Pollen im Anflug: Beifuß und Ragweed

8. August 2012, 13:45
  • Der Beifuß, ein aggressiver Allergie-Auslöser, erreicht Mitte August seine Hauptblüte.
    foto: österreichischer pollenwarndienst

    Der Beifuß, ein aggressiver Allergie-Auslöser, erreicht Mitte August seine Hauptblüte.

  • Das Traubenkraut Ragweed wird durch seine hohe allergische 
Potenz und rasante Ausbreitung zu einem verstärkten 
Gesundheitsproblem.
    foto: österreichischer pollenwarndienst

    Das Traubenkraut Ragweed wird durch seine hohe allergische Potenz und rasante Ausbreitung zu einem verstärkten Gesundheitsproblem.

Beifuß und Ragweed haben bald Hochsaison. Ihre Pollen sind äußerst aggressiv und können schwere Allergie-Symptome und Asthma auslösen

Wien - Laut Berechnungen des Österreichischen Pollenwarndienstes wird der heurige Beifußpollenflug vergleichbar mit dem im Vorjahr sein. Das von Allergikern besonders gefürchtete Unkraut Ragweed dürfte hingegen etwas stärker blühen.

Mit der Blüte von Beifuß und Ragweed (auch bekannt unter Ambrosia oder Traubenkraut) nähert sich das Ende der heurigen Pollensaison. Die beiden miteinander verwandten Kräuter sind äußerst aggressive Allergie-Auslöser und rufen bei Allergikern Beschwerden wie Fließschnupfen, rote, juckende Augen, Niesreiz, Atemnot und häufig auch Asthma hervor. "Beide Pflanzen machen ihre Blühbereitschaft und -intensität nicht nur von der Temperatur, sondern auch von den Lichtstunden und der Regenmenge abhängig. Die Witterungsentwicklung der vergangenen Monate haben ein recht positives Klima sowohl für Beifuß als auch für Ragweed geschaffen", erklärt Uwe Berger, Leiter des Österreichischen Pollenwarndienstes.

Kreuzreaktionen durch Gewürze möglich

Die Blüte der allergologisch sehr bedeutsamen Wildkräuterart Beifuß steht unmittelbar vor der Tür. "Der Beifuß erreicht Mitte August seine Hauptblüte. Die Belastungen dauern aber kaum länger als bis Ende des Monats", so Berger. Es ist in den Tieflagen des Ostens, aber auch entlang der großen Flusstäler - mit Ausnahme des Rheintals - und überall dort, wo verwahrloste Industrieflächen sind, mit einem starken Pollenflug zu rechnen. Bereits geringe Mengen können örtlich zu starken allergischen Beschwerden führen. "Der Schwellenwert für allergische Beschwerden liegt bei etwa 10 bis 15 Pollen pro Kubikmeter Luft, sensible Patienten reagieren bereits ab 3 Pollen pro Kubikmeter", ergänzt der Pollenexperte.

"Etwa jeder zehnte Beifußpollen-Allergiker reagiert neben den Beschwerden aufgrund der Pollenallergie zusätzlich auch beim Verzehr von bestimmen Gewürzen wie etwa Kümmel und Curry sowie Lebensmitteln wie Sellerie, Honig und auch Mango. Typische Symptome dieser Kreuzreaktion sind Kribbeln und Schwellungen von Zunge, Rachen oder Lippen, Übelkeit und Durchfall", weiß Reinhart Jarisch vom Floridsdorfer Allergiezentrum in Wien.

Ragweed breitet sich in Massen aus

Der Blütenstaub des Unkrauts Ragweed ist ein besonders aggressiver Allergie-Auslöser. Die sehr anpassungs- und widerstandsfähige Pflanze wurde ursprünglich durch Hilfslieferungen nach dem Krieg aus Nordamerika eingeschleppt und breitet sich vom Osten her auch in Österreich von Jahr zu Jahr weiter aus. Wien, Burgenland, Niederösterreich, Kärnten und die Steiermark sind demnach die Gebiete mit dem höchsten Ragweed-Vorkommen. Hat sich Ragweed in einer Gegend erst einmal etabliert, breitet es sich in Massen aus. "Hotspots" sind die Straßenränder der Hauptverkehrsrouten. Aber auch in Gebieten mit Feldwirtschaft und bei Großbaustellen und Schutthalden sowie an Plätzen, wo Vögel im Winter gefüttert werden, tauchen die Pflanzen auf.

In Wien zwei Belastungsspitzen pro Tag

Aufgrund der heurigen Wetterentwicklung ist mit einer erhöhten lokalen Produktion von Ragweedpollen zu rechnen. Laut Uwe Berger werden die ersten Belastungen ab Mitte August im Osten, Süden und Norden Österreichs sowie in den dortigen Flusstal-Landschaften zu erwarten sein. Speziell in Kärnten sind die Gebiete entlang der Autobahn nach Slowenien betroffen. Im Wiener Raum gibt es zwei Belastungsspitzen pro Tag: "In den Vormittags- und Mittagsstunden ist die lokale Pollenausschüttung für die Beschwerden verantwortlich", erklärt Berger. Die Belastungen, die am späten Nachmittag und Abend bis in die Nachtstunden auftreten, sind an die Winde aus Südost gebunden, die zusätzliche Pollen aus Ungarn einwehen. Die Intensität dieser Winde könne derzeit aber noch nicht vorausgesagt werden.

