Kein Ende im Krimi um entführten Anwalt Rebasso

Am Sonntag meldete sich erstmals die Familie des Vermissten zu Wort

Wien - Der Wiener Wirtschaftsanwalt Erich Rebasso macht sich von seiner Kanzlei in der Wiener Innenstadt aus auf den Weg zu einem Termin nach Niederösterreich. Er geht zu seinem Mercedes, der wenige hundert Meter von der Kanzlei entfernt in einer Tiefgarage am Georg-Coch-Platz steht. Dort wird er niedergeschlagen und zumindest so schwer verletzt, dass später im Mercedes Blutspuren gefunden werden.

Ein Mann, so ist auf den unscharfen Bildern der Überwachungskameras zu sehen, fährt Rebassos Mercedes aus der Tiefgarage, der Vermisste ist nicht zu sehen. Ein weiterer Mann folgt dem Mercedes in einem Mietwagen, auch darin finden sich später Blutspuren. Dann endet die Spur der Polizei, nur der Mercedes taucht wenige Tage später auf einem Parkplatz in Simmering auf.

Zwei Beamte nach Moskau

Am Freitag vor einer Woche begann der Krimi um den Wiener Wirtschaftsanwalt. Wer die Männer auf den Bildern der Überwachungskameras sind, ist ungewiss, beim Mietwagenverleih gibt man zu Protokoll, dass sie sich mit russischen Pässen ausgewiesen haben. Wie Polizeisprecher Roman Hahslinger am Wochenende sagte, muss geklärt werden, ob die Dokumente echt sind. Zwei Beamte des Bundeskriminalamtes sind mittlerweile nach Moskau gereist.

Auf brauchbare Hinweise aus der Bevölkerung wartet man bei der Polizei bisher vergeblich. Auf dem Parkplatz in Simmering gibt es zwar Überwachungskameras, doch die Stelle, an der der Wagen stand, war nicht einsehbar.

Auch wenn es bisher keine Lösegeldforderung gibt, so dürfte das Motiv doch klar sein: Der Name des Wiener Wirtschaftsjuristen war, wie berichtet, vor einigen Jahren in einen Fall von Anlagebetrug in Russland verwickelt. Rebasso ging damals zur Polizei und gab an, dass sein Name missbräuchlich verwendet worden sei. Er erstattete Selbstanzeige, das Verfahren wurde eingestellt. Dennoch erhielt Rebasso Drohungen.

"Liquidator engagieren"

Wie der Kurier am Wochenende berichtete, wurde in russischen Internetforen darüber diskutiert, dass der Versuch, das Geld auf legalem Wege zurückzubekommen, wohl aussichtslos sei. Ein offenbar Geschädigter postete etwa, es gebe billigere Möglichkeiten als jahrelange Prozesse: "Zum Beispiel, einen Liquidator zu engagieren."

Gestern, Sonntag, meldete sich erstmals die Familie des Anwalts zu Wort: Rebassos Bruder Michael ersuchte "die Journalisten dieses Landes um den gebotenen Respekt gegenüber diesem Menschen, der sich (...) im Zustand der nicht enden wollenden Lebensbedrohung befindet." Insbesondere unter den Klienten habe die Nachricht von der Entführung "eine unglaubliche Welle an Sympathiebekundungen ausgelöst". (APA/red, DER STANDARD, 6.8.2012)

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