Als Trinken noch half

7. August 2012, 17:10
  • "Weintrauben und Schmetterlinge" im Vanitas-Gemälde von Philipp Ferdinand de Hamilton (um 1667).
    foto: khm

    "Weintrauben und Schmetterlinge" im Vanitas-Gemälde von Philipp Ferdinand de Hamilton (um 1667).

Die Ausstellung "Kunst voller Wein" reicht von Halbgöttern im Suff bis zum Kultstoff der Eucharistie: eine breit bebilderte Kulturgeschichte mit allzu schalem Abgang

Wien - Herkules beim Pinkeln? Abgesehen vom Manneken Pis sind solche wasserlassenden Motive aus der Kunstgeschichte eher weniger bekannt. Aber das zotige Thema des trunkenen Halbgotts war in der Antike sogar populär. Obwohl das Sich-Erleichtern in hohem Maße als unschicklich galt, schmückte die trunkene Pose als Gemme einen Ring aus dem 1. Jahrhundert vor Christus. Zu welchen Gelegenheiten die Römer wohl solche Geschmeide trugen?

Auch Bacchus oder sein griechisches Pendant Dionysos sowie ihre laute Gefolgschaft werden stets wenig vorteilhaft dargestellt: Feist, mit aufgedunsenem Leib, schlafend oder dämlich grinsend. Der Trunkene Silen hängt beim Niederländer Jan Swart van Groningen (Mitte 16. Jh.) wie ein nasser Sack auf einem Esel, scheint sich jeden Moment übergeben zu müssen.

Der jämmerliche Zustand der von Alkohol Enthemmten, Folgen wie Wahn, Gewalt und zügellose Sexualität waren aber fast immer beliebte Sujets der Kunst: Vasen, Trinkgefäße und die absonderlichsten Apparaturen für Trinkspiele zierten Darstellungen von rauschhaften Ausschweifungen.

Jene die Heurigensaison begleitende Ausstellung Kunst voller Wein im Kunsthistorischen Museum greift bei der Illustrierung dieser Vielfalt in die Vollen der eigenen Sammlung. Aber auch die kultischen, religiösen Dimensionen des Weins ("Ich bin der Weinstock, ihr seid die Reben") weiß man mit würdigen Exponaten darzustellen: etwa mit Jan Davidsz. de Heems Gemälde Eucharistie, einem prächtigen barocken Stillleben, oder einer Kopie nach Bruegel vom Fest des Hl. Martin. Zu Ehren des Patrons der Gastwirte wurde am Martinstag auch der erste junge Wein ausgeschenkt.

Dazu kommt der Rebsaft als Thema alttestamentarischer Szenen: beispielsweise die Geschichte von Lot und seinen Töchtern. Die machten den Vater trunken, um durch Inzest den Fortbestand ihres Volkes zu sichern. Bei allem Bemühen, dem Wein als Motiv gerecht zu werden, bleiben die jeweiligen zeitgeschichtlichen Bezüge - auch im Katalog - jedoch an der Oberfläche. Der Versuch einer Kulturgeschichte ist daher trotz guter Trauben nur verwässerter Wein. (Anne Katrin Feßler, DER STANDARD, 8.8.2012)

Kunsthistorisches Museum, bis 2. 9. 

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6 Postings

das sich-erleichtern gilt selbst heute noch nicht als der inbegriff dessen, was den kultivierten menschen zuhöchst erfreut

der Zustand des KHM ist mehr als bedenklich!

nach dem bereits unwürdigen Wintermärchen überholt man jetzt Krems rechts in Sachen provinzieller Ausstellungsthematik (und das mit dem gleichen Ausstellungsplakat wie die dortige Kunsthalle zum gleichen Thema vor einigen Jahren).
Keine großen Diskurse mehr, die international Bedeutung hätten, mittlerweile ist das KHM völlig absurderweise öfter mit zeitgenössischer Kunst und Geld-Aufstell-Aktionen in den Medien als mit seiner Kernkompetenz.
Ich hoffe, dieser Artikel ist ein Anfang, um endlich Druck auf das Fünrungsteam des KHM aufzubauen, wieder Ausstellungen zu entwickeln, die nicht nur den Besucherzahlen dienen.
Seipel wurde ob seiner bedenklichen Finanzgebahrung vom Standard gejagt, aber er hatte immerhin wunderbare Ausstellungen inte

Es gibt keine Entschuldigung für Seipel.
Der Mann war allerpeinlichst und ein Halbseidener. Möge er seinen Lebensabend mit jener unsäglichen Frau Gehrer genießen.

Fortsetzung:

...internationalen Formats zu verantworten.

Es sei noch angemerkt, dass diese Ausstellung ein Kniefall vor dem Buffet-Weinsponsor Bründlmayer ist.
Auch das sagt mMn. nach viel über den Zustand dieses eigentlich wunderbaren Hauses aus.

Naja, die kulturell-gesellschaftliche bzw. sogar kultur- und gemeinschaftsgründende Bedeutung eines Genussmittels wie Wein anhand der Kunst darzustellen ist doch gerade in heutiger Zeit ein hochaktuelles Thema, Sponsorenhintergrund hin oder her.
Was das Museum draus gemacht hat, mag ich allerdings nicht zu beurteilen.

Eben deswegen

sollte von einem so renommierten Haus eine Ausstellung erwartet werden können, deren Bedeutung auch Sie problemlos beurteilen können ...

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