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Auch eine Liebe, die Prüfungen bestehen muss: Thomas Tatzl (Papageno) und Regula Mühlemann (Papagena). Foto: APA
Salzburg - Open-Air-Zauber im Residenzhof: Nachdem ein Flugzeug seine Störarie abgeladen hatte und alle Musik von Domglocken kurz zugedröhnt ward, begann es in der Pause auch noch zu regnen, was den Intendanten zu einem Auftritt inspirierte. Alexander Pereira erklärte, man habe inzwischen das mobile Dach zum Einsatz gebracht, für das er auch gleich den Sponsoren dankte (Dachkosten 600.000 Euro). Und man werde selbiges - bei Regenfreiheit - vielleicht wieder einrollen lassen, was leider eine weitere Unterbrechung nach sich zöge.
Der zweite Akt von Das Labyrinth oder Der Kampf mit den Elementen, dieser Zauberflöten-Fortsetzung, wie sie Peter von Winter, der Mozart nicht sonderlich zugetan gewesen sein soll, komponiert hatte, konnte jedoch ohne Unterbrechung (überdacht) zu Ende gehen. Und das war gut so. Schließlich hatte das handwerklich gute, künstlerisch aber eher brave Opus etwas an Schwung und Charakter gewonnen; es zeigten sich sogar Spuren origineller Chorkompositorik (gut der Bachchor). Ja: Selbst die Regie von Alexandra Liedtke, eher oratorial angelegt, entdeckte an sich lebendige Reflexe. Sie konnte jedoch nie verhüllen, dass der Residenzhof eine Herausforderung ist, der man mit den Mittel eines lieblichen Kindertheaters für Erwachsene nicht beikommen kann.
Es gab ein bisschen Pawlatschenbühnenzauber - zu diesem fortgesetzten Kampf zwischen Königin der Nacht (anfangs etwas gar überfordert Julia Novikova) und Sarastro (profund, aber szenisch statisch Christof Fischesser) wie auch zur Fortsetzung des Prüfungsmarathons für Pamina (etwas fragil flatternd die Stimme von Malin Hartelius) und Tamino (intensiv Michael Schade).
Es gab auch diese mobile Riesenwand, die zaberflötengerecht Lämpchen blinken ließ, welche diverse auch sonnige Formen annahmen und als Paraphrase zum Ursprungsbühnenbild von Librettist Emanuel Schikaneder wirkten. All das jedoch blieb behäbig, so sehr sich die prunkvoll-märchenhaft kostümierten Protagonisten (Gewänder: Susanne Bisovsky und Elisabeth Binder-Neururer) auch mühten, den Eindruck einer semikonzertanten Aufführung zu vermeiden.
Und so sympathisch Papageno (tadellos Thomas Tatzl), die liebe Papagena (solide Regula Mühlemann) und die ganze gefiederte Geschwistergesellschaft um den alten Papageno (sympathisch Anton Scharinger) gewirkt hatten (natürlich auch Klaus Kuttler als Monostatos). Kurzum: Was an dieser Produktion festspielwürdig gewesen sein soll, erschloss sich nicht, auch wenn das Mozarteum-Orchester unter Ivor Bolten kultiviert klang. Sollte hier eine weitere dauerhafte Spielstätte der Festspiele entstanden sein, möge man Regiemeister engagieren, die interessante Raumlösungen ersinnen. Oper im Residenzhof ist möglich. Aus dem Mozartjahr weiß man es. (Ljubiša Tošic, DER STANDARD, 6.8.2012)
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Ein Musikkritiker muss schon ein sehr unglücklicher Mensch sein. Es sei denn er findet endlich eine Aufführung, die er mit seinem ganzen Frust niederschreiben kann. Dann, und nur dann, ist er für einen kurzen Moment, ganz selbstgefällig, mit sich selbst zufrieden.
... als plattes Plagiat: ein mäßiges Werkchen glänzt auch durch neuen Lack nicht besser - während beim Original (1791) wohl jedes Wort des Textes unter Brüdern auf die Goldwaage der Aufklärung gelegt wurde, reichte es in der Finsternis des Obskurantismus (1798) eben zu nicht mehr als zur politisch gewünschten Volksverblödung [sic!], sodaß sogar die einfallslos abgepauste Vorlage hier noch nachträglich zur "Märchenoper" entweiht wird.
Deshalb hätte man diesen nie vom Licht der Aufklärung entzündeten Fortsatz lieber ganz im Labyrinth des Vergessens belassen sollen - Mozart hat sich so etwas damals wie heute nicht verdient...
Dr. Heinz Anderle, Freigeist
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