Perterer von Schlägerei und Verletzung gebremst

4. August 2012, 17:50
  • Hat enorm wichtige olympische Erfahrungen gemacht: Die 20-jährige Lisa Perterer aus Villach.
    foto: apa/schlager

    Hat enorm wichtige olympische Erfahrungen gemacht: Die 20-jährige Lisa Perterer aus Villach.

  • Unglaubliches Finish nach zwei Stunden: Die Schweizerin Spirig setzt sich um einen Hauch gegen die Schwedin Norden durch.
    foto: apa/epa/walton

    Unglaubliches Finish nach zwei Stunden: Die Schweizerin Spirig setzt sich um einen Hauch gegen die Schwedin Norden durch.

Harte Bandagen beim Schwimmen, Kärntnerin als zweitjüngste Athletin im Feld 48. - Gold nach Zielfoto-Entscheid and Schweizerin Spirig

London - Der Olympia-Triathlon der Damen im Londoner Hyde Park hat am Samstag den Favoritensieg der Schweizerin Nicola Spirig gebracht. Die 30-Jährige gewann in einem packenden Zielsprint vor der in 1:59:48 Stunden zeitgleichen Schwedin Lisa Norden. Mit der zwei Sekunden zurückgelegenen Erin Densham gab es auch im vierten olympischen Damen-Triathlon für Australien eine Medaille. Die Österreicherin Lisa Perterer kam mit einem Rückstand von 9:24 Minuten auf Rang 48.

Den angestrebten Platz unter den ersten 20 musste die Kärntnerin schnell abschreiben. "Ich war komplett in eine Schlägerei verwickelt", beschrieb Perterer die Anfangsphase des 1,5 Kilometer langen Schwimmteils. "Dafür fehlt mir noch die Aggressivität, das muss ich noch lernen. Dabei habe ich es im Schwimmen drauf." Bei der Startplatzauslosung hatte die Villacherin kein Glück, nur schwächere Schimmerinnen scharten sich um sie. Diese verschafften sich mit den Fäusten freie Bahn.

Verletztes Knie gespürt

Perterer stieg in 20:17 Minuten mit exakt zwei Minuten Rückstand auf Leaderin Lucy Hall aus dem Wasser. Die 20-jährige Britin kommt aus dem Schwimmsport und ist zur Unterstützung von Lokalfavoritin Helen Jenkins nachträglich für eine Landsfrau ins Olympia-Team eingetauscht worden. Während die Jüngste im Feld mit 21 anderen - darunter fast alle Favoritinnen - die gesamte 42,938 Kilometer lange Radstrecke die Spitzengruppe bildete, hatte es Perterer - die Zweitjüngste - dahinter schwer.

Auf der ersten von sieben Runden war sie alleine unterwegs, dann in einer Vierer-, ab der vierten Runde in einer Siebener- und ab der sechsten Runde in einer Zwölfer-Gruppe. In dieser Phase lief es auch besser als zu Beginn des Rad-Parts, der Rückstand auf die Spitzengruppe wuchs nicht mehr so sehr an wie zuvor. Allerdings spürte Perterer auf dem "Drahtesel" ihr verletzt gewesenes linkes Knie. "Ich habe zwar Ausdauertraining gemacht, aber bin da nicht auf Druck gefahren."

In der Wettkampfbelastung machte sich bemerkbar, dass die vor rund einem Monat beim Beckenschwimmen erlittene Verletzung doch noch nicht ganz ausgeheilt ist. Letztlich hat sich auch das durch die Blessur reduziert gewesene Lauftraining auf den abschließenden, in 37:23 Minuten absolvierten zehn Kilometern bemerkbar gemacht. Mit einem Rückstand von 5:38 Minuten als 43. auf die Strecke gegangen, wuchs das Minus in den vier Laufrunden noch um weiter 3:46 Minuten an.

"Wichtige Erfahrung"

Die 20-Jährige meinte, dass es wegen der Trainingseinschränkung im unmittelbaren Vorfeld auch eine psychische Belastung gewesen sei. "Aber es war eine wichtige Erfahrung", meinte Perterer. "Ich habe versucht, die Stimmung zu genießen. Ich muss mir das Positive herausziehen." Wichtig sei auch gewesen, dass sie auf der nach einem morgendlichen Regenguss noch feuchten Radstrecke nicht gestürzt sei. "In der ersten Runde hat es mich ein paar Mal gezaubert."

