Argentinien zahlt letzte Schulden der Staatspleite

6. August 2012, 13:52

Das Land hat nach der Krise 2001 seine Auslandsschulden fast getilgt. Der Zugang zu internationalen Finanzmärkten bleibt aber versperrt

Buenos Aires - Schrittweise trennt sich Argentinien von den letzten Altschulden aus dem Staatsbankrott 2001. Am Freitag wurden die letzten 2,2 Mrd. Dollar (1,8 Mrd. Euro) von insgesamt mehr als 17 Mrd. Dollar an private Gläubiger ausgezahlt, deren Ersparnisse auf Bankkonten vor einem Jahrzehnt gesperrt worden waren. Damals hatten die Sparer die Wahl zwischen großen Verlusten mit der Auszahlung von abgewerteten Pesos oder einer langen Wartezeit mit dem Empfang von Dollar-Bonds wählen, die in Raten abgezahlt werden sollten. Viele gingen den zweiten Weg, der jetzt abgeschlossen wurde.

"Ohne Schulden sind wir freier", feierte das Wirtschaftsministerium mit großen Lettern auf seiner Website. Die Auszahlung hat aber eher einen symbolischen Wert. Es bleiben noch einige Krisenbrocken hängen, vor allem die rund 9 Mrd. Dollar Schulden bei den staatlichen Gläubigern des Pariser Clubs. Darüber gibt es immer wieder Verhandlungen.

Die Regierung der Präsidentin Cristina Fernandez de Kirchner unterstreicht, sie verfolge einen starken Entschuldungskurs. Die heutige Verschuldung des argentinischen Staates ist in absoluten Werten mit 180 Mrd. Dollar zwar höher als 2001. Dank des starken Wachstums des vergangenen Jahrzehnts beträgt sie jedoch nur 41,8 Prozent des Bruttoinlandsprodukts; im internationalen Vergleich ein sehr niedriger Wert. Ein weiterer Vorteil: Ein Großteil der Schulden wurde in Argentinien selbst aufgenommen, zudem hauptsächlich bei staatlichen Stellen und in lokaler Währung. Die Nettoverschuldung des Staates liegt so bei knapp unter 20 Prozent.

Devisenknappheit

In diesem Jahr bestehen noch Verpflichtungen über 3,4 Mrd. Dollar. Für 2013 sind Zahlungen in Höhe von 4,6 Mrd. Dollar fällig. Die Beträge sind zwar nicht besonders hoch. Allerdings leidet der Staat unter Devisenknappheit. Verlangsamtes Wirtschaftswachstum erschwert zusätzlich die finanzielle Lage. Angesichts hoher Zinsen, von mindestens 11 Prozent, die Argentinien am internationalen Kapitalmarkt zahlen müsste, ist jede Umfinanzierung kompliziert.

Die angeschlagene Kreditwürdigkeit Argentiniens - von Standard & Poor's auf "B" eingestuft - ist heute nicht mehr hauptsächlich dem Staatsbankrott vor einem Jahrzehnt oder der noch ungelösten Schuldenfrage mit dem Pariser Club zuzuschreiben. Verunsichert sind die Märkte heute von Regierungsmaßnahmen wie den zum Teil willkürlichen Importrestriktionen, der Teilverstaatlichung der lokalen Filiale des spanischen Erdölunternehmens Repsol im vergangenen April und der strikten Devisenkontrolle. Die unberechenbare Wirtschaftspolitik und die juristische Unsicherheit schrecken Investoren ab. Größeren Infrastrukturprojekten, wie der längst fälligen Erweiterung der U-Bahn in Buenos Aires oder der Modernisierung des maroden Langstrecken-Bahnnetzes, fehlt es daher an der Finanzierung. (APA, 6.8.2012)

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20 Postings
An Argentinien sollte man sich ein Beispiel nehmen.

Das Land kam erst aus der Krise heraus, als es begann, die Vorgaben des IWF und der Finanzindustrie NICHT mehr sklavisch umzusetzen, sondern zur nationalen Souveränität zurückzukehren.

-Gerichtsstand in Argentinien.
-Inländischen Gläubigern das Spekulieren gegen den eigenen Staat unterbinden.
-Entweder kräftiger Schuldenerlass, oder lange Laufzeit mit geringen Zinsen.
-Berechnung in Pesos statt Dollar.

