Terrorangriff verdeutlicht brisante Lage im Sinai

Astrid Frefel aus Kairo
6. August 2012, 18:03

Der Terrorüberfall auf ägyptische Soldaten an der Grenze zu Israel offenbart das Sicherheitsvakuum, das seit dem Machtwechsel in Kairo entstanden ist. Für Präsident Morsi ist es die erste Bewährungsprobe.

Die Ägypter würden nicht lange warten müssen, um die Reaktion auf die Attacke der Terroristen zu sehen, kündigte der Oberste Militärrat (Scaf) am Montag an. Eine bewaffnete Gruppe hatte am Sonntagabend auf dem Sinai ein kleines Camp mit ägyptischen Grenzwächtern überfallen und dabei 16 Soldaten getötet. Die Angreifer kaperten zwei gepanzerte Fahrzeuge und fuhren damit in Richtung des israelischen Grenzübergangs von Kerem Shalom, wo sie von der israelischen Armee unter Feuer genommen und sechs von ihnen getötet wurden.

Der israelische Verteidigungsminister Ehud Barack erklärte am Montag, acht Angreifer seien getötet worden. Er hoffe, der Zwischenfall sei ein Weckruf für Ägypten, meinte er weiter. Israel wirft Kairo seit langem vor, nicht genug für die Sicherheit auf der Sinai-Halbinsel zu tun.

Offizielle Stellen in Ägypten machten als Urheber "Jihadisten" aus, die aus dem von der Hamas kontrollierten Gazastreifen eingesickert seien. Der Grenzübergang in Rafah wurde geschlossen. Aufgebrachte Ägypter verwüsteten in Grenznähe Geschäfte von Palästinensern. Militär und Polizei begannen mit einer groß angelegten Suchaktion im Innern der Halbinsel. Häfen und Flughäfen blieben aber ganz normal geöffnet. Ägyptische Medien spekulierten, die Schmuggeltunnel zwischen Ägypten und dem Gazstreifen könnten nun zerstört werden.

Kritik an der Armee

Nach einer Dringlichkeitssitzung mit Verteidigungsminister Feldmarschall Hussein Tantawi betonte Präsident Mohammed Morsi, die Sicherheitskräfte würden nicht ruhen, bis die Hintermänner gefunden und vor Gericht gestellt seien. Die Revolutionsbewegung des 6. April kritisierte ganz offen die Armee. Sie beschäftige sich vor allem mit Innenpolitik und vernachlässige dabei ihre Sicherheitsaufgaben.

Für den neuen Präsidenten Morsi wird die angespannte Lage auf dem Sinai zu ersten großen Bewährungsprobe. Tatsächlich ist seit dem Sturz von Hosni Mubarak ein Sicherheitsvakuum spürbar, und die Zwischenfälle häufen sich. Aber die Probleme sind viel älter. Ihre Wurzeln liegen in einer Verquickung von religiösem Extremismus, Unterentwicklung und dem ungelösten Palästina-Konflikt. In den letzten Monaten haben 14 Anschläge auf die Ölpipeline nach Israel und mehrere Entführungen von Touristen, um Häftlinge frei zu pressen, für Schlagzeilen gesorgt.

Seit Jahren gibt es Spannungen zwischen den lokalen Beduinen und dem Staat. Die Beduinen lehnen sich gegen die Obrigkeit auf, von der sie sagen, sie würde nichts zur Entwicklung der verarmten Region unternehmen, sie vom Staatsdienst ausschließen und wahllos Verhaftungen vornehmen. Im Gegenzug wirft die Regierung in Kairo den Beduinen mangelnde Loyalität vor; ein Vorwurf, der bis in die Zeit der israelischen Besatzung 1967-1982 zurückgeht.

Die Sinai-Halbinsel mit ihrem gebirgigen Innern, der langen Küste und den Grenzen zum Gazastreifen und zu Israel sowie der Nähe zur Jordanien und Saudi-Arabien ist für Ägypten eine strategisch heikle Region. Seit dem Camp-David-Abkommen und dem Frieden mit Israel ist ein Teil des Territoriums immer noch entmilitarisiert. Dadurch würde der Kampf gegen Terroristen behindert, weil die Sicherheitskräfte nicht die erforderliche Ausrüstung und Bewaffnung einsetzen könnten, klagt die ägyptische Führung. Auch Morsi hat im Wahlkampf betont, der Friedensvertrag mit Israel würde eingehalten, aber die Klauseln, die die ägyptische Souveränität einschränken, sollten revidiert werden.

