Leishmaniose: Relativ harmlos bis tödlich

Für Reisende stellt die Leishmaniose in der Regel keine Bedrohung dar - Voraussetzung ist allerdings ein konsequenter Mückenschutz

Mit mehr als zehn Millionen Betroffenen weltweit und einem endemischen Auftreten in 82 Ländern zählt die kutane Leishmaniose zu den am weitesten verbreitenden Infektionskrankheiten durch Insektenstiche. Nach Schätzungen der Weltgesundheitsorganisation WHO kommt es etwa alle 20 Sekunden zu einer Neuerkrankung. Dennoch ist für Reisende die Wahrscheinlichkeit einer Ansteckung äußerst gering. "Im Verhältnis zu vielen anderen von Insekten übertragbaren Krankheiten ist die Leishmaniose eine regelrechte Rarität, die ab und an bei Menschen auftritt, die etwa viel in Afghanistan, Pakistan oder Südamerika unterwegs sind", erklärt Ursula Hollenstein vom Reisemedizinschen Zentrum in Wien.

Konsequenter Mückenschutz ausreichend

Die Erreger der Leishmaniose sind einzellige Parasiten, die sich in Hunden, Schakalen, Füchsen oder Nagetieren einnisten. Durch den Stich der weiblichen Sandmücke können die Leishmanien auf den Menschen übertragen werden. Einen Impfstoff dagegen gibt es keinen, allerdings ist ein konsequenter Mückenschutz als Präventivmaßnahme vollkommen ausreichend. "Die üblichen Repellentien eignen sich ganz gut, da die weibliche Sandmücke nicht besonders hartnäckig und resistent ist", so die Tropenmedizinerin. Grundsätzlich werden drei Arten der Leishmaniose unterschieden. Zur vergleichsweise harmlosen Variante zählt die rein kutane Form, die auf die Haut begrenzt und auch unter dem Namen "Orientbeule" bekannt ist. "Anfänglich sieht das aus wie ein etwas größerer Insektenstich, der über Tage und Wochen zu einem kleinen Geschwür heranwächst, typischerweise nicht weh tut oder juckt und einfach nicht abheilt", beschreibt Hollenstein die Symptome. Die medizinische Behandlung ist durch die Toxizität der zur Verfügung stehenden Medikamente allerdings nicht unproblematisch. "Es gibt hier nichts, was in die Kategorie 'harmlos' fällt", erläutert die Fachärztin für Infektiologie. Da die Krankheit in der Regel nach mehreren Monaten von selbst abheilt, ist eine Therapie in den meisten Fällen aber ohnehin nicht erforderlich.

Krankheit der armen Bevölkerung

Die mukokutane Leishmaniose, bei der auch die Schleimhäute betroffen sind und Geschwüre in Mund-, Nasen- und Rachen auftreten, kommt ausschließlich in Südamerika vor. Die schwerste Form, ist die den ganzen Körper betreffende, viszerale Leishmaniose, die auch unter dem Namen "Kala-Azar" bekannt ist. Diese ist lebensbedrohlich und muss sofort behandelt werden. "Ich kenne diese Krankheit aus dem Sudan und anderen Teilen Afrikas", erzählt Ursula Hollenstein. "Es handelt sich um eine Infektion, die ein schlechtes Immunsystem benötigt und deshalb ausschließlich die arme Bevölkerung vor Ort betrifft. Bei einem gesunden, durch die Gegend reisenden Menschen ist mir diese Form der Leishmaniose in meiner gesamten Laufbahn aber noch nicht untergekommen", so die Tropenmedizinerin weiter.

In Österreich kein Thema

Die Sandmücke ist im Nahen Osten sowie in Teilen Zentral- und Südamerikas, Afrikas, Asiens, aber auch in Regionen Südeuropas und des östlichen Mittelmeerraumes heimisch, "also nicht unbedingt etwas Exotisches", wie die Expertin vom Reisemedizinschen Zentrum betont. Das etwa drei Millimeter große Insekt ist nachtaktiv; tagsüber ruht es in Spalten oder Ritzen. Anders als ihr Name vermuten lässt, lebt sie nicht in Sandstrandnähe, sondern in ländlichen Gebieten, Waldflächen, Gärten oder Parks. Dass sich der Überträger auch hierzulande verbreiten könnte, bezweifelt Hollenstein. "Für die endemische Verbreitung benötigt es einen unheimlich komplexen Kreislauf. - Eine eingewanderte Mücke alleine reicht dazu sicherlich nicht aus", so das Resümee der Tropenmedizinerin. (Günther Brandstetter, derStandard.at, 10.8.2012)

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