Erwischt hat es auf der ersten Runde u.a. Emma Moffatt. Die Australierin war 2009 und 2010 Weltmeisterin , gewann 2009 in Kitzbühel und holte vor allem in Peking 2008 Olympia-Bronze. Sonst versammelten sich aber ziemlich alle Favoritinnen in der 22-köpfigen Rad-Spitzengruppe, wobei Spirig meist an der Spitze war. Wie meist trennte sich jedoch beim Laufen die Spreu vom Weizen, die Schlussrunde nahm schließlich nur noch eine fünfköpfige Gruppe von vorneweg in Angriff.

Foto-Finish

Am dem Ziel gegenüberliegenden Ufer des Sees Serpentine, in dem geschwommen worden war, verlor Jenkins den Anschluss. "Meine Beine haben in der letzten Runde nicht mehr mitgemacht", erklärte die 28-Jährige. Die Medaillenhoffnung der Briten verlor bis ins Ziel 31 Sekunden, wurde 19 Sekunden hinter Sarah Groff Fünfte. Die US-Amerikanerin war davor mit dem Rad über die gestürzte Tschechin Maria Czesnik gefahren, konnte nicht mehr ausweichen.

Den Sprint zog Spirig an, doch Norden ließ nicht locker. Schließlich kam die Eidgenossin ein paar Zentimeter vor der WM-Zweiten 2009 ins Ziel. Die zuständigen Kampfrichter teilten später mit, dass nach knapp zwei Stunden "weniger als 15 Zentimeter" zugunsten der Schweizerin entschieden hätten. Im Ziel hatte zunächst Verwirrung geherrscht, weil Norden gejubelt hatte. Erst nach einigen Minuten herrschte Klarheit. "Ich hatte zwar so ein Gefühl, sicher war ich mir aber nicht", sagte Spirig später. "Die Minuten, bis mich ein Offizieller informiert hat, waren echt hart. Ich wäre mit jeder Medaille zufrieden gewesen, aber Gold und Silber macht dann doch einen großen Unterschied." (APA, 4.8.2012)

Ergebnis Triathlon, Frauen (1,5 km Schwimmen, 40 km Radfahren, 10 km Laufen): 1. Nicola Spirig (SUI) 1:59:48 Stunden - 2. Lisa Norden (SWE) 1:59:48 - 3. Erin Densham (AUS) 1:59:50 - 4. Sarah Groff (USA) 2:00:00 - 5. Helen Jenkins (GBR) 2:00:19 - 6. Andrea Hewitt (NZL) 2:00:36 - 7. Ainhoa Murua (ESP) 2:00:56 - 8. Emma Jackson (AUS) 2:01:16. Weiter: 48. Lisa Perterer (AUT) 2:09:12

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" ... nur schwächere Schimmerinnen scharten sich um sie." Wieviele waren da am Start? Wenn eine 48 wird, kann es ja nicht viele schwächere geben.

sie selbst ist normal eine stärkere schwimmerin und hätte bei besserem verlauf weiter vorne in einer spitzengruppe ankommen und dann mitradeln können.
beim radfahren ist ja nicht nur die eigene stärke, sondern auch die gruppe entscheidend, in der man vielleicht grade so mitkommt

beim schwimmen kann sie ja noch in einer größeren gruppe gewesen sein, 48. war sie erst am schluss

Weiß ich auch nicht - warum sie das sagen musste

außerdem wars ein Pontonstart, da gibts wenigstens nicht das wirklich grausliche Wasserstart Getümmel.

In der von mir aufgestellten Hättiwari - Wertung ohne Wechselzonenzeiten, ist Lisa Norden mit 5 Sekunden Vorsprung auf Spirig Olympiasiegerin.

Wie gesagt, Hättiwari-Wertung. Denn das Reglement sieht eine Bruttozeitmessung vom Startschuß bis zum Zieleinlauf vor.

http://etu.triathlon.org/en/result... ames/8597/

" ... nur schwächere Schimmerinnen scharten sich um sie." Wieviele waren da am Start? Wenn eine 48 wird, kann es ja nicht viele schwächere geben.

Vielleicht sollte man Bewerben, die ein, zwei Stunden dauern einfach grundsätzlich nur auf die Sekunde genau messen und in solchen Fällen dann die Medaille ex aequo vergeben.