Kommt es zu Anschlägen in der Region, gehen die Behörden davon aus, dass sie auf das Konto von Palästinensern oder islamistischen Extremisten gehen. Sicherheitsexperten sind überzeugt, dass es solche lokale Zellen gibt. Der Boden für die Rekrutierung unter den vernachlässigten, religiös konservativen Beduinen ist fruchtbar. (Astrid Frefel, DER STANDARD, 7.8.2012)

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Der Steit im Hintergrund auch per Video:
http://www.welt.de/videos/ar... Tatra.html

und mit historischem Hintergrund:
http://universalium.academic.ru/89625/Cat... Alexandria

Der Streit im Hintergrund bei der Suez-Krise im Jahr 1956 war, daß in Bratislava ein Streit über den Lehrplan an der juridischen Fakultät mit der kommunistischen Partei geführt wurde.

"Zweifel"

Es gibt ja immer viele Poster, die ihre Meinungen mit notwendigen, ja wünschenswerten "Zweifeln an der offiziellen Version" begründen. Das kennt man von 9/11, anderen Terror-Anschlägen - und das taucht auch hier wieder auf.

Der Zweifel verrät den kritischen Denker, den sachlichen Analytiker, den philosophischen Kopf im Dienste der Aufklärung.

Bemerkenswert ist hier aber, dass diese Zweifel ausschließlich gegen Israel angemeldet werden. Zweifel an Hamas-Aussagen? Keine. Zweifel an Assad-Sagern? Nein. Zweifel an isr. Positionen? Sofort!

So entlarvt sich dieser Zweifel eben nicht als für einen Erkenntnisfortschritt nützliche Unentschiedenheit, sondern als bloß propagandistisches Instrument mit dem Zweck, Wahrheiten zu verdrehen.

Tatsache ist, dass die Anschläge den Interessen der Hamas, als auch Morsis entgegenlaufen.

Tatsache ist auch, dass Israel den Status Quo erhalten will und Morsi die schwere Aufgabe zufällt einen gangbaren Weg zu erschließen, das Verhältnis zu Israel dahingehend zu reformieren, dass der Friedensvertrag erhalten wird, ägypt. Souveränität über den Sinai und über Grenzangelegenheiten mit Gaza wieder hergestellt wird.

Sollte er den finden, wäre das für Israel ein Rückschlag - da Israel Gaza offensichtl. für alle Zeiten als Freiluftgefängnis unter voller isr. Kontrolle erhalten will.

Deshalb gibts aber dennoch genügend extrem. Idioten, die nicht merken, dass sie den Israelis so letztendlich zuarbeiten. Der isr. Geheimdienst war jedenfalls offenschtl. schon im Bilde - so viel ist klar.

Morsi hats nicht leicht.

Hey - also 'Zweifel an Assad-Aussagen', das werfen sie mal bitte nicht mit der Hamas und Morsi in einen Topf - dafür werden Sie auch kaum Belege finden können.

grün, grün, grün....!

Und sie sind arm und und kämpferisch und können daher leicht benutzt werden. Hat Mubarak auch gemacht.

und die Beduinen als "konservativ islamisch" zu bezeichnen halte ich für eine Fehlinterpretation, die so gar nicht zu den (zumindest im Geiste) Nichtsesshaften passt. Die Bedus sind gläubige Muslime, aber im Praktizieren oft nachlässig. Und Stammesloyalität- und Traditionen gehen über alles, ob im Religiösen oder Weltlichen.

mMn zündelt das Militär, damit Mursi nicht an ihm nicht vorbei kommt.

Ähnlich wie das lange in der Türkei war (und wahrscheinlich immer noch ist)

Die Intelligenteren - und Mursi gehört offenbar dazu - haben längst erkannt, dass der militante Islamismus gerade nicht die Zukunftsaussicht ist, sondern nur der ewige Krieg.

