Prozess: Der Kleinkrieg um den geschenkten Hund

  • Auch mit deutschen Trikots sind französische Bulldoggen französische 
Bulldoggen. Und als solche können sie Gerichtsthema werden.
    foto: dpa/fabian bimmer

    Auch mit deutschen Trikots sind französische Bulldoggen französische Bulldoggen. Und als solche können sie Gerichtsthema werden.

Die Frage, ob eine hündische Wirbelsäulendeformation rassetypisch oder krankhaft ist, beschäftigt einen Richter am Wiener Landesgericht

Wien - "Es geht also um einen Hund", stellt Richter Stefan Apostol sachlich einwandfrei fest. Noch genauer um eine Hündin der Rasse "Französische Bulldogge". Und ganz genau: um deren Wirbelsäule und das linke hintere Knie. Die seien nämlich nicht in Ordnung, behauptet ihr derzeitiger Besitzer. Das hat er auch via Internet und Mails verbreitet und daher nun eine Anklage wegen übler Nachrede und Beleidigung.

Die Angelegenheit hat internationale Ausmaße und ist für alle Beteiligten todernst. Schließlich geht es um eine verschworene Züchter- und Vereinsgemeinschaft, in der der Vorwurf, schlechte Tiere zu liefern, eine Katastrophe ist. "Da sind Hundeleute sehr sensibel", klärt Peter Akkad, Anwalt der Antragssteller, Richter Apostol auf.

Der Richter hofft auf einen Vergleich

Aber der Reihe nach. Leopold P., wichtiger Funktionär in der heimische Szene, hat aus Belgien eine Bulldogge bekommen. Von einem Bekannten - einem Freund, wie er damals glaubte - den er schon Jahrzehnte kannte. Mit der Freundschaft ist es mittlerweile aber so was von vorbei. Denn nach einigen Wochen war P. überzeugt, dass der Hund verkrüppelt ist. Und seine Wut darüber postete er auf einer Webpage und versandte Mails, in denen von "mafiosen Methoden" und "Wucher" die Schreibe war. Sogar bei der Welthundeausstellung wollte er Flyer mit den Vorwürfen verteilen.

Wie ernst die Sache ist, merkt man bereits vor dem Verfahren. Richter Apostol hofft auf einen Vergleich der Beteiligten. Alfred Noll, Verteidiger von P., ist grundsätzlich bereit. "Es tut ihm leid. Er hat sich in der Wortwahl vergriffen und ist über das Ziel hinausgeschossen. Aber dass der Hund verkrüppelt ist, ist eine Tatsache, zu der er steht."

Peter Akkad, selbst passionierter Kynologe, bestreitet das. Die "angeborene Deformation der Wirbelsäule", die sich in einem Befund findet, sei "rassetypisch". Aber mit einem Widerruf und je 2000 Euro für fünf Beleidigte sei die Sache erledigt "10.000 Euro? Never", kontert Noll.

Wohl innerlich seufzend beginnt Apostol also den Prozess. Der auch deshalb ein wenig ungewöhnlich ist, da der Angeklagte nicht selbst gekommen ist, sondern Noll als seinen "Machthaber" eingesetzt hat. Was bedeutet, dass der Verteidiger quasi als Angeklagter in der Mitte Platz nimmt.

Zuchtverbot als Tragödie

Im Laufe seiner Aussage entwirrt sich die Causa etwas. Gekauft hat P. den Hund nämlich gar nicht. "Er bekommt also den Hund geschenkt und regt sich dann auf, dass das Geschenk nicht gut genug war?", will der Richter wissen. Ja, er habe sich von seinem Bekannten hintergangen gefühlt, da der Hund nicht zur Zucht geeignet sei. Es sei sogar ein Zuchtverbot ausgesprochen worden - offenbar eine Tragödie in diesen Kreisen.

Verständlich, es geht um viel Geld. Denn das Geschenk wäre am freien Markt etwa 15.000 Euro wert. Sofern es gesund ist. Angeblich habe der Ex-Freund sogar Geld geboten. "Damit P. das Geschenk behält?", wundert sich Apostol.

Der weiterfragt: "Hat er sich mit dem Hund mittlerweile angefreundet und ist der ein guter Begleiter?" P. wolle einfach keinen verkrüppelten Hund, und das soll offiziell festgehalten werden, lautet die Replik.

