Lehrerdienstrecht: Fortbildung in Ferien laut Gewerkschaft unmöglich

8. August 2012, 13:38
  • Eine "Neiddebatte über die Ferienzeit" ortet  Eckehard Quin.
    foto: derstandard.at/pumberger

    Eine "Neiddebatte über die Ferienzeit" ortet Eckehard Quin.

AHS-Lehrergewerkschafter Quin konstatiert "Teilleistungsschwäche in Mathematik" bei Burgstaller und Brandsteidl

Wien - Mit dem neuen Dienstrecht sollen Lehrer laut Vorschlag der Regierung zu 15 Stunden Fortbildung pro Jahr verpflichtet werden, die ausschließlich außerhalb der Unterrichtszeit stattfinden müssen. Zuletzt machten Salzburgs Landeshauptfrau Gabi Burgstaller und die Wiener Landesschulratspräsidentin Susanne Brandsteidl (beide SPÖ) Druck für mehr Lehrerfortbildung in den Ferien. AHS-Lehrergewerkschafter Eckehard Quin (FCG) bezeichnet die Vorstöße in seinem Blog jedoch lediglich als jährlich wiederkehrende "Neiddebatte über die Ferienzeit" und betont, dass Fortbildung nur in den Ferien gar nicht möglich sei.

Quin rechnet vor, dass in diesem Fall für die rund 120.000 Lehrer in den Sommerferien 575 Fortbildungsveranstaltungen pro Woche angeboten werden müssten. Werden diese in Seminarform angeboten, würden 575.000 Nächtigungen anfallen, und zwar in der Hochsaison. "Ich - und mit mir wohl die Pädagogischen Hochschulen - wäre hoch zufrieden, stünde nur ein Bruchteil der finanziellen Mittel für die Fortbildung zur Verfügung", die eine solche Umschichtung kosten würde. Die Forderungen Burgstallers und Brandsteidls könnten daher "nur auf einer massiven Teilleistungsschwäche in Mathematik beruhen", so Quin.

Kimberger: Angebot muss flexibler sein

Fortbildung ausschließlich in den Ferien anzubieten, ist auch aus Sicht von Pflichtschullehrervertreter Paul Kimberger (FCG) nicht möglich. "Das ist eine Frage der Organisation und von Angebot und Nachfrage. Alles in den Ferien zu machen, werden wir nicht schaffen", betont er gegenüber der APA. Allerdings würden Pflichtschullehrer schon jetzt "unheimlich viele" Angebote in den ersten und letzten Ferienwochen nutzen. Dabei appelliert Kimberger an die PH, ihr Angebot noch flexibler an den Bedarf der Lehrer anzupassen.

An den berufsbildenden mittleren und höheren Schulen (BMHS) finden laut Gewerkschaftsvertreter Jürgen Rainer (FCG) schon jetzt zwei Drittel der Fortbildung in der unterrichtsfreien Zeit statt. Allerdings, moniert er im APA-Gespräch, gebe es "im Bereich der BHS überhaupt keine gescheiten Angebote". Diese würden nämlich nur in den allgemeinbildenden Bereich fallen, Neuerungen in der Wirtschaft könne man nur in der Wirtschaft selbst erlernen. Ein Budget, um neues Wissen zuzukaufen, hätten die Schulen aber nicht.

Fünf Prozent absolvieren Fortbildung

Insgesamt fallen laut Unterrichtsministerium derzeit nur fünf Prozent der von Lehrern absolvierten Fortbildungen in die Sommerferien. Künftig sollen laut dem Regierungsentwurf "nur bei Vorliegen eines wichtigen dienstlichen Interesses" Stunden ausfallen dürfen, weil Lehrer sich fortbilden. Wie viele Stunden Lehrer sich fortbilden müssen, ist derzeit nur bei den Landeslehrern festgelegt: Volks-, Haupt-, Sonder-, Berufs- und Polytechnische Schulen müssen 15 Stunden pro Schuljahr nachweisen. Für Lehrer an Bundesschulen (AHS, BMHS) gehört die Fortbildung zwar zu den Dienstpflichten, Art und Umfang sind aber nicht definiert. (APA, 8.8.2012)

Share if you care
Posting 1 bis 25 von 257
1 2 3 4 5 6
Neuerungen in der Wirtschaft könne man nur in der Wirtschaft selbst erlernen

Der Satz sagt eigentlich indirekt aus, dass die Schule der Wirtschaft hinterher hinkt und also nicht-praxistaugliche Methoden, die nicht mehr up-to-date sind, gelehrt werden. Höchste Zeit, dass das Ministerium mehr Praktiker in die Schule lässt. Zukünftig sollte es zB egal sein, ob wer Wirtschaftspädagogik oder BWL studiert hat, beide Gruppen sollen Zugang zum Lehrerjob haben. Die BWL'ler könnten ja zusätzlich eine kurze pädagogische Ausbildung (1-2 Semester) absolvieren.

