Medienfokus auf Stars, Glamour und Sponsoren

7. August 2012, 12:12

Rundschau über die Berichterstattung der ersten Wochen der Salzburger Festspiele - Medialer Niederschlag zwischen Society-Events, Budgetdebatten und Bühnenereignissen

Salzburg - Die Ökonomie der Salzburger Festspiele hat Intendant Alexander Pereira mit den Budgetdiskussionen und Sponsoringideen für die Festspiele 2013 selbst zum Thema gemacht: Dementsprechend geht es auch in der nationalen und internationalen Berichterstattung bisher häufig mehr um Zahlen und den "Glamour"-Faktor des neuen Intendanten als um ästhetische Fragen. Weniger einig sind sich die KritikerInnen jedoch bei der künstlerischen Qualität der Aufführungen. Bei den Opern begeisterten "La Boheme" und "Ariadne auf Naxos", die "Zauberflöte" erntete wenig Zustimmung. Auf der Schauspielseite erhielt "Prinz Friedrich von Homburg" ein mehrheitlich positives Medienecho, während "Peer Gynt" kaum punkten konnte.

"Salzburger Festspiele, Ewige Melkkuh" titelte "Die Presse" am Wochenende. Um den Glamourfaktor nach Salzburg zurückzubringen, sei Pereira mit seiner Gabe für Namedropping und Spitzenstars genau der richtige Mann. Das deutsche Wochenblatt "Die Zeit" widmete die ersten Absätze der Kritik zu "La Boheme" dem Nachdenken über die wirtschaftlichen Überlegungen hinter der Aufführung dieser als Publikumsmagnet bekannten Oper mit Anna Netrebko. Alleine der Spielplan sei "schamloser Populismus" und eine "offene Hinwendung zum Populären", so die "Frankfurter Allgemeine Zeitung" (FAZ). Die Anzahl der Luxuskarossen für Gäste der Sponsoren sage mehr über die Bedeutung der Festspiele als jede Beschreibung der ästhetischen Sachverhalte, urteilte die "Süddeutsche Zeitung". Das Wochenmagazin "profil" ortete mit Pereira eine Rückkehr von Glanz und Repräsentation sowie dem Hang, sich selbst zu feiern.

Gute Kritiken für "La Boheme"

Trotz des Populismus- und Glamourvorwurfs erntete "La Boheme" mit Netrebko als Mimi und Tenor Piotr Beczala als Rodolfo beinahe durchwegs gute Kritiken. "profil" sah einen Höhepunkt, "Die Presse" und DER STANDARD lobten immerhin Netrebkos Gesang, der einen "passablen Abend" ermöglichte. "Es wurde aber auch Zeit für ein bisschen Glamour", urteilte die "Zeit" augenzwinkernd. Nur bei der "FAZ" fiel die "Boheme" durch - man habe sich eindeutig überhoben.

Die Oper "Ariadne auf Naxos" von Richard Strauss und Hugo von Hofmannsthal, um ein Moliere-Stück erweitert, begeisterte das Publikum. Die KritikerInnen zeigten sich geteilter Meinung: Vor allem die Theatereinlage wurde meist gelobt, "Süddeutsche Zeitung" und "Neue Zürcher Zeitung" (NZZ) sahen gar eine "Sternstunde". Weniger Begeisterung löste die Inszenierung von Regisseur Sven-Eric Bechtolf in den deutschen Feuilletons aus: Die "Zeit" sprach von einem "ehrenwerten Experiment", die "FAZ" vermisste witzige Einfälle oder produktive Enthüllungen.

Die neue "Zauberflöte" unter der musikalischen Leitung von Nikolaus Harnoncourt enttäusche mehrheitlich. "Zum Einschlafen" meinte "profil", "eine Flöte ohne Zauber". "Langatmig" fand sie der "Kurier", "bitte nicht so unmozärtlich" gab die FAZ für die Zukunft mit. Die "Zeit" titelte: "Papageno und die Kammer des Schreckens".

"Niveau erschreckend tief gesunken"

Bei den Schauspielaufführungen fiel das Medienecho vor allem für die Inszenierung des Kleist-Stücks "Prinz Friedrich von Homburg" von Andrea Breth mehrheitlich positiv aus. Eine "Höchstleistung des Burgtheater-Ensembles" sah "Die Presse", einen "schwarz glänzenden Höhepunkt" die "NZZ". DER STANDARD lobte die "famose Klugheit" der Inszenierung und die "FAZ" ortete einen Triumph - vor allem für Peter Simonischek.

Die rockige Inszenierung von Henrik Ibsens "Peer Gynt" durch Regisseurin Irina Brook stieß dagegen auf wenig Liebe. "Kitsch" und "Kindergeburtstag" urteilten STANDARD und "FAZ". Mit "Peer Gynt" sei das Niveau der Festspiele erschreckend tief gesunken, meinte "profil". Das Stück bleibe zu sehr an der Oberfläche eines platten Rockmusicals, so die "Salzburger Nachrichten", während "Die Presse" zwar bei dieser Produktion fehlende dramatische Dichte bemängelte, ansonsten aber lobte, dass Theaterleiter Sven-Eric Bechtolf "sein Geschäft außerordentlich gut versteht". Er habe "das Angebot wie ein guter Kaufmann breit gestreut" und sei beim "Young Directors Project" Risiko eingegangen. Die erste Produktion, "Trapped" von Princess Zinzi Mhlongo, sei allerdings "ein spektakulärer Flop" gewesen, formulierte "Die Presse" durchaus im Einklang mit vielen weiteren Medien. (APA, 7.8.2012)

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