Mehr Inflation ist auch keine Lösung

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Das Heilsversprechen von höherer Inflation ist IWF-intern umstritten

Die Lösung für die ökonomischen Probleme der entwickelten Welt hörte sich einfach an: mehr Inflation. Olivier Blanchard, Makroökonom und aktuell der oberste Volkswirt des Internationalen Währungsfonds (IWF), hatte 2010 zusammen mit Kollegen in einem Papier gefordert, das in der entwickelten Welt weit verbreitete Inflationsziel von lediglich zwei Prozent zu überdenken. Stattdessen sollten vier Prozent in Betracht gezogen werden.

Sein Argument: Höhere Inflation gibt den Zentralbanken einen größeren Spielraum, im Krisenfall zu intervenieren. Denn höhere Teuerungsraten würden auch höhere Zinsen bedeuten. Für einen Krisenfall hätte eine Zentralbank daher mehr Spielraum für Zinssenkungen und könnte so die Konjunktur besser stabilisieren. Zudem seien die Kosten von etwas höheren Inflationsraten überschaubar.

Doch ausgerechnet ein IWF-Ökonom, Etienne Yehoue, widerspricht Blanchard. In einem aktuellen Papier zeigt er, dass ein höheres Inflationsziel sehr wohl mit höheren Kosten für den Wohlstand der Bevölkerung einhergehen (siehe auch im "Handelsblatt", H/T Olaf Storbeck). Das reale Einkommen würde fallen, weil die höhere Inflation zu einer Fehlallokation führe und die Effizienz der Volkswirtschaft gefährde. Das weist Yehoue in einem Modell nach, die zugrunde liegenden Daten kommen von der US-Wirtschaft.

Höhere Inflation wäre der einfache Ausweg für die Geldpolitik gewesen. Die Alternativen sind deutlich weniger komfortabel. So könnte die Geldpolitik, wie etwa die Bank für Internationalen Zahlungsausgleich immer wieder fordert, die Entwicklung an den Kapitalmärkten stärker ins Auge fassen. Denn viele Schocks, die eine Volkswirtschaft erst in eine Liquiditätsfalle tappen lassen, in der die Geldpolitik die Nullzinsbarriere erreicht und damit nicht mehr effektiv wirken kann, haben ihren Ursprung in Finanzmarktentwicklungen. Besonders das Volumen an vergebenen Bankkrediten ist dabei immer ein guter Indikator für die nächste Krise.

Dafür müssten die Zentralbanken aber ihr Instrumentarium erweitern. Der Zinssatz ist ein zu grobes Instrument. Die Zentralbanken müssten hingegen bei der Kreditvergabe durch die Geschäftsbanken ein Wörtchen mitreden. Etwa indem sie die Banken dazu zwingen, im Boom mehr Eigenkapital aufzubauen, mehr noch, als Basel III es ohnedies vorschreibt. Zudem könnten Wertpapierklassen, in denen eine Blase vermutet wird, mit zusätzlichen Regeln versehen werden. Dafür wurden jüngst die verschiedenen Systemrisiko-Räte entwickelt, die vor drohenden Blasen warnen sollen. 

Die Diskussion darüber, ob Inflation langfristig höher ausfallen soll, ist an den Kapitalmärkten jedenfalls noch nicht angekommen. Die impliziten Inflationserwartungen an den Anleihenmärkten liegen aktuell bei 2,2 Prozent in den USA für die nächsten zehn Jahre und bei 1,9 Prozent in Deutschland.


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