OMV will europäische Gasfelder ausbeuten

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    grafik: apa

Unternehmenschef Roiss will sich auf große Projekte und Beteiligungen konzentrieren und kräftig investieren

Wien - Nachdem das ursprüngliche Gaspipeline-Projekt "Nabucco" gescheitert ist, will OMV-Chef Gerhard Roiss nun den geografischen Schwerpunkt seines Unternehmen ein wenig verschieben. In Februar habe die OMV im rumänischen Teil den größten Gasfund ihrer Geschichte gemacht. Mittlerweile habe man auch in Bulgarien im Konsortium mit Repsol und Total den Zuschlag für die Suche nach Gas bekommen, "wir wollen unser Exposure im Schwarzen Meer weiter ausbauen", sagte Roiss am Mittwoch in Wien bei der Präsentation der OMV-Halbjahreszahlen.

Gasfelder in der Nähe ausbeuten

"Wichtig ist, Gas nahe an Europa, nahe an den Märkten zu finden und zu produzieren", sagte Roiss. Neu sei gegenüber früheren Nabucco-Plänen, "dass wir mittlerweile eigenes Gas haben im Schwarzen Meer und dieses Gas auch eigene Leitungen braucht", so der OMV-Chef. "Gehen Sie davon aus, dass die Beteiligungsstruktur bei Nabucco ("Nabucco West", Anm.), wenn es dann zum Bau kommt, eine andere sein wird als heute."

Ein zweiter wichtiger Strategiepunkt sei der Ausbau der OMV-Positionen in der Nordsee, vor allem westlich der Shetland-Inseln und in der norwegischen Nordsee. "Das sind Dinge, die wir entwickeln bis 2017/18, die Dimension in dieser Region ist zwischen 15.000 und 20.000 Barrels am Tag", sagte Roiss. "Das sind durchaus substanzielle Felder, die wir gekauft haben und die wir dabei sind in den nächsten Jahren zu entwickeln."

Teil der der im Herbst 2011 von Roiss präsentierten neuen strategischen Ausrichtung ist auch der Rückzug aus dem Tankstellengeschäft in jenen Ländern, in denen die OMV über keine eigenen Raffinerien verfügt. Für die Tankstellen in den beiden Ländern gebe es Interessenten, "und ich gehe davon aus, dass wir innerhalb des heurigen Jahres zu einer Entscheidung kommen werden", sagte OMV-Vorstand Manfred Leitner, der im April die früheren R&M-Agenden von Roiss übernommen hat. Das Tankstellengeschäft ist ein Sorgenkind der OMV. "Wir geben keine Ergebnisse des Tankstellengeschäftes bekannt", so Leitner. "Wenn Sie sie sehen würden, würden Sie verstehen, dass wir damit nicht zufrieden sein können."

Rütteln am Gazprom-Preis

Zu den "Problemzonen" gehört auch die Gaspreis-Entwicklung. Roiss geht davon aus, dass der starke Unterschied zwischen den hohen Ölpreis-gebundenen langfristigen Gas-Lieferverträgen und den Spotpreisen bestehen bleiben wird. "Und wir gehen auch davon aus, dass die Raffineriemargen, die mittlerweile sich wieder verabschiedet haben vom durchaus hohen Niveau des zweiten Quartals, weiter unter Druck bleiben werden." Das gleiche gelte für die Marketing-Margen und die -volumina. Der Preisdruck am Gasmarkt führe auch zu einem signifikant schwächeren Ergebnis für die OMV-Tochter Econgas.

Der neue Vorstand für Gas & Power, Hans-Peter Floren, verhandelt nach eigenen Angaben mit der russischen Gazprom über eine Senkung des Gaspreises, will dazu aber keine Details verraten. "Die Marktentwicklung ist so dramatisch, dass wir weiter in Gesprächen mit unseren Lieferanten sind, wie wir diese Markterfahrung jetzt angemessen in eine Veränderung der Gasbezugskonditionen umsetzen können."

Ein totaler Fehlschlag war der Versuch, aus dem österreichischen Gasfeld Strasshof noch mehr Gas herauszuholen. Man habe alle technischen Möglichkeiten ausgeschöpft, aber "nichts davon hat funktioniert, das Gas kommt nicht raus", berichtete E&P-Vorstand Jaap Huijskes. Man habe das Gasfeld daher neuerlich wertberichtigt, sodass es jetzt bis fast auf den Buchwert abgeschrieben sei.

Besser läuft es laut Huijskes in Libyen und im Jemen. In Libyen sei die Produktion jetzt etwa auf 90 Prozent des Vorkriegsniveaus. Die Felder seien in Ordnung, aber die Produktion noch nicht ganz verlässlich. Im Jemen sei die Produktion mit 7.000 Barrel pro Tag praktisch wieder auf dem Niveau vor der Krise.

Mit der türkischen Tochter Petrol Ofisi sei man "einen signifikanten Schritt weitergekommen", berichtete Leitner, "wir haben dort die Performance dramatisch verbessert". Auch der Kunststoffhersteller Borealis habe im ersten Halbjahr einen "soliden Ergebnisbeitrag abgeliefert", der Umsatz halte sich etwa auf dem Vorjahresniveau.

Milliarden Neuinvestitionen

Im Herbst habe man das Volumen aller in Entwicklung befindlichen Projekte mit 280 Mio. boe beziffert, sagte E&P-Vorstand Huijskes. "Jetzt beträgt dieses Volumen 400 Mio. Barrel. Das Nettoinvestitionsvolumen soll heuer bei 2,4 Mrd. Euro liegen, "und das ist ohne Akquisitionen", sagte Roiss. "Das Produktionsziel für 2016 mit 350.000 Barrels pro Tag sehen wir sehr, sehr realistisch." Roiss will sich in Zukunft auf größere Projekte und Beteiligungen konzentrieren und die Explorationsausgaben drastisch nach oben schrauben. Man habe bisher mit 300 Mio. Euro pro Jahr kalkuliert, jetzt rechne man mittelfristig mit 600 Mio. Euro. "In Summe heißt das: Die Wachstumsaktivitäten, die wir heute setzen, führen zu Investitionen morgen und zu einem Ergebnis übermorgen", sagte Roiss. "Der Zeitraum von heute zum Übermorgen ist in unserer Branche fünf bis zehn Jahre." (APA, 8.8.2012)

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