15 Stunden Fortbildung PRO JAHR außerhalb der Schulzeit

Also bitte, wenn die Lehrergewerkschaft nicht mal gewillt ist, dass Lehrer diese winzige Fortbildung (15 Stunden, das sind 2-3 Tage in den ganzen Sommerferien) machen, dann braucht sich keiner mehr über Lehrer-Bashing wundern. Man redet sich dann immer auf "fehlende Fortbildungsangebote" raus..nun gut, dann müssen wir diese Angebote eben schaffen.

Lassen Sie sich doch nicht von der redaktionellen Aufbereitung verwirren!

Quin hat auf seinem Blog lediglich vorgerechnet, dass eine verpflichtende Weiterbildung für alle 120000 Lehrer/innen in den Sommerferien enorme Kosten verursachen würde.

Weder hat er geschrieben, es sei "unmöglich", sich nur in den Sommerferien fortzubilden, noch hat er irgendetwas gegen eine nachgewiesene Fortbildungsmaßnahme in einem noch zu definierenden Ausmaß geschrieben.

Ich kann nur über mein persönliches Umfeld (HTL) sprechen. Wir bilden uns n a t ü r l i c h laufend fort, derzeit allerdings etwas ziellos, da die Vorbereitungen auf die teilzentrale Reifeprüfung ja über nach abgebrochen worden sind.

P. S.: Noch immer sehe ich keinen Grund, warum ich zum Lesen auf ein Seminar fahren soll.

Entschuldigung: Es sollte "über Nacht" heißen.

qualität leidet unter neiddebatte, nicht unter 'faulen pädagogInnen'!

fortbildungen werden einfach nicht nur in den ferien angeboten. bin auch dagegen, dass man als lehrer immer im eigenen saft braten und nur angebote der pädagogischen hochschulen nutzen darf!

@ Trollblume

Was koennen Lehrer mit einer universitaeren Ausbildung an einer PH grossartig dazulernen??

Diesbezüglich dürften Sie ein wenig auf dem hohen Ross sitzen: die ehem. PH-Abteilung AHS (auch BMHS od. BBS) ist seit 2007 in der PH als eigenes Institut aufgegangen.

gratuliere

Kleiner Tipp ....

... in den Ferien sind die Klassenzimmer leer.

Noch ein Tipp: Sanierungen und Generalreinigung finden

deshalb in den Ferien statt.

Wer übrigens die pointierten Formulierungen Ekkehard Quins

selbst lesen möchte, könnte z. B. hier anfangen:
http://quinecke.wordpress.com/2011/03/2... e-berater/

Man sollte...

auch einmal darueber nachdenken, wie mit LehrerInnen umgegangen wird.

Bis zu 5 Jahre befristete Dienstvertraege, wobei erst kurz vor dem neuen Schuljahr bekanntgegeben wird, ob der Vertrag verlaengert wird oder nicht. Derartige Kettenvertraege sind in der PW verboten.

Bei Schulveranstaltungen mit den SchuelerInnen - Exkursionen etc. - muss man als LehrerIn mit Verdienstentgaengen rechnen, man wird also fuer "Ueberstunden" bestraft.

JunglehrerInnen mit einem 5-jaehrigen Hochschulstudium im BHS-Bereich und mind. 2-jaehriger Berufspraxis (Kommerzialisten) bekommen lediglich 2.200 btto. Die Angebote der Ministerin sind ein Witz!!!

Wenigstens ist der Strand in der Karibik schoen - und billig ist es hier in Suedamerika auch ;-)

@ highlander AUT

Zumindest zu "meiner Zeit" gab es auch laenger befristete Dienstvertraege - jeweils max auf 1 Jahr oder ueberhaupt nur auf "Vertretungsdauer".

Bin selbst Wirtschaftspaedagogin und habe nach Abschluss meines Studiums den Lehrerjob gegen einen Arbeitsplatz in der Privatwirtschaft getauscht, da dort die Arbeitsbedingungen, Verdienst- und Karrierechancen weitaus besser sind als im Schuldienst.

