Stiller Ausgleich Griechenlands erwartet

7. August 2012, 09:11

WK und Industrie sehen Rückzahlungen als fragwürdig an, halten Euro-Rettungsaktionen aber für alternativlos

Wien - Wirtschaftskammer und Industrie haben sich mit dem Gedanken an Zahlungsausfälle beim seit 2010 mehrfach "geretteten" Griechenland vertraut gemacht, unterhalten aber unterschiedliche Vorstellungen darüber, wie dies mit dem geringstmöglichen Schaden vonstattengehen kann. Während Georg Kapsch, der neue Chef der Industriellenvereinigung (IV), ein Fortführungskonzept als Vorbedingung für einen solchen Rabatt sieht, plädiert Wirtschaftskammer-Chef Christoph Leitl für eine Erstreckung der Zahlungsziele um viele Jahrzehnte, die die Forderungen an Athen weitgehend entwerten würde.

Nach Berechnungen des Brüsseler Think-Tanks CEPS würde ein kompletter Zahlungsausfall den Staat Österreich (direkt) 9,1 Mrd. Euro kosten. Können die volle Pleite bzw. Kapitalspritzen für die Notenbank(en) vermieden werden, würde die Rechnung für Wien aber um einige Milliarden geringer ausfallen, wird gehofft. 2,6 Mrd. Euro (bilaterale Kredite und Wertberichtigungen in der verstaatlichen Bad Bank KA Finanz) sind sowieso schon geflossen bzw. budgetär verdaut.

Nachlass oder Strecken

"Schuldennachlass gibt es überall - auch in der Unternehmenssanierung. Das ist auch sinnvoll", sagte Kapsch am Montag. Er unterstrich, dass diese Aussagen seine persönliche Meinung und keine IV-Position darstellten. "Davor muss der eingeschlagene Weg aber klar sein. Das ist ja auch bei Unternehmen so: Wenn sie nicht mit einem klaren Konzept, dessen erste Schritte sie bereits getan haben, zur Bank gehen, werden sie keinen Nachlass bekommen."

Leitl erklärte, er sei gegen einen (nominellen) Schuldenerlass. Da sei es noch besser, die Kredite auf lange Zeit zu erstrecken, etwa auf 80 Jahre mit einem rückzahlungsfreien Zeitraum von 20 Jahren. Zum Vergleich: Die derzeitige Fristigkeit der Griechenland-Darlehen (EFSF) beträgt 12,5 Jahre, die der bilateralen Kredite ist noch kürzer.

Bruno Rossmann, der neue EU-Sprecher der Grünen, hatte Ende vergangener Woche gefordert, die EU-Staaten sollten ihre Verzögerungstaktik beenden und Athen substanziell Schulden erlassen. Die österreichischen Grünen gelten spätestens seit der parlamentarischen Abstimmung über die Rettungsschirme als europapolitischer Bündnispartner der regierenden SP-VP-Koalition. Wie berichtet haben private Geldgeber Athen bereits im vergangenen März 100 Milliarden nachgelassen ("Haircut").

Keine Steuererhöhungen

Wirtschaftskammer und Industrielle haben - wie Gewerkschaft und Arbeiterkammer (AK) - die staatlichen Griechen-Hilfen von Beginn an unterstützt und tun dies - wie bei den übrigen Euro-Rettungsmaßnahmen - weiterhin. Es gebe zu diesen "keine vernünftige Alternative, sonst zerreißt es uns", sagt Leitl.

Auf die Frage, ob er wie Bundeskanzler Werner Faymann (SPÖ) gegebenenfalls einen unbegrenzten Rettungsschirm bzw. eine Staatsfinanzierung über die Notenbank befürworte, antwortet der Chef der Wirtschaftskammer: Die USA hätten 2008 ihren Finanzsektor auch mit hunderten Milliarden neu geschaffener Dollars aufgefangen, die oft befürchtete starke Geldentwertung sei bisher aber ausgeblieben. Auch Kapsch hätte nichts gegen die diskutierte Belehnung der ESM-Anleihen durch die EZB, "wenn wir gleichzeitig eine starke Fiskalunion haben".

