Solarfirma Carpevigo will Platz an der Sonne

Günther Strobl
5. August 2012, 17:26
  • Solaranlage auf einer Freifläche im Osten Deutschlands: Die Strauße  scheinen das Zusammenleben eher gleichgültig zu nehmen.
    foto: apa/jan woitas

    Solaranlage auf einer Freifläche im Osten Deutschlands: Die Strauße scheinen das Zusammenleben eher gleichgültig zu nehmen.

Ein Solar-Unternehmen aus Bayern will es besser machen als viele Mitbewerber: Weil man selbst keine Module produziert, sondern Solarkraftwerke errichtet und den Strom verkauft

Wien/Holzkirchen - Die Geschichte der Solarindustrie in Europa, speziell aber in Deutschland, hat gewisse Parallelen mit dem Wetter. Nach einer ausgeprägten Hochdruckphase, in der sich die Branche auch dank großzügig bereitgestellter Fördermittel zu einer Vorzeigeindustrie mausern konnte, sind schon 2011 tiefschwarze Wolken über den Solarfeldern aufgezogen. Insbesondere im Osten Deutschlands, wo sich viele Hersteller von Solarmodulen niedergelassen haben und Zigtausenden Arbeit gaben, ist nun das große Sterben angesagt.

"Wir sind in einer völlig anderen Situation", sagte Jens Neureu ther, Chef des Solarunternehmens Carpevigo, dem Standard. "Wir produzieren weder Solarzellen noch Module. Wir bauen und entwickeln Solarkraftwerke, übernehmen fallweise auch welche und verkaufen den Strom. Sinkende Modulpreise aufgrund verstärkten Drucks aus Asien, unter denen Mitbewerber jetzt so stark leiden, wirken sich positiv auf unser Geschäft aus."

Carpevigo ist eine Anspielung auf das lateinische "carpe vires" (nutze deine Stärken/Kräfte). Das Unternehmen hat Eigenangaben zufolge bisher 30 Megawatt (MW) am Netz - etwa 60 Prozent in Deutschland, der Rest großteils in Italien. 26,5 MW sollen in einem nächsten Schwung dazukommen - Anlagen, wie sich Neureuther herauszustreichen bemüht, die in Deutschland und Italien bereits am Netz sind und daher von der kürzlich erfolgten Kappung der Einspeisetarife nicht betroffen sind.

Bond zu 7,25 Prozent Zinsen

Bei den Solarkraftwerken, die man jetzt in Deutschland und Italien kaufen wolle, würden die höheren Einspeisetarife gelten. Diese seien für 20 Jahre festgeschrieben.

Um den Kauf zu finanzieren, hat die in Holzkirchen im Süden Münchens ansässige Firma eine Inhaber-Teilschuldverschreibung mit einem festen Zinssatz von 7,25 Prozent pro Jahr aufgelegt.

Seit 9. Juli können private und institutionelle Investoren den "Car pevigo Energy Bond I" mit einer Laufzeit von fünf Jahren zeichnen. Die Stückelung beträgt 1000 Euro, die Zinszahlung erfolgt halbjährlich.

Als Sicherheit habe man die Geschäftsanteile der zu diesem Zweck gegründeten Carpevigo Ener gy GmbH, einer hundertprozentigen Tochter der an der Börse in München gelisteten Carpevigo Holding, über einen Treuhänder zugunsten der Gläubiger verpfändet, sagte Neureuther. Der Car pevigo-Chef geht davon aus, dass die erwarteten 50 Millionen Euro bis Ende des Monats eingesammelt sind. Ziel sei es, Carpevigo mittelfristig als einen der größten unabhängigen Stromlieferanten Deutschlands zu etablieren.
(Günther Strobl, DER STANDARD, 6.8.2012)

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4 Postings
Tolle Kapitalanlage

Sogar noch besser als Immorent, Meinl und alles andere vom AWD. Wo bleibt Warren Buffett? 7,5 % auf 5 Jahre und das dann noch mit verbücherter Eigentumsgarantie an den schönen Photovoltaikdingern auf den Dächern, der müßte sofort alles kaufen. Tut er aber nicht, weil er halt genau weiss, dass er sich in 5 Jahren den ganzen Solarschrott in die Haare schmieren kann. Also nix für phöse Kapitalisten, dafür ein Mekka für nachhaltig orientierte Zahnmediziner, VolksschuldirektorInnen und EsoterikberaterInnen. Wie sagte J.P. Morgan zu seinem Sohn: "Jeden Tag steht irgendwo ein Dummer auf. Deine Aufgabe ist es diesen zu finden."

Woher die Überzeugung,

daß es in 5 Jahren mit dem „Solarschrott“ vorbei sein wird?

Ganz einfach

Weil kein normal denkender phöser Kapitalist eine Anlage hergeben würde, die 7,5 % pro Jahr bringt, wenn er derzeit für hypothekarisch gesicherte Bankkredite nur 2 % zahlen muss. Simple Arithmetik.

Für 2 % Geld aufnehmen,

und für 7,5 % veranlagen – das macht niemand?

Oder hab ich hier was falsch verstanden?

Und was hat das mit der Solartechnologie zu tun?

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