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vergrößern 800x532Romanfigur Kemal hat sie gesammelt: Zigarettenreste als Erinnerungen an ein vergangenes Liebesglück.
"Er möchte Empfindungen ausstellen, keine Dinge", erklärte Pamuk zur Eröffnung des Museums. Mit dem Haus zum Roman schafft er eine besondere Art der Symbiose zwischen fiktiver Geschichte und deren Visualisierung. Im dem im Jahr 2008 veröffentlichtem Buch geht es um Momente des Glücks, der Liebe und den Versuch, diese Gefühle festzuhalten. Die Geschichte handelt von Kemal, einem jungen Türken aus der Oberschicht, der verzweifelt versucht, seine große Liebe Füsun wiederzuerlangen, die er durch eigene Schuld verloren hat. Er sammelt acht Jahre lang Gegenstände, die Füsun berührt hat oder mit ihr in Verbindung gebracht werden können. Mit diesen Reliquien der Liebe errichtet er das Museum der Unschuld, in dem er die Jahre bis zu seinem Tod mit den Erinnerungen an seine große Liebe verbringt.
"Glück ist nichts anderes, als dem geliebten Menschen nahe zu sein", lautet die Erkenntnis des Hauptprotagonisten Kemal und ziert die Inschrift einer Vitrine. Genau 83 Stück gibt es davon im nun real gewordenen Museum. Für jedes Kapitel im Roman eine. Darin sind unzählige Gegenstände ausgestellt, die nicht nur in Verbindung mit dem Roman stehen. Sie dokumentieren gleichzeitig ein Stück Zeitgeschichte über das Leben in Istanbul zwischen 1950 und 2000. Pamuk verdeutlicht die Problematik der türkischen Oberschicht zwischen dem Wunsch nach Führung eines westlichen Lebensstils und der Verpflichtung zur Tradition. Deshalb steht für Pamuk die Unschuld im Namen des Museums für den nach wie vor existierenden Drang zur Jungfräulichkeit vor dem Bund der Ehe.
Die Idee für das Museum hatte der Schriftsteller noch vor dem Roman. 1999 kaufte Orhan Pamuk das Haus im damals heruntergekommenen Istanbuler Stadtteil Beyoglu, der heute zu einem schicken Viertel für Künstler und Antiquitätenhändler mutiert ist. 2001 begann er mit dem Roman. Parallel dazu sammelte der Autor Dinge des täglichen Lebens für das Museum und kreierte eine Geschichte im Roman dazu. Zum Teil mussten im Buch erfundene Gegenstände eigens produziert werden, um sie in den Vitrinen des Museums zeigen zu können.
Orhan Pamuk hat mit dem Museum auch ein Stück Selbstverwirklichung betrieben. Mit Akribie hat er das außen völlig dunkelrote und innen dreistöckige Gebäude zu einem Sammelsurium der Empfindungen und dem Alltagsleben in Istanbul gestaltet. Manchmal schrammt er dabei hart am Kitsch vorbei.
Den Beginn machen 4213 Zigarettenkippen. Alle geraucht von Füsun. Zeitzeugen der gemeinsamen Stunden mit Kemal. Fein säuberlich aufgespießt wie Insekten und mit kleinen Anekdoten versehen. "Es war der glücklichste Augenblick meines Lebens, und ich wusste es nicht einmal", steht an der ersten Vitrine. "Jeder soll wissen, dass ich ein sehr glückliches Leben geführt habe", lauten die Worte zum Schluss, bevor der Besucher in der dritten Etage des Museums Kemals Zimmer betritt.
Nicht jede Vitrine ist gefüllt. Bei manchen versperrt ein roter Samtvorhang den Blick ins Innere. Somit noch ein wenig Spielraum für passende Gegenstände zu einigen Kapiteln und von Orhan Pamuk bewusst so gestaltet. Denn er möchte laut eigener Aussage noch bis zu seinem Tode dem Museum Dinge hinzufügen. Ein somit unvollendeter und lebendiger Ort, den man laut Pamuk auch versteht, ohne den Roman gelesen zu haben. Wer sich der aufwändig gestalteten Vitrinenschau aussetzt, wird allerdings unmittelbar den Reiz verspüren, dies rasch nachzuholen. (Wolfgang Haas, DER STANDARD, 7.8.2012)
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finde ich am schönsten. Es ist auch wirklich spannend. Mit "Schnee" konnte ich mich nicht wirklich anfreunden.
"Istanbul" aber ist genial. Da steht einer der (für mich) hoffnungsmachendsten Absätze der zeitgenössischen Literatur.
'Die Freude an Fahrten auf dem Bosporus rührt daher, dass man inmitten einer geschichtsträchtigen, verwahrlosten Großstadt in sich die unbändige Energie eines Meeres fühlt. Wer sich auf den schnellen Wassern des Bosporus dahinbewegt, der spürt, wie in der lauten schmutzigen Stadt die Meereskraft auf ihn übergeht und dass es inmitten von Menschenmengen, übermächtiger Geschichte und Architektur immer noch möglich ist, allein und frei zu bleiben.'
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