Da Dokumente übersetzt werden müssen und vielleicht Gutachten nötig sind, wird vertagt. (Michael Möseneder, DER STANDARD, 8.8.2012)

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verstehe ich das richtig, ja?

Zuechter a schenkt Zuechter b einen Hund, darauf verklagt Zuechter b Zuechter a, weil der Hund ein Hueftleiden hat um den Wert des Hundes, ware er gesund gewesen. Zusaetzlich geht es am Rande um eine beleidigung von Zuechter b vs Zuechter a.

Was fuer Deppen! der Richter ist nicht zu bebeiden

Wer einen Hund hat, hat auch einen Vogel

Was wieder einmal zu beweisen war.

Wer Qualzuchttiere weiter züchten will

der hat einen Vogel.
Normale Hundebesitzer wollen Qualzucht-Hunderassen sowieso nicht, behaupte ich mal.

Ich bin ohnhin für eine Beschränkung der Zucht von Haustieren solange die Tierheime voll sind.

Genau

Dasselbe gilt für die menschliche Fortpflanzung, solange noch Kinder auf Adoption warten.
Und das war's auch schon wieder aus der Sarkasmus-Ecke.

Nota bene.....

Ich verstehe sowieso nicht, dass wenn jemand sich einen tierpartner sucht, er dann zu einem zuechter laufen muss. Muss den wirklich der hund / katze reinrassig sein ? Was hat das mit trteue und anhaenglichkeit zu tun ? REIN GAR NICHTS !
Ausser zur angabe, schaut her, ICH habe einen teuren rassehund/ katze.
Wer sich einen " tier- partner " wuenscht, der hat doch die moeglichkeit den aus einem tierheim zu adoptieren. Oder sind ihm jene nicht gut genug ?

so locker und scheinbar "tierfreundlich" habe ich auch einmal gedacht -

bis ich meine erfahrung mit einem reinrassigen hund gemacht habe. der litt an einem angeborenen genetischen defekt, der - das war das glück dabei - sehr früh durch eine äußerst kostspielige operation behoben werden konnte.

und ich rede hier noch nicht von dem physischen leid, das das tier durchmachen musste; und dem psychischen, das ich als ziemlich ohnmächtiger hundehalter durchlebt habe.

bei der recherche nach den ursachen stellte sich heraus, dass die wahrscheinlichkeit des auftretens des defekts relativ gross war. das war aus der ahnentafel des tiers erkennbar.
in weiterer folge konnte das defekte erbgut eines bestimmten rueden aus der zucht kuenftiger hunde eliminiert werden.

seither denke ich anders ueber rassehundezucht.

Es geht nicht um "gut genug"

Doch bei Tierheimhunden hat man, einfach gesagt, die Wahl zwischen: 1. Welpen, bei denen man nicht so genau weiß, was für ein Hund draus wird.
Und 2. erwachsenen Hunden, bei denen man nicht so genau weiß, was sie schon hinter sich haben.
Beides kann problematisch sein (besonders, wenn es im Haushalt Kinder gibt).
Bei einem Welpen vom Züchter hat man Einfluss darauf, welche Erfahrungen der Hund in seinem Leben macht und kann ungefähr abschätzen, was für ein ausgewachsener Hand einen erwartet.

so einfach seh ich das nicht

Sagen mir mal ich bin auf der suche nach einem neuen hund. Ich habe schon erfahrung mit einer bestimmten rasse und der neue soll auch von dieser rasse sein. Im Tierheim sind zur zeit vorwiegend "Listenhunde" mit denen man überall angefeindet wird. Ist natürlich tragisch für diese tiere, aber die sind dank eifriger medienhetze wahrscheinlich unvermittelbar. Nun, ich möchte eben nicht irgendeinen hund, schliesslich lebt man ja dann viele jahre mit ihm zusammen, sondern wie gesagt eine bestimmte rasse und die findet man eben nicht im tierheim - da bleibt dann nur der züchter als ausweg

Manchmal findet man den "Wunschund" in einem ausländischen Tierheim.

Ich habe meinen Traumhund aus dem ungarischen Tierschutz - einen Hirtenhundmischling, sowas gibts bei uns auch kaum.

Ich glaube wir haben beide in gewisser beziehung recht.
Ich kann Sie da auch verstehen, denn auch ich wuerde mir zum beispiel keinen chihahua zulegen wenn es nicht eine andere auswahl gebe.

