Der Logiker unter den Papageien

Logisches Denken ist kein menschliches Privileg - österreichische Forscher fanden nun heraus, dass auch Graupapageien zum Klub der Logiker gehören

Logikrätsel für einen Graupapagei: Eine Forscherin hält zwei blaue Plastikbecher und schüttelt sie. In einem davon klappert es. Diesen Becher dreht der Papagei mit dem Schnabel um und findet eine Walnuss, die darin versteckt war. Beim zweiten Versuch wird nur einer der beiden Becher geschüttelt. Dabei ist nichts zu hören. Der Papagei scheint zu verstehen und steuert auf den anderen Becher zu. Offensichtlich hat er begriffen, wo in dem Fall die Nuss verborgen sein muss.

Die Papageien waren jedes Mal gleich gut darin, die Nüsse zu finden. - Egal, ob die Forscher den leeren, den vollen oder beide Becher schüttelten. Wenn aus dem einen Becher keine Geräusche zu hören waren, schlossen die Papageien, dass die Belohnung in dem anderen steckt. Die Fähigkeit, die Schlussfolgerung auf Anhieb richtig treffen zu können, wurde bisher nur bei Menschenaffen und Kindern ab drei Jahren beobachtet. Andere Affen schaffen es teilweise nach intensivem Training. Hunde lassen sich zwar auf Telefon-Klingeltöne dressieren, kommen aber nicht durch das Fehlen des Geräusches im Test auf die richtige Spur.

Relativ großes Großhirn

Wissenschafter der Konrad-Lorenz-Forschungsstelle (KLF) in Grünau im Almtal (OÖ) und des Departments für Verhaltensbiologie der Universität Wien belegten in ihren Versuchen die Intelligenz der Graupapageien. Das logische Denkvermögen der Tiere erlaubt es, zwei Schritte auf einmal schlussfolgern zu können, schreiben die Forscher im Fachblatt "Proceedings B" der Royal Society.

Dass das Papageienhirn viel kleiner als das eines Schimpansen ist, spielt keine Rolle. Es zählt nicht die absolute Gehirngröße, sondern wie groß es im Vergleich zum Körper ist, erklärt der Verhaltensbiologe Kurt Kotrschal. Wichtig sei vor allem das Großhirn. "Hier liegen Krähenvögel und manche Papageien mit der relativen Hirngröße im Bereich von Schimpansen, und die geistige Leistungsfähigkeit ist ebenfalls vergleichbar", sagt Kotrschal.

Die Graupapageien konnten besser erkennen, wo die Nuss versteckt war, wenn die Becher waagrecht und nicht auf- und abgeschüttelt wurden. "Damit haben wir nicht gerechnet", sagt Studienleiter Christian Schlögl. Die Forscher vermuten, dass das Auf-und-ab-Schütteln die Papageien deshalb irritierte, weil es die Kopfbewegungen der Tiere nachahmt.

Die sechs Papageien, mit denen die Studie durchgeführt wurde, sind ehemalige Haustiere im Alter zwischen zehn und 35 Jahren, sagt Schlögl. Die Studie wurde gemeinsam mit der Arge Papageienschutz in Wien durchgeführt. Über das Leben und Sozialsystem der Graupapageien wisse man nicht allzu viel. Sie kommen in der Natur nur in Regenwäldern in Afrika vor. Ein besonders bemerkenswertes Exemplar war ein Graupapagei der US-Tierpsychologin Irene Pepperberg mit Namen Alex. Er konnte über 200 Wörter äußern, Fragen beantworten und sagen, ob etwas mehr oder weniger ist. Machte ein anderer Graupapagei einen Fehler, korrigierte er ihn. (APA/pum, DER STANDARD, 8.8.2012)

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