Flüchtlingswohnheime: Gegen Graus-Wirte und "strenge Kammern"

Blog | Irene Brickner
4. August 2012, 15:58
  • Wo und wie man als AsylwerberIn in Österreich untergebracht wird, 
also mit welchen Lebensbedingungen man für Monate bis Jahre rechnen 
muss, ist derzeit eine Sache des Zufalls.
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    Wo und wie man als AsylwerberIn in Österreich untergebracht wird, also mit welchen Lebensbedingungen man für Monate bis Jahre rechnen muss, ist derzeit eine Sache des Zufalls.

Mitbestimmung und gezielte Imageverbesserung als Wege aus der Flüchtlingsunterbringungsmisere

Die Reportage, die mit dem Foto dieses Blogs - und anderen Schnappschüssen aus südburgenländischen Flüchtlingspensionen - vor wenigen Tagen im Standard-Print und -Online erschienen ist, stieß auf einiges Interesse. Dass in nur einem einzigen Gasthofzimmer sechs Menschen - Eltern und vier kleine Kinder - untergebracht waren, fanden viele LeserInnen inakzeptabel. Ebenso den von Untergebrachten geschilderten Ton mancher Wirtsleute: autoritäres Gebrüll bei kleinsten Problemen und andere schikanöse Lebensbedingungen.

Es war nicht der erste derartige Bericht: Schon eine Woche davor hatte ein foto- und videoillustrierter Artikel im Standard die Zustände in einer noch weitaus desolateren Asylwerberunterkunft in Kärnten dokumentiert: mit gepölzten Räumen, dicken Schimmelschichten an den Wänden und Regenwasser, das sich durch Stromleitungen, an den Kabeln entlang, in eingeschaltete, am Plafond montierte Lampen ergoss und von dort auf den Boden.

Umstände wie diese, mehr oder weniger krass, herrschen dem Vernehmen nach auch noch in anderen Herbergen, in denen Österreich, in Anwendung der Bund-Länder-Vereinbarung über die Flüchtlingsunterbringung, seinen durch die Genfer Flüchtlingskonvention und EU-Richtlinien vorgeschriebenen Pflichten nachkommt. Doch beweiskräftige Infos über derlei Problemunterbringungen sind schwer zu kriegen. Zu groß sind meist die Furcht der betroffenen AsylwerberInnen vor Sanktionen und die Abhängigkeit von BetreuerInnen von den Landes-Geldgebern.

Wohnprinzip Zufall

Natürlich gibt es vielerorts auch sehr gut funktionierende Flüchtlingspensionen, das ist zur Ehre der dortigen WirtInnen und zum Glück für ihre Langzeitgäste herauszustreichen. Doch wo und wie man als AsylwerberIn in Österreich untergebracht wird, also mit welchen Lebensbedingungen man für Monate bis Jahre rechnen muss, ist derzeit eine Sache des Zufalls, und somit des Glücks. Weil es vielerorts keinerlei ernsthaften Kontrollen gibt - sowie keine in allen Bundesländern einzuhaltenden Qualitätsstandards für die Flüchtlingsunterbringung.

Wie diese aussehen könnten, wenn Innenministerium und Flüchtlingsverantwortliche der Länder die nötige Bereitschaft aufbrächten, sie zu diskutieren, zu beschließen und umzusetzen, ist in einem Papier der Agenda Asyl - eines Zusammenschlusses der meisten relevanten NGOs aus dem Asylbereich - nachzulesen.
Neben der Forderung nach kräftiger Erhöhung des Tagsatzes pro Flüchtling, über die vor Kurzem ausgemachten 19 Euro hinaus und der Aufforderung an alle Länder, den Größenbedarf pro Person, den sonstigen Wohnwert der Unterkunft sowie Hausordnungen verbindlich festzulegen, wird darin etwa auch ein grundlegenderes Überdenken der derzeitigen Regeln vorgeschlagen.

Zum Beispiel, dass das starre Zuweisungssystem, das Asylwerbern derzeit keinerlei Mitsprache gewährt, wo in Österreich sie untergebracht werden wollen, aufgeweicht werden sollte. Auch mit Verlegungswünschen solle man flexibler umgehen, besagt das Papier.

Übersiedeln verboten

Denn derzeit wird AsylwerberInnen ein solches Übersiedeln extrem schwer gemacht. Über Bundesländergrenzen hinweg ist es bei Strafe mit Unterkunftsverlust sogar unmöglich. Das hat die Folge, dass AsylwerberInnen den Zuständen in den Pensionen fast wehrlos ausgeliefert sind.

Ließe man in dieser Hinsicht ein wenig mehr Liberalität walten - es gäbe ein Forum, auch für Wohnbeschwerden, mit qualitätssicherndem Effekt: Graus-Pensionen wie jene in Kärnten, "strenge Kammern" wie jene im Burgenland wären rasch gästefrei.