Das Primat der Politik gegenüber der FI ist die notwendige Voraussetzung für soziale, politische und wirtschaftliche Stabilität. Alles andere führt zwangsläufig zu chaotischen Verhältnissen.

Und eigentlich...

das einzige Land der welt ist wo die Schuldenuhr zurueck dreht....

aber zwei Mal hintereinander im Viertefinale der WM ausgeschieden!

So wie Deutschland in den 90ern (von Österreich reden wir jetzt mal nicht...).

Der Report ist wirklich beeinflusst...

von falschen Aussagen...den wer diesen link folgt sieht das die Schulden sehr Differenzieren des Journalisten Annahmen.
Aber Argetninien ist besser drauf als Alle Anderen der Welt die etwas zu sagen haben.
http://www.usdebtclock.org/world-deb... lock.html#

Überschrift: "Argentinien zahlt letze Schulden der Staatspleite"

Und im Text: "Es bleiben noch einige Krisenbrocken hängen, vor allem die rund 9 Mrd. Dollar Schulden bei den staatlichen Gläubigern des Pariser Clubs."

Und immer wieder Österreich-Niveau in der selbsternannten Qualitätszeitung. Wer nur die Überschriften liest, ist falsch informiert.

"Wer nur die Überschriften liest, ist falsch informiert." - was ist denn das für eine lächerliche allgemeine no-na aussage? "Wer nur die Überschriften liest, ist falsch informiert." - ja, ist so. sskm. was hat das mit den medien zu tun?

Ihre "No-na Aussage" trifft auf Qualitätsmedien eben nicht zu. Aber aus Ihrer Meinung kann man ja sehr gut schließen, was Sie so lesen.

hätten sie lieber einen 3-zeiler als überschrift?

Ein zusätzliches Wort hätte gereicht und die Überschrift würde eine korrekte Information liefern. So ist sie nur falsch.

Wie waer's mit einer Ueberschrift die inhaltlich korrekt ist?

wie wärs mit text lesen statt nur der überschrift?

Hat offensichtlich jeder der hier kommentiert, ...

.... sonst waere uns ja die inhaltliche Diskrepanz zwischen Ueberschrift und Artikel nicht aufgefallen.

Die Tatsache ist: Argentinien zahlt NICHT die letzten Schulden der Staatspleite.

Denken ist nicht Ihre Staerke, stimmts?

"Denken ist nicht Ihre Staerke, stimmts?" - kleines, du solltest nicht von dir selbst auf andere schliessen.

Geld ist Schuld.

Solange sich daran nichts ändert bleiben die Schulden wenn es Geld geben soll. Erst wenn Geld einen realen Wert darstellt wird der Wahnsinn ein Ende haben! Jede Wette Argentinien wird wieder pleite gehen! Wie es beispielsweise auch in Griechenland Tradition hat!

das mit realen Werten gab es schon. Hieß Tauschhandel und war angeblich recht kompliziert und bei gewissen gütern recht unpraktisch. Und bitte nicht mit Gold daherkommen... allein Lagerung/Transport wären ein echtes Drama. Bzw die Knappheit desselben. Womit zahlen denn sonst Länder, die keine Bodenschätze haben? Nicht vergessen... eine Dienstleistung ist kein geforderter Realwert!

die vermutung

das am anfang der tauschhandel stand wurde eigentlich vor einiger zeit widerlegt

dazu gab es sogar einen artikel im standard

das ging nur deshalb so rasch:

Die Bodenschätze Argentiniens sind Kohle, Mineralerze, Gold, Silber, Zinn, Kalkstein, Kupfer, Blei, Glimmer, Zink, Eisenerze und Erdöl- und Erdgas. Ein neu entdecktes Erdölvorkommen in Argentinien ist so gigantisch, dass das Land zu einem bedeutenderen Öl-Exporteur werden könnte.

allerding steht die verschuldung schon wieder bei rd. 50% egal jetzt ob im inland oder international.

ein schuldgeldsystem ohne schulden ist wie wein ohne alkohol.

das war der beste weg

der argentinische weg führt zu 100% in die richtige richtung von unabhängigkeit u wohlstand, ganz egal, was die standard-börsianer/innen unken!!!

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