Kurt denkt

Kurt Scheuch in der "Presse" über den "Kröten"-Sager und die Kennedy-Brüder - Schwarz-Blau-"Architekt" Martin Bartenstein im "Kurier"

Kärnten mag vielen Menschen - sogar innerhalb seiner Grenzen - als Kuriosum erscheinen, und in Zusammenhang mit den dortigen Ereignissen ist auch in der österreichischen Justiz einiges an Kuriosem zutage getreten. Beides zusammen weckte offenbar den einschlägigen Ehrgeiz des im trauten Familienkreis zum stellvertretenden Landeshauptmann erhobenen Kurt. In einem Interview mit der "Presse" legte er ein ergreifendes Zeugnis seiner unwandelbar hirschledernen Gesinnung ab, als er auf die Frage, ob er sich bei dem Richter, den er in patriotischer Notwehr "Kröte" genannt hat, eventuell entschuldigen würde, die denkwürdige Antwort lieferte: "Ich möchte zuerst ein Gefühl dafür bekommen, zu welchem Urteil man kommt. Ich gehe davon aus, dass ich freigesprochen werde. Und ich denke, dass ich den 'Kröten'-Sager - sollte ich ihn getätigt haben - werde aushalten können."

Dieser Aussage lässt sich entnehmen, dass der forensische Optimismus, mit dem Freiheitliche unter Unschuldsvermutung bisher in die Zukunft blicken durften, zwar nicht gebrochen ist, aber doch einen leichten Knick erfahren hat. Kurt geht zwar davon aus, "dass ich freigesprochen werde", weil alles andere sowieso Blut- und Bodenschande wäre. Seit Justitia aber einige Geständnisse in den Schoß gefallen sind, die Zweifel an der verlässlichen Anwendung des Überraschungsverbotes geboten erscheinen lassen, zeugt es nur von der Vorsicht des karinthischen Staatsmannes, "erst ein Gefühl dafür bekommen zu wollen, zu welchem Urteil man kommt."

Das ist weise. Wie sollte ein Gericht sicher sein, in welche Tierklasse der Richter von Kurt eingestuft wurde, wenn dieser selbst sich nur sicher ist, dass er "den 'Kröten'-Sager werde aushalten können", egal, ob er ihn "getätigt" hat oder nur "getätigt haben sollte". Wenn im Kurt mit sich nähernder Verhandlung nun die Zweifel stärker werden, ob er den "Sager getätigt" hat, muss eben gelten: Im Zweifel für den Angeklagten, umso mehr als dieser ihn ja an der Justiz hegt. Schon einmal will ein Freiheitlicher nur Humpeldumpel oder ähnlich Sinnvolles gesagt haben, wo die feindliche Umwelt "Bundespräsident" gehört haben wollte. Man dreht den Anständigen, Fleißigen und Ehrlichen ja ständig das Wort im Mund um, was Kurts Unsicherheit, ob er "den 'Kröten'-Sager getätigt" haben sollte oder nicht, ohne weiteres erklärt. Vielleicht war es nur ein "Tröten"-Sager oder überhaupt nur ein "Flöten"-Sager, ein "Klöten"-Sager wohl eher nicht. Was auch immer: Wenn Kurt seinen "Sager werde aushalten können", kann man das auch von einem Richter verlangen. Wenn nicht, kann er ja abtreten, der Schwächling.

Der Kurt kennt sich aber nicht nur im Mölltal und Umgebung aus, er hat auch die Weltgeschichte im eisernen Griff. Auf die Frage der "Presse", ob es "ein lässliches Modell" sei, "dass auch unter Brüdern getauscht wird", antwortete er: "Ich denke, dass es weltweit viele Beispiele dafür gibt. Die Kennedys waren auch Brüder." Die haben zwar ihre Ämter nicht "getauscht", vielleicht aber nur, weil getrennte Adressen sie daran hinderten, zum perfekten Vorbild von Kurt und Uwe zu werden. Möge ihr Ende den Mölltaler Kennedys über das "lässliche Modell" hinaus Anlass zum Nachdenken werden, statt immer nur "Ich denke" zu sagen, wenn sich das "also bin ich" doch nicht mehr einstellen will, seit Jörg Haider das Vordenken eingestellt hat.

Auch der "Kurier" hat sich am Wochenende mit einem Interview profiliert. Ausgerechnet Martin Bartenstein, "einer der Architekten von Schwarz-Blau", durfte sich "mit der Weisheit des Rückblicks" spreizen. Sie reicht gerade bis zur Erkenntnis: "'Für die ÖVP war 's schon lustiger'. Mit der Weisheit des Rückblicks ausgestattet, würde ich nicht nur Politik ganz anders gestalten"", verriet der "Architekt", blieb aber "nicht nur" die Antwort darauf schuldig, was er neben der Politik "ganz anders gestalten" würde, sondern ließ durchblicken, dass er dasselbe noch einmal nur deshalb nicht gleich wieder machen würde, weil das "derzeit wohl keine realistische Option ist". Warum nur?

Das Land versinkt in den Korruptionsfolgen aus der Schüssel-Zeit. Bartenstein dazu: "In vielen Sachfragen profitiert dieses Land immer noch von der Reformkraft Wolfgang Schüssels, die er nur mit der FPÖ umsetzen konnte." Und: "Wolfgang Schüssel mit Dreck anzupatzen, zeigt nicht von gutem Charakter." Blöd nur - der Anpatzer von heute war früher Kärntner VP-Chef. Das nennt man "Weisheit des Rückblicks"! (Günter Traxler, DER STANDARD, 7.8.2012)

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