20.000 Jahre Mode auf dem Laufsteg

  • Models präsentieren im Wiener Museumsquartier originalgetreue Bekleidungen aus 20.000 Jahren Vergangenheit.
    foto: apa/andreas pessenlehner

    Models präsentieren im Wiener Museumsquartier originalgetreue Bekleidungen aus 20.000 Jahren Vergangenheit.

Im Museumsquartier wurden am "Laufsteg in die Vergangenheit" Kostüme von der Steinzeit bis Rokoko originalgetreu rekonstruiert und präsentiert

Wien - Was trug die modebewusste Frau in der Altsteinzeit? Die Vorstellung vom Steinzeitmenschen à la Fred Feuerstein in formlosen Fellen und Knochen im Haar ist schlicht falsch. Diesem Irrtum sowie vielen anderen wollten Karina Grömer und Helga Rösel-Mautendorfer vom Naturhistorischen Museum Wien (NHM) entgegenwirken, indem Laienmodels am Samstagabend im Museumsquartier originalgetreue Kleidung von der Urgeschichte bis hin zur Neuzeit präsentierten.

Keine Hosen in der Steinzeit

Statt Fetzen konnte man bei der Familie der Altsteinzeit bereits ausgereifte Fell- und Lederkleidung bewundern. Die Originalfunde, nach denen die Modelle angefertigt wurden, sind auch im NHM zu besichtigen. Im Lauf der Jahrtausende änderte sich modetechnisch aber dann doch noch so einiges. In der Jungsteinzeit entdeckte man das Spinnen und Weben von Stoffen sowie den Kupferschmuck. Hosen für Männer gab es noch keine, gängig war der Rock für beide Geschlechter.

Funde aus Hallstatt als Vorlage

In der Eisenzeit dominierten erstmals Farben, lange Gewänder und Schleier sowie "Schlumpfhauben" für die Männer. Um das Jahr "Null" feierte die Hose in der frühkeltischen Mode ihren Durchbruch, nur um dann von den Römern gleich wieder gegen Toga und Tunika getauscht zu werden. Die Vorlagen für die Kostüme stammen etwa aus Funden in Hallstatt, aber auch aus Beschreibungen, Reliefs oder Buchmalereien. In der Neuzeit konnten die Rekonstrukteure dann bereits auf Gemälde und die ersten Modejournale zurückgreifen. "Dabei sei jedes Kostüm der Schau handgemacht", erklärt Rösel-Mautendorfer. 

Lange Ärmel und pompöse Kopfbedeckungen

"Oft hat bei der Mode die Epocheneinteilung der Historiker gar nichts mit der Realität der Menschen zu tun", so Karina Grömer vom NHM. Rüstungen und Rittertum gab es zum Beispiel ab etwa 1000 n. Chr. Bei den Frauen setzte sich hier langsam die Taille betonende Kleidung durch. Ärmelausschnitte, bei denen man das Untergewand sehen konnte, wurden von der Kirche als "Teufelsfenster" verdammt. Die Länge der Schuhspitzen zeigte hingegen den sozialen Status. Gegen Ende des Mittelalters wurden die Ärmel lang und die Kopfbedeckungen immer pompöser. Grömer und Rösel-Mautendorfer zeigten aber nicht nur typische Männer- und Frauen-Mode, sondern auch die Kleidung kleiner Kinder oder ganzer Gruppen wie etwa bei einem Jagdausflug der Neuzeit, wobei es immer deutliche Unterschiede zwischen Ober- und Unterschicht gab.

Rundungen durch den "Weiberspeck"

In der Neuzeit machten Mieder und unzählige Unterröcke das An- und Ausziehen vor allem für Frauen zu einer Wissenschaft. Am englischen Hof sorgte das unbedeckte Dekolleté für Aufsehen. Im Barock und Rokoko ging es mit Reifröcken und engen Miedern ebenfalls figurbetont zu: Allerdings brachte man mit Pölstern unter dem Kleid, dem so genannten "Weiberspeck", die Rundungen in die gewünschte Form. In historischen Modefragen sollte man sich keinesfalls auf Filme und Serien wie etwa "Gladiator" oder "Die Tudors" verlassen, erläutert Grömer: "Denn dort wird die Mode oft dem heutigen Zeitgeschmack angepasst. Da geht es vor allem darum, dass Frauen sexy aussehen." (APA, derStandard.at, 6.8.2012)

 

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3 Postings
Sehr spannendes Thema

es stimmt, der Background ist eher dürftig. Literatur gibt's wenig, mW. Vielleicht gibt's einen Haufen Paper, aber Dinosaurier sind da doch schon weit besser erschlossen ;)

Die Sachen waren schön, der Background etwas dürftig, ich hätte mich gefreut, wenn historische Maßschneiderei und das eine oder andere Kleid angeboten würden ;)

Waren alle Materialien echt?

Nein, nur der Mammut-Tanga

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