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Potsdam - Der Druck auf den Soap-Dauerbrenner "Gute Zeiten, schlechte Zeiten" (RTL/19.40 Uhr) wächst: Immer mehr Sender buhlen um die Sendezeit - und Reality-Formate wie "X-Diaries" (RTL II/18.00 Uhr) oder "Berlin - Tag & Nacht" (RTL II/19.00 Uhr) greifen vergleichbare Themen auf. Zudem rumort es in den eigenen Reihen: Mehrere Hauptdarsteller wollen aussteigen. Von größeren Nebenrollen versprechen sich jetzt die Serien-Macher eine Lösung.
"Ich möchte gerne mehrere kleinere Einheiten einbauen", sagt die Chefautorin Marie Hölker von der Produktionsfirma Grundy Ufa. Engagements, die über drei bis sechs Monate gehen, schweben ihr vor. Die Vorteile: mehr Flexibilität, Darsteller können getestet werden - und die neuen Gesichter liefern neuen Stoff.
"Natürlich braucht man den Stamm - sonst geht die Familie für die Zuschauer verloren", sagt Hölker. Doch die Metropole Berlin birgt aus ihrer Sicht gute Ansatzpunkte für viele kleinere Erzählstränge. Einen davon soll Adriana Möbius (21) bedienen, die zurzeit eine Pause an der Schauspielschule in Paris nutzt, um in Potsdam für "GZSZ" vor der Kamera zu stehen.
Ab 6. September wird die gebürtige Ecuadorianerin diese Geschichte im Fernsehen präsentieren - allerdings als Julie Moreau, die in den Semesterferien in Berlin im Serien-Treff "Vereinsheim" jobbt und vor allem Dominik alias Raúl Richter fasziniert. Die Grenzen zwischen Realität und Rolle sind dabei fließend.
Produzentin Hölker ist gespannt, wie sich die junge Darstellerin vor der Kamera entwickelt. Läuft es gut, ließe sich die Mischung von Studium und TV-Serie auf Dauer nutzen. "Wir profitieren von ihren Erfahrungen", sagt Hölker.
Ähnlich verhält es sich bei dem gebürtigen Karlsruher Merlin Leonhardt (23), der ebenfalls ab September bei "GZSZ" als Politikstudent Till "Bommel" Kuhn auftauchen wird. Nach seinem Schauspielstudium in London und einem Amerika-Aufenthalt versucht er seit 2009, als Schauspieler in Berlin Fuß zu fassen.
Nach Einschätzung des Potsdamer Medienwissenschafters Lothar Mikos birgt ein häufigerer Wechsel von Figuren bei einer Soap wenig Gefahren: "Weil die Serie täglich läuft, gewöhnen sich die Zuschauer schnell an neue Darsteller", sagt der Professor der Hochschule für Film und Fernsehen (HFF). "Bei einem "Tatort" wäre das anders - da gäbe es einen Aufschrei."
Mit einem Marktanteil von regelmäßig mehr als 20 Prozent bei der Zielgruppe der 14- bis 20-Jährigen und insgesamt im Durchschnitt weit über drei Millionen Zuschauern steht "GZSZ" auch nach 20 Jahren noch gut da. Doch die Konkurrenz durch ein Format wie "Berlin - Tag & Nacht" sieht auch Producerin Hölker: "Das ist eine sehr ähnliche Ausrichtung", räumt sie ein.
"Manches Mal sind diese Programme deswegen attraktiv, weil sie echter wirken als andere und die eigene emotionale Realität widerspiegeln", sagt Maya Götz, Leiterin des Internationalen Zentralinstituts für das Jugend- und Bildungsfernsehen (IZI). Ihr Institut hat sich mit "X-Diaries" auseinandergesetzt: Eine Serie wie "GZSZ" sei für den jungen Zuschauer mitunter anstrengender - zumal sich die Produzenten einem Verantwortungsbewusstsein und moralischen Werten verpflichtet fühlten. "Die Herausforderung für "GZSZ" besteht einmal mehr darin, den eigenen Weg in diesem Umfeld zu finden", meint die Medienexpertin. "Ohne junge Darsteller wird das nicht gehen."
Kein Wunder also, dass "GZSZ" um die jungen Serien-Stars kämpft, die es von der Erfolgsserie wegzieht - beispielsweise Björn Harras (Patrick). "Es ist denkbar, dass er wieder mehr Theater macht, ohne die Verbindung zum Fernsehen ganz zu kappen", meint Hölker mit Blick auf laufende Gespräche. Auch Senta Sofia Delliponti (Tanja) will die "GZSZ"-Produktionsfirma halten.
Vincent Krüger (Vincent) hat bereits mehrfach seine Auftritte reduziert, um bei den ARD-Krimis "Tatort" und "Polizeiruf 110" mitspielen zu können. Samia Dauenhauer (Jacky) - die erst Anfang des Jahres zur Serie gestoßen war - verlässt sie im September. Und Janina Uhse (Jasmin) und Raúl Richter (Dominik) sind zurzeit in einem längeren Urlaub. (APA, 6.8.2012)
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