Die Militanten mögen an reale Ängste, Bedürfnisse und Hoffnungen andocken, aber nirgendwo haben sie diese Erwartungen bislang erfüllen können. Nicht einmal in Afghanistan haben sie nach 1996 so etwas wie einen funktionierenden Staat aufgebaut; auch in anderen Gebieten (Somalia) besteht ihre Fähigkeit darin, die noch vorhandene Infrastruktur auszubeuten, sich über gewöhnliche Kriminalität zu finanzieren und einen immerwährenden Krieg zu perpetuieren..
Die Militanten zerstören Staaten, bauen aber nie welche auf.
Deshalb werden sie in den Führungen Ägyptens und Israels zwei Gegner haben, die zwar keine Freunde sind, aber auch keine ideologische Narren, die lieber mit ihren Staaten untergehen als zu leben. Und das vereint dann doch.

Der Begriff "Die Militanten" ist hier falsch gewählt. Gewalt ist Folge, nicht Ursache der Werte dieser Gruppen!

Jene Form des Zusammenlebens baut eben auf Stammesgruppen, Sippen und Clans auf. Daher kann ein Volksgefühl gar nicht erst entstehen. Ohne dieses ist aber eine Weiterentwicklung des Wertekanons unmöglich. Dementsprechend sind bewaffnete Konflikte kaum zu vermeiden und treten gehäuft auf.

Guter Punkt!

Der Begriff ist sicher unzureichend gewählt, zumal er die weltanschauliche Komponente nicht abbildet.

ach wie ist nciht religion schön um die eigenen ziele zu verschleiern und die menschen zu instrumentalisieren.

Das Gleiche ist nicht Dasselbe

würden diese Leute dasselbe in Syrien machen wäre es ein Rebellenangriff gewesen in der Standardbereichterstattung

und in österreich wäre es kulturberreicherung...

Doppel-Standard

Oder zumindest Terror unter Anführungszeichen.

Was denjenigen die jetzt Israel als Täter beschuldigen vorwiegend ein Dorn im Auge ist ..

.. ist der Umstand dass nun Israel und Ägypten trotz neuer Führung Ägyptens ganz klar an einem Strang ziehen.

Da hatten sie schon gehofft .. aber es wurde wieder nichts .. ach übrigens, auch hier scheinen den Israelgegnern die toten Araber wieder völlig egal zu sein.

Ja bitte, wieder Waffen im Sinai - das bringt den Frieden gleich um ein ganzes Stück weiter...

Ich wage fast zu wetten, diese "Jihadisten" arbeiteten mit der Duldung durch die Militärführung.

Was ist schon das Leben von ein paar Soldaten gegen die Möglichkeit, den Sinai wieder aufrüsten zu dürfen???

Außerdem sind sie ja für eine gute Sache gefallen und im Paradies wird man sie belohnen.

eine bedeutende info wird hier glatt verschwiegen

naemlich dass morsi die grenze zu gaza vor kurzem erst geoeffnet hat!
http://www.telegraph.co.uk/news/worl... ssing.html

israel will diese grenze wieder geschlossen sehn.
& die schreiberin hier verdaechtigt BEDUINEN... ;-)

"by way of deception.."

ach ja, natürlich, so ein kommentar musste ja kommen ...klarerweise werden die israelis verdächdigt..die haben sich als jihadisten verkleidet und 15 ägyptische soldaten abgeknallt..

GÄÄHN...

Der faulste Sack liegt damit ganz auf Hamas-Linie:

http://www.jpost.com/MiddleEas... ?id=280291

Damit dürfte seine Rolle in diesem Forum doch erhellt sein: Hamas-Propaganda verbreiten.

Und alle wussten, dass sie nicht wiederkommen würden.

Denn welcher israelische soldat, verkleidet als Jihadist, hätte schon von den Ägyptern leben erwischt werden dürfen?

Hier wird gewissermaßen suggeriert, dass man israelische Soldaten für eine False-Flag-Selbstmord-Aktion gesucht hat.

Manchen ist offenbar nichts zu abwegig, um die Realität nicht erkennen zu wollen: Mursi öffnete die grenze und die militanten Menschenhasser ergriffen die Chance zum Massenmord.

verdeutlicht brisante Lage im Sinai?

Was will denn mit dieser komischen Schlagzeile gesagt sein?
.
Als die Verfasserin zur Welt kam, war dort schon Brisanz das Thema und viele Jahrzehnte noch immer hierüber zu schreiben, das ist Frefel, Frau Astrid F.!

wer ..

.. hat wohl als Einziger Interesse daran, dass Ägypten seine Grenzen wieder dicht macht? ...... eben!

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