Finanzen: ORF-Führung verordnet Nulllohnrunde

7. August 2012, 21:46
  • ORF-Finanzdirektor Richard Grasl (li.) kündigt Nulllohnrunde an - Betriebsratschef Gerhard Moser sieht "Drohgebärde".
    foto: apa/schneider/fohringer

    ORF-Finanzdirektor Richard Grasl (li.) kündigt Nulllohnrunde an - Betriebsratschef Gerhard Moser sieht "Drohgebärde".

Mehr Gebühren, aber mit 3,1 Millionen Verlust unter Plan - Betriebsrat: "Diktate fruchten nicht"

Wien - Briefe von Alexander Wrabetz, derzeit auf Urlaub, und Richard Grasl waren schon sonniger: Der ORF-General und sein Finanzdirektor informierten die Stiftungsräte über die Entwicklung des Gebührenfunks im ersten Halbjahr. Wegen Werbeminus und weniger Einsparungen liegt der ORF derzeit unter seinem Finanzplan. Aus heutiger Sicht: 3,1 Millionen Minus für den Küniglberg ohne Tochterfirmen, 1,2 Millionen Euro über null Konzernergebnis. Budgetiert hatte der Konzern 3,5 Millionen Euro Plus.

Im Juni erhöhte der ORF die Gebühren. Um die Sanierung des Küniglbergs zu finanzieren, will er noch im August den Verkauf des Wiener Rosenhügel-Areals beginnen, bewertet mit zehn Millionen. Interessiert: die Betreiber der Filmstadt Wien dort, Produzent Kurt Mrkwicka und die MR Film.

Zwei Ursachen nennen Grasl und Wrabetz für das maue erste Halbjahr:

  • Die Werbeerlöse blieben "deutlich unter den Erwartungen". Im ersten Halbjahr fehlen 6,8 Millionen Euro, hochgerechnet auf das Gesamtjahr 10, 5 Millionen auf die erwarteten 218 Millionen. Dafür müsste der ORF heuer drei Werbemillionen mehr einnehmen als 2011. "Die gesamte Medienbranche kämpft mit Rückgängen", erklären die ORF-Bosse das Problem. Als künftiger Chef der ORF-Werbevermarktung Enterprise wird wie berichtet Reinhold Gmeinbauer gehandelt, der die Presse-Geschäftsführung verlässt.
  • Den Betriebsrat machen Wrabetz und Grasl "zweitens" verantwortlich. Sie versuchten, Ansprüche aus alten ORF-Kollektivverträgen zu reduzieren. Sparziel: 15 Millionen. Der Betriebsrat lehnte weitere Einschnitte beim Personal ab.

Personalkosten laufend senken

Laut geltendem Gesetz muss der ORF seine Personalkosten praktisch laufend senken, wenn er den vorerst bis 2013 laufenden Bundeszuschuss von 30 Millionen Euro jährlich bekommen will. Er ist definiert als teilweise Abgeltung von Gebührenbefreiungen. Sie, so heißt es im ORF, sei trotz des Neins des Betriebsrats vorerst gesichert. 2,5 Millionen Euro sparte der ORF nach internen Quellen im ersten Halbjahr am Personal; wieder einmal etwa an den Honorarbudgets für die ohnehin oft prekär entlohnten freien Mitarbeiter. Weniger frei gewordene Jobs wurden nachbesetzt, Vorrückungen zurückgestellt.

Nach dem Nein des Betriebsrats zu ihrem Forderungspaket kürzen Grasl und Wrabetz "einseitig" anderswo am Personal: Für 2013 kündigen sie eine Nulllohnrunde für alle ORF-Mitarbeiter an. Zudem würden die Zuschüsse für ORF-Pensionen nicht erhöht.

Betriebsratschef Gerhard Moser lehnt die Nulllohnrunde naturgemäß ab: " Drohgebärden und Diktate fruchten bei uns nicht. Im Gegenteil", sagt Moser der APA.

"Unklug und kontraproduktiv" seien solche Ansagen, zumal man noch im August über einen neuen Kollektivvertrag reden wollte. Sie bewegten sich " am Rande der Unverschämtheit", wenn man an "fette Boni" für die Geschäftsführung denke, die zudem künftig mit automatisch zehn Prozent mehr Gehalt für das Management abgegolten würden. Das Plus liegt unter den bisherigen Boni. Moser: "Parallel zu neuen Spartenkanälen wird munter weiter Personal abgebaut, werden sogenannte 'freie Mitarbeiter' als Ersatzarbeitskräfte missbraucht." (fid, DER STANDARD, 8.8.2012)

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Wohl nur eine Frage der Zeit, bis die Kompetenten verschwinden. Die Günstlinge werden natürlich bleiben - der Einfluss auf die eh schon schlechte Qualität wird schwer zu erkennen sein.

Wie kommen untere Schichten der arbeitenden Bevölkerung dazu, Zwangsgebühren für diesen Sender zahlen zu müssen?

Wenn der ORF nicht überlebensfähig ist, bitte zumachen, danke.

Wie kommen die unteren Mitarbeiterschichten dazu, wenn die Chefitäten zu schlecht wirtschaften?