Ihre Berechnung stimmt leider nicht:

Da der Sommerurlaub für Lehrer dienstfreie zeit ist, muss man diesen auf die anderen Arbeitsmonate aufteilen. Das sind ca 500 € mehr pro Monat. Bei einer fiktiven Wochenbelastung für Lehrer bei 38,5 h ist das ein Anfangsgehalt von 2700€. Das ist nicht schlecht für eine mittelschwere Ausbildung.

@ sigma79

IHRE Rechnung ist eine Milchmaedchenrechnung.
Aber selbst bei einem Bruttoeinkommen von 2.700,-- Euro pro Monat verdient ein akademischer Lehrer noch um einiges weniger als andere Akademiker.

Im Uebrigen ist das Studium der Wirtschaftspaedagogik um nichts einfacher als ein BWL-Studium.

Wieviel wäre denn angemessen?

Und warum / wofür?

Ich frage mich woher der Eindruck kommt, dass Berufsanfänger überall anders sooo viel mehr bekommen?

Produktmanager bei HEROLD: 2400 brutto
IT Einkäufer bei A1: 2700 brutto
Customer Development Manager bei 3: 2285 brutto

Alles Jobs mit Studium und 2-3 Jahren Berufspraxis.

Ich sag ja nicht, dass 2200 ein super Gehalt ist, aber es ist nicht so, dass es für Berufsanfänger in anderen Bereichen gleich die große Kohle gibt.

Und beim HEROLD, A1 und 3 haben Sie nicht den ganzen Sommer frei :-)

nichts gegen fortbildung in den ferien

aber wo sind die angebote?
in meinem bereich (sonderschule) ist das angebot an fortbildung dürftig (und das ist noch lieb gesagt).
die fortbildungen, die ich auch brauchen kann, habe ich mir alles selbst finanziert, stattgefunden haben sie teils in den ferien, teils in der unterrichtszeit (am nachmittag).
auch das schilf (schulinterne lehrerfortbildung) findet bei uns am nachmittag statt. so wie die kurse für gebärdensprache, die montessoriausbildung....
meine realität ist eine andere wie die von burgstaller und co.

der unterschied zwischen ihrer auffassung und der von...

populisten wie burgstaller und co: sie kennen die materie, wissen wovon sie sprechen und sind nicht auf nur auf stimmenfang aus!

Man könnte doch auch die Fortbildung dort machen:

http://www.humbug.at/

"Werden diese in Seminarform angeboten, würden 575.000 Nächtigungen anfallen, und zwar in der Hochsaison."

Warum Nächtigungen? Man kann die Seminare in Schulen abhalten. In den Sommerferien stehen sie ohnehin leer.

Oder wollen sie die Seminare in Malediven abhalten ;-)

und wo sollen die auswärtigen lehrer schlafen - im turnsaal?

warum sind sie auswärtig?

Wenn sie in Wien vom 23. in den 4. Bezirk fahren müssen oder von Linz urfahr in das Zentrum brauchen Lehrer ein Hotelzimmer? Ja nicht einmal bei einer Fahrstrecke von leoben nach Graz ist ein Hotelzimmer angemessen.

seminare werden in NÖ

erst ab 15 teilnehmern gehalten. bei 4 physikern in der schule wird das schwer werden. da brauchts mehr schulen an mehreren standorten und damit wird's wohl uebernachtungen geben muessen. by the way: bei gemessenen 52 °C setz ich mich nicht in den physiksaal.

Nein.

Aber wie Seminare in der Privatwirtschaft, in Versicherungen, Banken, bei Ärzten usw. in Hotels (Kempinski z.B.), so mit Nouvelle Cuisine und Wellnessoasen.

Abgesehen davon: auch wenn das eigentliche Seminar in einer Schule stattfände: schlafen werden Sie einen Wiener, der auf einem Seminar in Tirol ist, hoffentlich nicht in einer Schule lassen wollen - vielleicht in einem Feldbett oder auf einer Luftmatratze?

Ich erinnere mich an meine Neulehrer-Seminare. Unterbringung im Kolpingheim oder aehnlichem - keine Rede von einem Hotel.

Posting 1 bis 25 von 257
1 2 3 4 5 6

Die Kommentare von Usern und Userinnen geben nicht notwendigerweise die Meinung der Redaktion wieder. Die Redaktion behält sich vor, Kommentare, welche straf- oder zivilrechtliche Normen verletzen, den guten Sitten widersprechen oder sonst dem Ansehen des Mediums zuwiderlaufen (siehe ausführliche Forenregeln), zu entfernen. Der/Die Benutzer/in kann diesfalls keine Ansprüche stellen. Weiters behält sich die derStandard.at GmbH vor, Schadenersatzansprüche geltend zu machen und strafrechtlich relevante Tatbestände zur Anzeige zu bringen.