Russland erlebt das nächste Satelliten-Desaster

Zwei Satelliten kreisen als Weltraumschrott auf falscher Bahn - Krisensitzung in Moskau

Moskau - Bei einer erneuten millionenschweren Panne hat Russland gleich zwei Kommunikationssatelliten auf einmal verloren: Durch einen Fehler bei der Oberstufe der russischen Trägerrakete Proton-M seien ein russischer und ein indonesischer Satellit in eine falsche Umlaufbahn geraten, sagte ein Sprecher der Raumfahrtbehörde Roskosmos am Dienstag. Der Start vom Weltraumbahnhof Baikonur in Kasachstan verlief zunächst planmäßig. Doch dann zündete die Raketenoberstufe nur sieben Sekunden statt der geplanten gut 18 Minuten, so dass die Satelliten auf eine deutlich niedrigere Bahn kamen. Die Flugbahn der Rakete sei nicht mehr zu korrigieren, hieß es.

Roskosmos berief eine Krisensitzung zu dem umgerechnet rund 150 Millionen Euro teuren Fehlstart ein. An einer vom zuständigen Vizeregierungschef Dmitri Rogosin angekündigten Sondertagung zur Situation in der Raumfahrtbranche soll auch Ministerpräsident Dmitri Medwedew teilnehmen. Alle Proton-Starts wurden bis auf weiteres ausgesetzt.

Absturz wünschenswert

Theoretisch könnten die Flugkörper, die nun in rund 300 Kilometern kreisen, auch der Raumstation ISS gefährlich werden, sagte ein namentlich nicht genannter Mitarbeiter. Das Risiko sei aber gering. Der russische Satellit Express MD2 und der indonesische Satellit Telkom-3 würden vermutlich in sechs bis acht Wochen abstürzen. Die Satelliten würden weiterhin beobachtet, teilte Roskosmos mit. Experten gingen davon aus, dass die Überreste beim Wiedereintritt in die Erdatmosphäre verglühen. 

Express MD2 sollte zehn Jahre lang Fernsehübertragungen und Kommunikation in früheren Sowjetrepubliken verbessern. Telkom-3 wurde auf Bestellung Indonesiens in Russland hergestellt und sollte 15 Jahre lang für gute Telekommunikations- und Fernsehverbindungen in Südostasien sorgen.

Vorgeschichte

Die Panne erinnert an den Fehlstart einer Proton-M mit einem russischen Nachrichtensatelliten vor fast genau einem Jahr. Damals geriet die Rakete wegen einer Fehlzündung auf eine falsche Umlaufbahn. Der mehr als fünf Tonnen schwere Satellit wurde nach sieben Monaten gezielt bei Hawaii im Pazifik versenkt.

Für die stolze Raumfahrtnation Russland ist der Zwischenfall ein weiterer Rückschlag. Erst im Jänner 2012 war die 13,5 Tonnen schwere und 120 Millionen Euro teure Marsmondsonde "Phobos Grunt" unkontrolliert in den Pazifik gestürzt. 2010 hatte Roskosmos bereits drei Satelliten für das ambitionierte Navigationssystem Glonass verloren. (APA/red, derStandard.at, 7. 8. 2012)

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