Ist leider das schicksal der braven hackler

Eine weitere Gebührenerhöhung ist sicher alternativenlos!

und täglich im Etat-Teil ein neuer Grund,

den ORF abzuschaffen. Misswirtschaft, Korruption, Privilegien und Unsummen an Kosten für die Bürger. Wie lange noch?

Ich kann mir beim besten Willen nicht vorstellen,

dass die Herren Wrabetz, Grasl und Co auf eine ordentliche Gehaltserhöhung verzichten. Wird wohl nichts werden mit der Nulllohnrunde.

Oder verstehe ich da etwas nicht richtig?

Die Direktoren haben ihre Erhöhung bereits

Früher gab es 4x3,5%=max 14% Erfolgsbonus für das Direktorium.
Da dieser gestrichen wurde sind die Gagen um 10% erhöht worden. Somit zwar 4% weniger Gage, aber ohne Risiko somit 10% mehr, als mit Aufwand.

Doch nicht so ein Wunderwuzzi

dieser Grasl.

lächerlich....

aber neun landesstudios durchfüttern, nur dass erwinI und co ihre hofberichterstattung haben.

Auch nur...

... irgendeine Ahnung, wie die Arbeitsbedingungen in den Landestudios aussehen?

für die braven

fließt milch und honig......

Sorry...

... aber selten so einen Blödsinn gelesen... es lebe die Verallgemeinerung und das Über-einen-Kamm-scheren...

man kann gern ins detail gehen.

lindner hat massenhaft freie mitarbeiter fix übernommen, denen geht es mehr als gut.

dafür ist für die freien nahezu nix mehr da.....

und wozu neun aufgeblähte landesstudios gut sein sollen können sie mir vielleicht erklären?

Lindner...

... musste viele Freie übernehmen, sehr oft in schlechten VGs... und genau diese tragen mittlerweile eine große Last der Programme, da in den letzten Jahren nix nachbesetzt wurde. Und wo die Landesstudios aufgebläht sind, das würd' ich gerne mal sehen - der Output (erfolgreichste TV-Sendungen in Ö, neun in ihren Zielgruppen höchst erfolgreiche Radiosender, die erfolgreichsten Chronik-Internet-Portale (trotz massivster gesetzlicher Beschränkungen), um nur ein paar Sachen zu nennen) ist für die immer weiter schrumpfende personelle Ausstattung nicht so schlecht... aber Landesstudio-Bashen ist super, wenn man in Wien wohnt, und wenn dann ein ZiB-Redakteur nicht mal weiß, aus welchem Unwettergebiet er berichtet, kann man auch gleich ORF-bashen!

ich wohne in nö.

und die tägliche hofberichterstattung über erwinI und seine entourage ist mehr als peinlich.

mit seriösem journalismus hat das nichts mehr zu tun.

berchtigte kritik ist kein bashing......

wie gesagt...

... die landesstudios machen ganz grundsätzlich gute arbeit... und das für vergleichsweise wenig geld... am küberg könnte gespart, und zwar eine ganze menge...

Bleibt aber festzuhalten das auch am Berg die technischen und redaktionelllen Mitarbeiter am bzw überm Limit arbeiten. Da schenkt man sich nix. Am Berg ist halt der ganze Apparatschiks-Stadl, der mitgezahrt werden will.

ORF-Führung verordnet Nulllohnrunde

Ja aber doch hoffentlich nur für die niederen Chargen. Ich mein, wo kämen wir denn da hin, wenn auch die Chefs weniger verdienten!

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"ORF-Führung"???
Wie sarkastisch/zynisch/ironisch ist das denn?
Denen gehört die GIS-Zwangsgebühr
im Sackerl fürs Gackerl "überwiesen"!!!
Ab nach Kärnten mit dem Küniglberg - und dann
bitte abspalten!

Stop

Sklavenhaltung ist das bei den"Freien Mitarbeiter"
Manche arbeiten und können sich das Leben nicht mehr leisten!
Stop die Gehälter, Bonis etc in den oberen Etagen und gebt endlich Geld den Mitarbeitern + "Freiwilligen" die das Programm machen, dann kann man ORF wieder anschauen.

ein vorschlag zur guete....

die chefs bekommen die fetten bonis, die indianer eine saftige lohnerhoehung und wir zwangsverpflichtete eine verdoppelung der gebuehr

Ich will meine GIS Gebühren zurück, mit Zinsen.

Traum und Wirklichkeit

Sind die TV-Werbeerlöse in Österreich wirklich rückläufig, oder gar im Steigen nur nicht beim ORF, sondern nur in den Werbefenstern und bei den Privaten?
Vielleicht sollte der KD eine Volvo Flotte hinterfragen, ob Kickbacks von Werbekunden nicht dem Mutterhaus abgehen?

Vielleicht sollte manche Tochter, die (zum Glück) keine Balkangeschäfte macht wieder eingegliedert werden (ohjeh 40%) Raiffeisen.

Vielleicht sollten in Sachkosten versteckte Personalkosten hinterfragt und Geld gespart und Mitarbeiterzufriedenheit gesteigert werden?

Am wichtigsten wäre eine vernünftige Programmoffensive- aber nicht die die gefahren wird! Dokus sind gefragt!

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