas ganz anderes. Alleine die Mondlandschaften im Landesinneren, fantastisch. Sogar Nordlichter im Hot Pot waren dabei. Der absolute Kitsch, mehr geht nicht...
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