Große Nacht für die Gastgeber

  • She makes them smile.
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    She makes them smile.

  • Ivona Dadic gibt Hoffnung.
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    Ivona Dadic gibt Hoffnung.

Jessica Ennis im Siebenkampf, Mo Farrah über 10.000 Meter und Greg Rutherford im Weitsprung sorgen für drei britische Goldmedaillen - Ivona Dadic österreichische Zukunftshoffnung

London - Umjubelt von 80.000 Zuschauern im Olympiastadion von London hat die Britin Jessica Ennis am Samstagabend den Siebenkampf in der Leichtathletik bei den Olympischen Spielen in London gewonnen. Die Götzis-Siegerin setzte sich mit nationalem Rekord und der Jahresbestleistung von 6.955 Punkten vor der Deutschen Lilli Schwarzkopf (6649) und der Russin Tatjana Tschernowa (6628) durch.

Schwarzkopf war im abschließenden 800-m-Lauf wegen angeblichen Verlassens der Bahn zunächst disqualifiziert worden. Bei einer Untersuchung des Vorfalls stellte sich aber heraus, dass es sich dabei anscheinend um eine andere Läuferin gehandelt hatte. Die zunächst drittplatzierte Ukrainerin Ludmilla Josypenko fiel damit auf Rang vier zurück. Die 18-jährige Österreicherin Ivona Dadic wurde mit 5.935 Punkten 25. und verfehlte den von ihr gehaltenen österreichischen Rekord von 5.959 nur knapp.

Es war ein großer Abend für die britischen Leichtathleten, denn auch Mo Farah über 10.000 m (27:30,42 Minuten) und Greg Rutherford (8,31 m) holten vor heimischer Kulisse Gold. Im Sprint der schnellsten Frauen wiederholte Shelly-Ann Fraser-Pryce über 100 m ihren Erfolg von Peking. Die Jamaikanerin setzte sich in 10,75 Sekunden vor Weltmeisterin Carmelita Jeter aus den USA (10,78) und der WM-Zweiten Veronica Campbell-Brown (Jamaica/10,81) durch.

"Es ist ein unbeschreibliches Gefühl", sagte Dadic, die die abschließenden 800 Meter in 2:15,90 hinter sich brachte. "Für die 6.000 Punkte hätte ich eine Zeit von 2:11,30 laufen müssen. Ich habe es probiert, aber es ging nicht", sagte Dadic, die nach einer bei der Junioren-WM in Barcelona erlittenen Verletzung zuletzt nicht viel Lauftraining machen konnte. "Aber passt schon", meinte sie. Den von ihr gehaltenen österreichischen Rekord von 5.959 verpasste sie nur knapp.

Dadic hatte in London mit einer Leistung von 5.600, 5.700 Punkten gerechnet und sich selbst überrascht. "Ich war nervös, aber ich habe hier gelernt, dass man so einen Wettkampf konzentriert angehen und locker bleiben muss." Glückwünsche der Kontrahentinnen blieben nicht aus. "Ennis hat mir gratuliert, dass es eine super Leistung ist, hier dabei zu sein."

Die Athletin des PSV Wels war am Freitag mit einer Bestleistung über 100 m Hürden im Rahmen eines Mehrkampfes in ihren Wettkampf gestarten. Den 14,58 Sekunden ließ sie dann im Hochsprung mit 1,80 Meter eine neue persönliche Bestleistung folgen. Im Kugelstoßen wäre mehr als 12,19 Meter drinnen gewesen, die Leistung war aber ebenfalls mehr als passabel. Genauso wie die 24,29 Sekunden über 200 m. Nach Tag eins lag sie 23 Punkte über der Leistung in Götzis.

Die Hoffnung auf ein volles Haus wurde der furchtlosen und selbstbewussten jungen Dame auch am Samstag erfüllt, sie hatte sich 6,00 m im Weitsprung gewünscht und kam bei wechselhaftem Wind exakt auf diese Marke. Motiviert von der Atmosphäre im Stadion warf sie den Speer auf die persönliche Bestleistung von 41,82 m. "Vor allem mit meinem Speerwurf und dem Hochsprung war ich sehr zufrieden. Am meisten Bammel hatte ich vor den 200 m, weil ich mich da in Barcelona verletzt hatte."

Ennis, der Liebling der britischen Öffentlichkeit und insofern unter enormem Druck, konnte nach der Plackerei ihre eigene Leistung kaum glauben. "Ich bin so geschockt, ich kann es kaum glauben. Nach dem Speerwurf habe ich nicht mehr daran geglaubt. Das Publikum half mir. Unfassbar, dass ich es geschafft habe."

Rutherford meinte: "Ich dachte, ich kann noch weiter hüpfen. Aber ich bin Olympiasieger, also was soll's". Dann bedankte er sich bei seinen "unglaublichen Eltern" und seiner "wunderschönen Freundin". Und doch fürchtete, es war nur ein Traum. "Vielleicht wache ich in einer Minute auf."

Die Liebsten des 29-jährigen Mo Farah schließlich ließen es sich nicht nehmen, auf die Bahn zu kommen, auf der der Langstreckenläufer kurz zuvor vor Glück zusammengebrochen war. Die Tochter und die mit Zwillingen schwangere Ehefrau fielen dem neuen Nationalhelden um den Hals, die Zuschauer ließen das Stadion in seinen Grundfesten erbeben, ein Blitzlichtgewitter brach über die kleine Familie herein.

"Das ist der beste Moment meines Lebens, dieses Gold bedeutet mir so viel", meinte Farah, der 1993 sein Geburtsland Somalia als Flüchtling verlassen hatte und nach London kam.

Im Diskuswurf siegte die Kroatin Sandra Perkovic mit 69,11 m vor der Russin Darja Pischtschalnikowa (67,56) und der Chinesin Li Yanfeng (67,22). Gleich zwei Medaillen für China gab es über 20 Kilometer Gehen. Chen Ding gewann mit 1:18:46 Stunden vor Erick Barrondo aus Guatemala (1:18:57) und seinem Landsmann Wang Zhen (1:19:25). (APA/red, 05.08.2012)

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