Bolt und Blake joggen ins Halbfinale, starker Pistorius

  • In den Vorläufen ging noch keiner der Favoriten an das Limit. Usain Bolt (Mitte) erreichte ebenso locker das Halbfinale wie Justin Gatlin, Yohan Blake, Dwain Chambers oder Asafa Powell.
    foto: reuters/kai pfaffenbach

    In den Vorläufen ging noch keiner der Favoriten an das Limit. Usain Bolt (Mitte) erreichte ebenso locker das Halbfinale wie Justin Gatlin, Yohan Blake, Dwain Chambers oder Asafa Powell.

  • Olympia-Premierentest bestanden: Oscar Pistorius.
    foto: epa/diego azubel

    Olympia-Premierentest bestanden: Oscar Pistorius.

Jamaikaner stolperte beim Start - "Froh, dass ich weiter bin" - Weltmeister Yohan Blake deutlich souveräner - Beinamputierter Südafrikaner im Halbfinale über 400 m

Usain Bolt ist bei seinem ersten Auftritt bei den Olympischen Spielen in London ins Halbfinale spaziert. Der schnellste Mann der Welt begeisterte die 80.000 Zuschauer im Olympiastadion allerdings nur bei der Vorstellung. Anschließend gewann er seinen Vorlauf über 100 m mit angezogener Handbremse und einem leichten Stolperer in 10,09 Sekunden.

"Ich hatte eine gute Reaktion, aber einen schlechten Start, bin gestolpert. Ich bin froh, dass ich weiter bin", sagte der Jamaikaner. Am Sonntag (21.50 Uhr OZ/22.50 MESZ) will sich der Dreifach-Olympiasieger von Peking 2008 mit dem Gewinn der Goldmedaille endgültig unsterblich machen.

Weltmeister Yohan Blake, der große Herausforderer von Weltrekordhalter Bolt, sah bei seinen 10,00 Sekunden deutlich souveräner aus. Der Jahres-Weltbeste (9,75) gewann seinen Vorlauf ganz locker.

Bestzeit für Ryan Bailey

Völlig überraschend lief allerdings der 23 Jahre alte Amerikaner Ryan Bailey in 9,88 Sekunden die beste Zeit des Vormittags. So schnells war bei Olympia in einem Vorlauf noch nie ein Sprinter gegeben. Ex-Weltrekordler Asafa Powell (Jamaika) gewann seinen Vorlauf in 10,04.

Als Erster der Sprintstars hatte Tyson Gay die superschnelle Laufbahn betreten. Der Dreifach-Weltmeister von 2007 und Zweitschnellste Mann der Geschichte (9,69) ließ es bei seinem Sieg in 10,08 Sekunden recht locker angehen. Für Gay ist Bolt auch in London der große Favorit: "Er war da, wo wir noch nicht gewesen sind."

Der nach seiner Dopingsperre in diesem Jahr auf 9,80 verbesserte Athen-Olympiasieger Justin Gatlin setzte in 9,97 Sekunden ein erstes, kleines Ausrufezeichen.

Bolt hat aus dem Fehlstart-Fiasko der WM 2011 in Daegu und den Trials-Pleiten gegen Blake ("Ein Weckruf") gelernt und sich zuletzt auf's Laufen konzentriert. Ein kleines bisschen Show gab es auch vor dem Vorlauf, doch der vollmundigen Ankündigung des Stadionsprechers ließ Bolt (noch) keine Großtat folgen. Entsprechend sparsam fiel der Applaus aus.

Pistorius mit persönlicher Saisonbestzeit weiter

Der Südafrikaner Oscar Pistorius ist am Samstag als erster beinamputierter Athlet bei Olympischen Sommerspielen angetreten und hat gleich einen erfolgreichen Start hingelegt. Über 400 m lief er in 45,44 Sekunden im Olympiastadion persönliche Saisonbestzeit und qualifizierte sich damit für das Halbfinale. Der 25-Jährige ist auch für die 4x400-m-Staffel seines Landes vorgesehen.

Pistorius hatte 2008 vor dem Obersten Sportgerichtshof gegen das Startverbot durch den Leichtathletik-Weltverband bei Großevents und Olympischen Spielen geklagt. Die IAAF argumentierte damit, dass die Prothesen einen Vorteil verschaffen würden. "Ich trainiere härter als 95 Prozent meiner Konkurrenten. Ich glaube an Fairness. Man hat mich getestet, es gibt einfach keinen Vorteil", sagte Pistorius.

Bei der WM 2011 in Südkorea schaffte Pistorius im Einzel den Halbfinaleinzug, mit der Mannschaft gewann er Silber. Der "Blade Runner" wird auch an den Paralympics in London teilnehmen.

Merritt über 400 Meter schon draußen

Schnellster Mann des Vormittags über 400 m war Jonathan Borlée (Belgien). Er blieb bei seinem Vorlaufsieg in 44,43 Sekunden knapp über dem 25 Jahre alten Europarekord (44,33). Für LaShawn Merritt (USA) war früh Schluss. Der Jahres-Weltbeste und Olympiasieger von 2008 hatte als erster Sportler die Chance, nach einer Dopingsperre erneut Gold zu gewinnen. Nach 150 Metern verletzte er sich.

Eine Überraschung gab es in der Stabhochsprung-Qualifikation: Mitfavoritin Fabiana Murer (Brasilien) übersprang nur 4,50 m und wird im Gegensatz zu Weltrekordlerin Jelena Issinbajewa (Russland) im Finale am Montag (19.00 Uhr OZ/20.00 MESZ) fehlen. (sid, 4.8.2012)

100 Meter - Vorlauf: 1. Ryan Bailey (USA) 9,88 Sek. - 2. Justin Gatlin (USA) 9,97 - 3. Yohan Blake (JAM) 10,00 - 4. Dwain Chambers (GBR) 10,02 - 5. Asafa Powell (JAM) 10,04 - 6. Ben Youssef Meite (CIV) 10,06 - 7. Ryota Yamagata (JPN) 10,07 - 8. Tyson Gay (USA) 10,08 - 9. Usain Bolt (JAM) 10,09 (alle im Semifinale)

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