Mentoring-Programm: Kindern "sinnvolle Zeit schenken"

7. August 2012, 14:35
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Für Kinder und Jugendliche werden "Große Schwestern und Brüder" gesucht - Konzept stammt aus den USA

Wien - Seit kurzem gibt es in Wien ein neues Mentoring-Programm für Kinder und Jugendliche im Alter von sechs bis 17 Jahren. Dabei werden Erwachsene und Jugendliche nach einem ausführlichen Auswahlverfahren auf mindestens ein Jahr zu einem Tandem zusammengespannt. Idee und Standards der durch eine Stiftung und Spenden finanzierten gemeinnützigen GmbH "Big Brothers Big Sisters" (BBBS) stammen aus den USA, wo das Konzept seit über einem Jahrhundert erfolgreich angewendet wird.

"Mitmachen kann jeder"

"Sich bewerben und mitmachen kann jeder. Es gibt weder für Kinder noch Mentoren soziale, ethische oder irgendwelche andere Kriterien. Im Interview wollen wir aber natürlich psychische Probleme und politisch fragwürdige Standpunkte ausschließen", erklärte Oliver Wenninger, Mentoring-Teamleiter von BBBS Österreich. Die Grundidee ist laut Wenninger, dass Erwachsene "Zeit schenken" (wenigstens acht Stunden im Monat), die sie mit ihren "kleinen Schwestern oder Brüdern" verbringen.

Erfahrung vermitteln

Durch ein Matching-System wird der ideale Große Bruder oder die ideale Große Schwester für den Jugendlichen gesucht. "Es geht um einen Brückenschlag zwischen den Generationen, wo Wissen, Erfahrungen sowie soziale Kompetenzen vermittelt und Talente gefördert werden sollen", erklärte der Psychologe. Das soll durchaus über die klassische, schulische Wissensvermittlung hinausgehen.

Kooperationen mit Schulen möglich

Vorstellbar sind für Wenninger daher auch Kooperationen mit Schulen oder sozialen Verbänden wie etwa Flüchtlingsorganisationen. Wenninger hat da schon gute Erfahrungen gemacht. In Gesprächen mit Lehrern seien diese durchwegs angetan von dem Konzept gewesen. Damit könnten Aufgaben abgedeckt werden, die von Schulen oft schon aus zeitlichen Gründen nicht geleistet werden können, hieß es.

Wiens Jugendanwältin Monika Pinterits sieht das Programm positiv. "Solche Initiativen sind immer zu begrüßen, davon kann es eigentlich nicht genug geben", meint sie. Die Jugendanwaltschaft will sich die Entwicklung jedenfalls "wohlwollend" anschauen.

Männer gesucht

Übrigens werden derzeit laut Wenninger vor allem männliche Mentoren gesucht, da es bei den Jugendlichen mehr Anmeldungen von Buben gibt. Es werden nämlich nur gleichgeschlechtliche Tandems gebildet. "Männer sind wohl auch schwerer zu motivieren für derartige Konzepte", mutmaßte er. (APA, 7.8.2012)

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