Aber natürlich müsste, auf dem Weg dorthin, ein prinzipielles Problem der Flüchtlingsunterbringung in Österreich angegangen werden: der akute Plätzemangel, an dem - neben dem zu geringen Entgelt für Beherberger - auch der miese Asylwerber-Ruf Schuld trägt. Fast überall, wo ruchbar wird, dass Flüchtlinge einziehen sollen, gibt es derzeit Proteste, die FPÖ und andere Rechte können sich dort die Hände reiben.

Dagegen würde eine Verbesserung des Images von Asylwerbern helfen, durch sachliche Informationen statt Problemeabwälzens auf die mit derzeit knapp 18.000 Menschen im Grunde kleine Personengruppe. Sowie gezielte Kommunikationsangebote mit langem Atem für potenzielle NachbarInnen - für Länder wie Bund ein Langfristprogramm, aber eines mit eminentem Menschenrechtsnutzen. (Irene Brickner, derStandard.at, 4.8.2012)

Im August erscheint dieser Blog nur im Zweiwochenabstand, das nächste Mal also am Samstag, den 18.8. und dann wieder am Samstag, den 1.9.2012.

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ein Vorschlag zur Güte

man könnte doch eine Art Broschüre unserer 4 - 5 Sterne Hotels auflegen mit Fotos der Zimmer und des Wellness Bereichs, eine kurze Beschreibung der kulinarischen Versorgung und die Asylanten frei auswählen lassen, wem es dann in dem einen Hotel nicht gefällt der kann ja immer noch wechseln ...

Ohne Möglichkeit zur Reservierung über das Internet hat das keinen Sinn. Sonst zahlen die Leute womöglich Unsummen für eine Scheppung quer durch Europa bis nach Österreich, und das Wunschquartier ist schon ausgebucht.

hier schlage ich die Wiener Wohnen Lösung vor die eine 100%ige Bevorzugung dieses Klientels vorsieht ...

Ich weiß nicht, ob irgendjemand i diesem Forum einen Herbergsbetrieb hat -egal in welcher Form

Ich zumindest habe einen. Und weiß daher, wie schwierig, ja äußerst schwierig es heutzutage mit der Disziplin der Gäste (auch Asylanten in Heimen sind ja sowas wie Gäste) aussieht. Wenn die WC verdreckt sind, dann nicht deshalb, weil sie nicht gereinigt werden sondern deshalb, weil sie verdreckt werden. Ich verstehe auch nicht, warum Exkremente nicht in sondern oft an der Kloschüssel landen etc. und dort verbleiben. Und diese Disziplinlosigkeit ist ein allgemeines Problem, es betrifft alle Nationalitäten und da sind Asylsuchende bestimmt keine Ausnahme. Hatte gerade zwei Interail-Mädels einquartiert: nach nur 1 Tag und 1 Nacht war alles versaut und zugemüllt: Zimmer, Bad, WC. Und WEHE man sagt was als Wirt!!!!!

Die meisten Asylanten entstammen in ihren Heimatländern idR der oberen Mittelschicht. Sozial Schwache können sich etwa den Flug aus Nigeria oder Tschetschenien gar nicht leisten. Für die Reise, die gefälschten Papiere und fingierten Asylgründe geben sie dann Hab und Gut auf. Dafür erwarten Sie in Österreich auch eine Verbesserung der Lebensbedingungen. Ein Landgasthaus mit einfach ausgebildetem Personal geht da wohl gar nicht.

Woher hast die "Info" - vom Umtrunk in der Burschenschaftsbude oder vom braunblaunen Stammtisch?

Den Flug?

Selten so einen Schwachsinn gelesen - sie sollten sich mit dem Schicksal der Asylwerber befassen bevor sie hier so einen unglaublichen Blödsinn posten.

Klar, die gehen doch alle zu Fuß aus Nigeria nach Wien. Deshalb machen Sie ja auch nicht in ihren Nachbarländern halt, sondern genießen den Spaziergang bis nach Wien.

wie hoch ist nochmal die erkennungsrate in österreich? waren es 100%?

die größten Lügengeschichten...

...englische Kochkünste

...deutscher Humor

...italienische Helden

...österreichische Gastfreundlichkeit

Wennst reich und weiß bist, wird man in Kärnten und Bayern mit breitem, falschen Grinsen umworben, abgefüllt, betrogen und abgezockt.

Wenn man arm oder dunikelhäutig ist, ersparen sich die das falsche Grinsen; Betrug und Abzocke probierens trotzdem.

die größten Lügengeschichten...

...österreichische Gastfreundlichkeit

genau, darum ist österreich auch so ein unbeliebtes tourismusland... scherzkeks.
http://de.wikipedia.org/wiki/Tour... _Bedeutung
wenn du schlecht behandelt wirst, wirds wahrscheinlich nicht immer am gastgeber liegen... nur so zum nachdenken.

das hat

mit dem artikel genau was zu tun?

Ich verstehe das Problem nicht ganz.

