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Gab es bei den Kelten schon Mode?

4. August 2012, 12:08

Historische Modeschau von der Steinzeit bis zum Barock. Ja, Barock, das kennt man ja – aber wie wissen wir etwas über die ganz alten Zeiten? Was braucht es, um etwa einen Steinzeitmenschen zu erkennen?

...Da hat man die Wahl zwischen Fantasy-Kostümen á la Fred Feuerstein, oder dem üblichen Filmklischee einer schmutzigen, primitiven, mit Fellen behängten Gestalt! Es hat aber wahrscheinlich alles ganz anders ausgesehen....

Textilforschung am Naturhistorischen Museum

Interessierte Blogbeobachter werden sich fragen, warum das Naturhistorische Museum bei einem „Summer of Fashion" teilnimmt. Zwei Forschungsprojekte in der Prähistorischen Abteilung beschäftigen sich mit alten Textilien und auch mit Kleidungsrekonstruktionen: Bei „CinBA - Creativity in Bronze Age Europe" geht es um die Kreativität im Textilhandwerk in der Bronzezeit; bei „DressID - Kleidung und Identität" werden Gewänder der Römerzeit behandelt. Archäologische Ausgrabungen im Salzbergwerk Hallstatt fördern auch immer wieder prähistorische Textilreste zutage.

Außerdem ist derzeit im Naturhistorischen Museum eine Ausstellung über die Textilien aus Hallstatt und über historische Färbetechniken zu sehen. Zudem bietet die Ausstellung eine künstlerische Auseinandersetzung mit Studenten der Universität für Angewandte Kunst, wie sie sich durch die historischen Stücke, ihr Design und Herstellungsweise, zu eigenen Kreationen inspirieren ließen.

Durch diese Forschungen besitzen die beiden Berichterstatterinnen einen riesigen Fundus an rekonstruierten Gewändern, Schmuck, Schuhen, Hüten und Accessoires, angefertigt und gesammelt in über 15 Jahren. Daraus entwickelte sich schon vor Jahren die Idee, mit Historischen Modeschauen die Geschichte der Kleidung zu präsentieren, beispielsweise 2007 im Kuppelsaal des Naturhistorischen Museums.

Wie kann man eisenzeitliche Kleidung nachschneidern?

Wir wissen von den 2500 Jahre alten Textilfunden aus dem Salzbergwerk Hallstatt, welche Stoffe verwendet wurden, die bunten Farben, feinen Qualitäten und dekorativen Borten. Auf zeitgleichen Ton- und Bronzegefäßen sind Menschen in ihrer Kleidung abgebildet. Außerdem forschen die Archäologen des Naturhistorischen Museums im Gräberfeld Hallstatt. Dort waren Menschen in ihrer Kleidung aus einer Zeit zwischen 800 und 400 v. Chr. bestattet. Geblieben sind über die Jahrtausende vor allem Gegenstände aus Metall wie Schmuck, Gürtelhaken, Gewandnadeln oder Fibeln (Kleiderbroschen).

Analysiert man all diese Indizien, so kann man rekonstruieren, wie Kleidungssücke früher ausgesehen haben.

Was sagt uns historische Kleidung?

Kleidung dient - heute wie durch die Geschichte - auch dazu, den Körper zu verändern - eventuell auch, Mängel auszugleichen. Die Silhouette des Körpers und seine Oberfläche wird umgestaltet - je nachdem was nach der vorherrschenden Mode gewünscht wird.

So ist die Silhouette einer Römerin mit ihrer drapierten Stoffülle eine völlig andere als etwa die einer Renaissance-Dame 1500 Jahre später, wo das Mieder und der Rock eine Betonung der Taille abgeben - eine Art der Schnittführung die uns ja dann bei den Volkstrachten in dieser Weise bekannt ist!

Das Gewand beeinflusst auch die Haltung des Menschen, der sie trägt, die Körpersprache und die Bewegungsmöglichkeiten. Plakativ ausgedrückt: die keltische Frau mit ihrem locker drapierten Peplos hatte sicher ein anderes Körpergefühl als eine Rokokodame mit Korsett und Reifrock.

Kleidung kann auch Bedeutungen transportieren. Wenn eine sehr reiche Bronzezeitfrau mit Stachelscheiben behängt ist und 80 cm lange, spitze Nadeln an den Schultern trägt, dann zeigt das sicher nicht nur die Würde ihres gesellschaftlichen Standes an, sondern ist sicher auch als physische Abgrenzung zu verstehen.

„Kelten-Fashion"?

Noch bleibt die zentrale Frage: Gab es in der Steinzeit, bei den Kelten oder in der Römerzeit schon Mode?

Es kommt darauf an, wie man Mode definiert. Designer kannte man noch nicht, auch keine Catwalks und Fashion-Shows. Wir haben aber spätestens seit Beginn der Bronzezeit um 2200 v. Chr. einen steten Wandel im Geschmack, wie der Schmuck auszusehen hat, welche Materialien und Muster man bevorzugt und welche Kleidungsstücke verwendet werden.

Bei den Römern kreierte jede Kaiserin ihre eigene „Lieblingsfrisur", und die Damenwelt im gesamten römischen Reich wollte ihr nacheifern. Das waren die ersten wahren Stilikonen!

Textilien, Kleidung und Mode sind ein wichtiger Teil des menschlichen Lebens - nicht erst seit Dior, Coco Chanel oder Karl Lagerfeld! Die Mittel und Möglichkeiten waren im Laufe der Geschichte verschieden, aber das Grundbedürfnis, sich zu schmücken, seinen Reichtum, seine Stimmung, seine Gruppenzugehörigkeit mit Kleidung zu zeigen, sind universell!

Das ist es, was uns ausmacht!

 

  • Historische Modeschau 2008 im Naturhistorischen Museum Wien
    foto: nhm

    Historische Modeschau 2008 im Naturhistorischen Museum Wien

  • Ausstellung „Hallstattfarben“ im Naturhistorischen Museum Wien, 2012
    foto: nhm

    Ausstellung „Hallstattfarben“ im Naturhistorischen Museum Wien, 2012

  • Hallstattzeitliche Kleidung
    foto: nhm

    Hallstattzeitliche Kleidung

  • Details bronzezeitlicher, römischer und barocker Kleidung
    foto: nhm

    Details bronzezeitlicher, römischer und barocker Kleidung

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