Steuererhöhungen oder gar Zwangsanleihen zur Rettung des Euro lehnen beide aber kategorisch ab. Kapsch: "Ich glaube nicht, dass man den Euroraum mit höheren Steuern retten kann, weil in einem solchen Fall mehr Kapital ab- als zufließt." Für Leitl stellt sich die Frage, ob höhere Steuern nicht vielleicht der Preis für "mehr Europa" sein könnten, gar nicht: "Nein, nein und nochmals nein zu Steuererhöhungen." Diese seien nur dazu da, nötige Veränderungen auf die lange Bank zu schieben, das lehre ihn die Erfahrung. Beim Plan, Reformen mit Steuererhöhungen vorzufinanzieren "hat bisher immer nur die erste Phase funktioniert: das Abkassieren." (APA, 7.8.2012)

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14 Postings
Liebe Wirtschaftskammer

Wie sollen die österreichischen Bürger eure Produkte kaufen, wenn man sie die Miesen der Superreichen bezahlen lässt?
Ihr holt euch stets das Geld bei denen, die sich ohnehin schwer tun, die aber die Wirtschaft durch ihre Arbeitskraft und Kaufkraft erst aufrecht erhalten. Je mehr ihr den Bürgern aus der Tasche zieht, um so weniger Gewinn gibt es für die Wirtschaft. Gut, ihr könnt immer noch exportieren, nur wohin? Österreich steht im Moment vergleichsweise gut da, aber wie lange noch bei dieser Politik?
Die 10% reichsten Österreicher haben das 10-fache der österreichischen Staatsschulden. 2 Jahre 10% Vermögenssteuer und die Reichen haben immer noch genug, und Österreichs Staat ist im Plus.
Die Leute weiter ausrauben ist ein Knieschuss.

N achdem Staatspräsident Peres dieser Tage Athen besucht besteht ja kein Zeifel daran dass die EU alle Schulden Athens übernehmen wird

alternativlos systemrelevant

...blödsinn!
http://www.wissensmanufaktur.net/

...sehr spannend...
http://www.youtube.com/watch?v=wDYbZHJyEzc

Die EU, CDU und viele mehr sollen endlich bei den Reichen, Millionäre, Milliardäre, Banken, Abzocker sparen und sollen endlich die kleinen Leute in Ruhe lassen. Diese haben die Krise nicht verursacht und müssen jetzt für die Reichen büssen. Noch mehr sparen bei Pensionen, Löhnen, Investitionen, Gesundheit und Bildung geht nicht mehr.

doch - gerade die kleinen Leute haben diese Krise verursacht

so ein Blödsinn

ja, die Wahrheit tut oft weh!

"Leitl plädiert für eine Erstreckung der Zahlungsziele um viele Jahrzehnte"

Sobald die Wirtschaft ihre Schäfchen im Trockenen hat, und die Schulden beim Steuerzahler liegen, soll die Rückzahlung der Kredite auf den St. Nimmerleinstag erstreckt werden. Bloß, ohne Druck werden die Gr. keine Reformen umsetzen. Dann wird wieder fleißig konsumiert und weitere Schulden angehäuft. Doch wer soll das bezahlen? "Nein, nein und nochmals nein zu Steuererhöhungen." Diese seien nur dazu da, nötige Veränderungen auf die lange Bank zu schieben behauptet Leitl.

Leitl, bitte halt´s einfach zam! Du schadest mit deinen Aussagen allen ehrlichen Unternehmern.

... sie sind "per du" mit leitl?

(das spricht aber nicht für sie)

Ach Gott - haben Sie noch andere Sorgen?

Und wieder einmal zeigt sich was jeder Österreicher und Österreicherin mit Hausverstand bereits seit Anbeginn wusste, nämlich dass Griechenland niemals wird seine Schulden zurückbezahlen können. Im Gegensatz dazu wollte uns unsere Regierung die Haftungen für die maroden Staaten als Geschäft für den Steuerzahler verkaufen. Da bereits internationale Konzerne beginnen ihre Finanzinvestitionen aus der Eurozone abzuziehen ist auch der Vergleich mit den USA nicht zulässig, denn die internationalen Geldgeber vertrauen Amerika noch immer während sie dem Euro schön langsam den Rücken kehren.

http://www.wienerzeitung.at/meinungen... ttung.html

der vergleich mit den usa

ist auch deshalb nicht angebracht, da es sich dort um einen einheitlichen staat handelt, der, wie österreich z.b., innerhalb seiner grenzen mehr möglichkeiten hat als unsere nationalstaaten in der euro-eu. diese vereinigten staaten von europa idee ist zwar schön und gut, letztlich aber wegen der enormen unterschiede der einzelstaaten wunschdenken. sinnvoll wäre vermutlich das, was wir schon hatten: bi- und multilaterale verträge und eine ewg sowie efta, die uns weitaus mehr gebracht haben. und die grenzkontrollen wären ebenso wieder sinnvoll, um der ansteigenden grenzüberschreitenden kriminalität wieder herr zu werden. ich habe kein problem mit solchen kontrollen, die ja auch differenziert stattfinden können (z.b. weniger zwischen d,ö,ch).

Ah... alternativlos...

Liebe Nutzmenschen! Bitte einfach glauben! Nicht hinterfragen! Ein gescheitertes System weiter auf Kosten des Gemeinwohls künstlich am Leben zu erhalten ist alternativlos.
http://docs.banken-in-die-schranken.eu/Systemverlierer.pdf

super link

planb.at.tc

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