Wenn die Flüchtlinge mit der von uns gebotenen Leistung nicht zufrieden sind, warum nehmen sie dann den weiten Weg nach Österreich in Kauf? Es ist ja nicht so, dass Österreich das einzige Land auf der ganzen Welt ist, das Flüchtlinge aufnimmt - da gibt es bestimmt noch 100 andere, die teilweise näher an der Heimat der Flüchtlinge liegen.

ich glaube das problem liegt eher

daran dass viele noch glauben das europa der goldene westen ist, die chance auf eine zukunft und auf ein angstfreies leben ... und wir sind halt der erste anlaufhafen ...

Asylprozesse gehören beschleunigt, wer wirklich Asyl benötigt, soll es erhalten, allerdings muss das auf die gesamte EU aufgeteilt werden, wer nicht, muss leider so schnell wie möglich wieder heimgebracht werden. Aber 6-10 Jahre die Leute ohne große Rechte (und auf kosten des Sozialstaates) hier Leben zu lassen und dann wieder rauszuschmeissen ist inakzeptabel. Und freiwillig zurückgehen wird keiner, wenn man das wollte wäre man nicht geflüchtet, da schaut man wahrscheinlich eher dass man weiter kommt, in ein anderes land, etc, oder hofft auf einen positiven Bescheid.

Westeuropa .. nicht Europa.

Sonst müsste der absolute Grossteil dieser Flüchtlinge in (zb) Bulgarien seinen Asylantrag stellen.

Oh,

<Natürlich gibt es vielerorts auch sehr gut funktionierende Flüchtlingspensionen, das ist zur Ehre der dortigen WirtInnen und zum Glück für ihre Langzeitgäste herauszustreichen.

Soll das eine Art Klarstellung auf das das übliche Gehetze sein... passt ja gar nicht in das übliche Geschrei von oben herab.

genau

ich unterstütze die forderung brickners, alle asylantenansucherInnen ab sofort nur mehr in ringstrassenhotels wie imperial und co unterzubringen.

das müssen uns die asylansucher, schon wert sein. 100 einsprüche sind so anstrengend, da muss kost und logis schon einen ausgleich schaffen.

das muss uns der ruf in der welt, als asylfreundliches land schon wert sein....

als ausgleich können wir pensionisten und familien ja noch die differenz die das mehr kostet, ja wegnehmen.
denen gehts noch viel zu gut, denen österreichern

Über die Staatsgrenzen hinweg wird den Asylwerbern das Übersiedeln sehr leicht gemacht.
Wenn die tschetschenischen Asylwerber in Polen mit ihrer Unterbringung unzufrieden sind, dann fahren sie nach Österreich und stellen einen weiteren Asylantrag. Schwuppdibupp, schon sind sie in der österreichischen Grundversorgung, und eine Armada von Rechtsberatern und Psychiatern versucht, die Rückschiebung nach Polen zu verhindern.
So wird die Flüchtlingsunterbringungsmisere in Polen entschärft, in Polen sind derzeit nur 1.700 Asylwerber im laufenden Asylverfahren.
Wenn man die Versorgungsstandards in Österreich weiter erhöht, dann wird das die Flüchtlingsunterbringungsmisere in Polen weiter entschärft.

weil es mich wirklich ernsthaft interessiert:

diese "armada" aus rechtsberatern und psychologen besteht aus wievielen personen genau?

bitte um genaue quellenangaben - danke!

Über die Personenzahl und die Kosten fragen Sie am Besten Frau Rosenkranz. Die kanns Ihnen zwar auch nicht genau sagen, aber sie kann Ihnen die Anzahl der diesbezüglich unbeantwortet gebliebenen parlamentarischen Anfragen mitteilen.
Ich kann Ihnen nur soviel sagen, daß sich das Ganze bereits als eigener Wirtschaftszweig "Flüchtlingswirtschaft" statistisch relevant darstellen lassen müßte. Selbst den bei lukrativen Geschäften üblichen Graubereich gibts.
Uups, den gibts natürlich nicht, weil nicht sein kann, was nicht sein darf...

Rosenkranz? Wirklich?

Von ein paar Dutzend bis einige Hundert, das kommt darauf

an, wen man noch dazu zählt.

Jedenfalls genug um tausenden, für deren Anträge andere Staaten zuständig wären, ein Verfahren und ein Bleiberecht zu erzwingen.

Sie sind ein bisschen albern.

Rufen Sie einfach mal irgendeinen Anwalt an und sagen ihm Sie hätten eine Asylsache für ihn.

Meistens werdens nicht einmal einen Termin kriegen. Es ist einfach überhaupt nicht beliebt. Die Flüchtlinge haben kein Geld. Kostenersatz gibts nur wenn man eine höchstgerichtliche Beschwerde gewinnt und ausserdem ändert sich die Rechtslage alle 4 Monate. Dazu stundenlange Interviews in Traiskirchen. Sprachschwierigkeiten mit dem Mandanten. Einfach ekelhafte Causen.

Ist wirklich mit Ausnahme von 3-4 Idealisten einfach überhaupt keiner scharf drauf.

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