Jetzt tun Sie bitte nicht so, als ob sie sich ihren Partner und ihre Freunde nicht auch nach optischen Merkmalen aussuchen. Warum sollte das bei einem Haustier anders sein?
Nicht jedes tier gefällt einem und manche gefallen einem besoonders gut, daran ist nichts böses.
Ich bin übrigens kein Haustierbesitzer, sondern versuche mit nur in andere hineinzuversetzen.

In diesem Fall geht es offenbar um einen Züchter, der eine Qualzuchtrasse weiterzüchten wollte, und keine Tierpartnerin gesucht hat.

Französische Bulldoggen, die dem Rassestandard entsprechen, sind in jedem Fall das Ergebnis von Qualzucht. Dazu gibt es jede Menge Information im Netz.
Und dieser Hund hat zusätzlich zu den "rassetypischen" Problemen (Atem- und Augenprobleme, kann meist nicht normal gebären etc.) auch noch Wirbelsäulenprobleme.

All das sind von Menschen mit ihrem "Rassenwahn" produzierte Probleme.

In was fuer einer miesen welt leben wir wo.....

1. Ein treues lebewesen " geliefert " wird.
2. Was heisst " schlechte tiere " ??? Ich kenne nur " schlechte menschen ".
3. Und wenn der hund wirklich verkrueppelt ist, dann verdient er mehr aufmerksamkeit und liebe.
4. Keinen verkrueppleten hund wollen, was doch fuer ein mieser kerl.
5. Solchen menschlichen kreaturen, die nur geld in deren vierbeinern sehen, gehoeren sowieso die zuchterlaubnis entzogen weil mentalmaessig nicht dazu in der lage sind.
6. Der richter sollte diesem fiessling den hund wegnehmen weil tausende von oesterreichern dem ein besseres leben bescheren wuerden.
7. Denn wenn man einen hund nicht will, und der das natuerlich spuert, dann leidet auch der arme hund darunter.
Pfui teufel, kotzt mich so etwas an !

Naja, d. ABGB sieht d. Thematik Tier eher nüchtern...

§ 285a ABGB:
"Tiere sind keine Sachen; sie werden durch besondere Gesetze geschützt. Die für Sachen geltenden Vorschriften sind auf Tiere nur insoweit anzuwenden, als keine abweichenden Regelungen bestehen."

Die meisten Vorschriften über Sachen gelten also für Tiere, da d. abweichenden Regelungen so zahlreich nicht sind. Am relevantesten wohl § 1332a ABGB, also Schadenersatz f. Heilungskosten auch über d. Wert d. Tieres hinaus, soweit ein verständiger Tierhalter den Aufwand auch machen würde.

Die nuechternheit des ABGB ist kein trost fuer tiere. Eine novellierung waere, meiner meinung nach, schon mal angebracht. Ein tier, ganz egal welches fuehlt wie der homo sapiens den schmerz.

Einem geschenkten Gaul schaut man nicht ins Maul.

Her mit den 15000 Euro.

Der Richter tut mir leid …

Naja, das ist sein Job.

15.000 Euro?

Glaub ich nicht. Es sei denn, der Hund ist der internationale Überdrüberchampion (wohl kaum, wenn verkrüppelt). Oder er hat die Überdrüberausbildung (Schutzhund, Drogenhund, Blindenhund...) - scheint aber auch nicht der Fall zu sein.
Richtig ist wohl eher: Wäre der Hund gesund, dann könnte er auf Ausstellungen abräumen. Träte das ein, dann könnte er irgendwann mal 15.000 wert sein. Ein "normaler" Rassehund kostet in Österreich so 8-1200 Euro, plusminus. Wo die 15.000 herkommen, wüsste man ganz gern.

dem bild nach sind das die weltmeister im lässig-dreinschauen. nur der komische wams mindert den eindruck.

also

meinem hundetrainer wurden von einem amerikanischen ausbilder 20000€ fuer seinen damals noch jungen rueden geboten. da ging es rein ums zuchtpotential.

Fuer Zuchtrueden zahlt man aus nachvollziehbaren Gruenden immer mehr als fuer Huendinnen.

Also den Zuechter, der fuer eine Franz. Bulldoghuendin (!) 15 000.-€ zahlt, den zeigts mir bitte.

erinnert mich an die Vogeldeppen die sich auch bis aufs

blut verklagt haben..
sowas können Außenstehende sicher nicht verstehen..(wie ich)

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