Immer mehr Allergiker

Das Traubenkraut Ragweed stellt aufgrund seiner hohen allergischen Potenz und seiner rasanten Ausbreitung ein zunehmend großes Gesundheitsproblem dar. "Mittlerweile reagieren bis zu 20 Prozent der Pollenallergiker mit starken Heuschnupfensymptomen auf Ragweed, und viele entwickeln sogar Asthma", berichtet Allergologe Jarisch. Anhaltende Erkältungssymptome von August bis Oktober können also auch ein Indiz für eine Allergie gegen Ragweed-Pollen sein. (red, derStandard.at, 8.8.2012)

Tipps für Pollenallergiker

  • Mit Hilfe des Pollenwarndienstes lassen sich Freizeitaktivitäten im Freien vorausschauend planen. Außerdem können Allergiker durch Pollen-Verbreitungskarten relativ leicht Ausweichmöglichkeiten herausfinden.
  • Nach Möglichkeit sollten Allergiker ihren Spätsommerurlaub in Gebieten über 700 bis 1.000 Metern Seehöhe verbringen
  • Kein billiges Vogelfutter kaufen, da dieses häufig Ragweed-Samen enthält
Share if you care
10 Postings

wir werden alle sterben. (es sei denn, wir kaufen medikamente v. baxter und novartis)

wirklich Verwandtschaft?

Beifuß - Artemisa vulgaris
http://de.wikipedia.org/wiki/Beifu%C3%9F
Ragweed - Ambrosia artemisiifolia
http://de.wikipedia.org/wiki/Beif... aubenkraut

Sind die beiden Pflanzen wirklich nahe miteinander verwandt? Artemisia ist eine andere Pflanzengattung als Ambrosia.
Der Artname "artemisiifolia" heißt übersetzt nur beifußblättrig, es geht also rein um eine Namensgebung, weil sich die Blätter ähnlich schauen.
So wie zum Beispiel der Bergahorn Acer pseudoplatanus heißt, weil die Rinde der Platane etwas ähnlich sieht. Nur deswegen sind Ahorn und Platane nicht verwandt.

nicht nur "böse", der Beifuß

Beifuß, eine der wichtigsten Gewürzpflanzen Europas, auch auf anderen Kontinenten eine alte Geschichte,
auch eine der ältesten mythologischen Pflanzen.
http://www.youtube.com/watch?v=nyT7YCxCNmk

Auch als Ganslkraut bekannt, da es fettige Speisen verdaulicher macht.

Noch zum Thema Ambrosia artemisifolia ("Ragweed"): http://ragweed.boku.ac.at/

Frankreich investiert dieses Jahr 15 Millionen Euro in die Bekämpfung von Ragweed. Was tut Österreich diesbezüglich?

Offenbar gibt es in Frankreich und der Schweiz eine Melde- und Bekämpfungspflicht für Ragweed. Dort ist aber auch die Ausbreitung etwas extremer: http://www.ambrosiainfo.de/532238976... 99a0d9e712

Warum für etwas Geld ausgeben, wenn es nicht nötig ist?
Ich bin sehr viel in Wien und ganz NÖ und Burgenland unterwegs und habe bisher noch keinen gesehen. Und, ich kenne die Pflanzer sehr, sehr gut aus meiner Zeit auf Tour als ich in Jugoslawien unterwegs war, als es noch so hieß.

ich muss nicht sehen ich spürs und das reicht mir vollkommen...von Anfang August bis Mitte September bei geschlossenem Fenster schlafen ist einfach ned super (aber leider notwendig bzw. besser als mit atembeschwerden aufzuwachen)

Hm, anscheinend gibt es aber doch einige Sichtungen. Zumindest sieht es laut dieser Datensammlung so aus: http://ragweed.boku.ac.at/ausbreitung

Lammkeule mit kräftiger Soße mit Beifuß

Die Lammkeule parieren (Sehnen und Silberhaut entfernen). Das Suppengrün waschen, evtl. schälen und in Würfel schneiden. Die Keule mit der Salz-Pfeffer-Mischung einreiben.
weiterlesen unter http://www.chefkoch.de/rezepte/8... ifuss.html

ein ganz passables rezept - bis auf die lammkeule.

Die Kommentare von Usern und Userinnen geben nicht notwendigerweise die Meinung der Redaktion wieder. Die Redaktion behält sich vor, Kommentare, welche straf- oder zivilrechtliche Normen verletzen, den guten Sitten widersprechen oder sonst dem Ansehen des Mediums zuwiderlaufen (siehe ausführliche Forenregeln), zu entfernen. Der/Die Benutzer/in kann diesfalls keine Ansprüche stellen. Weiters behält sich die derStandard.at GmbH vor, Schadenersatzansprüche geltend zu machen und strafrechtlich relevante Tatbestände zur Anzeige zu bringen.