Absurderweise gab es im Fechten, wo eine Aktion oft unter einer Sekunde dauert, genau das umgekehrte Problem (siehe Artikel vor ein paar Tagen) - da die letzte Sekunde nie komplett verstrich, immer aber komplett neu angezählt wurde, dauerte die letzte Sekunde vier, und führte zu einer sehr umstrittenen Entscheidung.

Manchmal ist der Konservativismus der alten Säcke beim IOC schon recht mühselig, bis sich da was tut wo offenbar Handlungsbedarf herrscht...

Die logik versteh ich nicht ganz

ein marathon geht normalerweise über stunden und da wird in zehnteln/hundertsteln gemessen.
Die Tour de France geht über wochen und auch da wird in hundertsteln gemessen. Und auch beim Schwimmen - egal bei welcher distanz - wird in hundertsteln gemessen.

Warum also bei einer kombination der drei sportarten nur sekundenmessung?

Bei den genannten Sportarten wäre es selbstverständlich auch anzudenken, keine Hundertstel mehr zu messen - DAS ist die Logik.

im amateursport ist es ok, dass man sich auch gern auf ein unentschieden einigt - im profisport möchte man einfach wissen, wer der beste ist ---
tlw. hat man sogar das los entscheiden lassen

Losen ermittelt wirklich den Besten? ;o)

im amateursport ist es ok, dass man sich auch gern auf ein unentschieden einigt - im profisport möchte man einfach einen einzigen sieger haben.

dieses bestreben geht so weit, dass man früher manchmal sogar gelost hat !!
bzw. sich allerhand zusatzkriterien einfallen hat lassen (vgl. auswärtstor) ---
da lob ich mir ein zielfoto ja geradezu als ausbund der fairness und gerechtigkeit ;-)

die einzelnen bewerbe werden nicht vom IOC durchgeführt sondern von den fachverbänden. alte säcke gibt es da aber natürlich auch.

es ist ein unterschied, ob man bewerbe getrennt voneinander absolviert - da wären natürlich zwei goldene gerechtfertigt - oder ob es einen zielsprint gibt.
bei einem zielsprint einen vorsprung von einer sekunde zu fordern, andernfalls es zwei sieger gäbe - ist ja geradezu absurd.

und dieses mal sind die alten säcke vom ioc schuldlos, das sind ja die regeln des fechtverbandes bzw. triathlonsports.

Was ist daran absurd?
Bei einer Dauer von 2 Stunden ist unter einer Sekunde de facto gleichzeitig - wenn ich da ein Zielfoto brauche um zu entscheiden, dann ist DAS absurd...

Und in welchem Verband die alten Säcke sitzen ist wurscht - aber du hast recht, das Fechtdebakel haben eventuell andere alte Säcke zu verantworten ;o)

Auf´s 1/100ertstel, mit Zielfoto!

Selbst wenn ein Rennen über Tage geht. Gibt es einen Zielsprint, kommt es auf die 1/100 mit Foto an. Es ist eben die Frage, ob man das Quäntchen Kraft und die mentale Stärke noch hat oder nicht.
Man ist ja meistens nicht die ganze Zeit aneinander. Die Positionen wechseln - Taktik - in sich hineinhorchen was geht. Es ist spannend wie nur was.

Unsere Olympionikin wird schon noch! Lasst sie etwas älter und erfahrener werden. Der kürzeste Weg (schwimmen) ist eben oft nicht der effektivste und schnellste.

im radfahren gäbe es dann ganz selten einen sieger, weil viele etappen im sprint um viel weniger als eine sekunde entschieden werden.

Bei dem Tempo mit dem Radler sprinten, ist eine Zehntel aber schon ein ganz anderer Abstand, selbst eine hundertstel ist eine Handbreit - es hängt also schon auch von der Sportart ab.

Und gerade beim olympischen Radrennen würde ich bei Einläufen die nur mit Zielfoto (also im Tausendstelbereich) entscheidbar sind, durchaus auch die selbe Medaille hergeben.

bei einem zieleinlauf, der mit freiem auge erkennbar ist, kann es mMn überhaupt keine diskussion geben, und bei zwei läufern erkennt man locker weit unter einer zehntelsekunde.
aber immerhin gehst du von der sekunde eh schon weit herunter (tausendstelbereich)

Hundertstel - Tausendstel eben nicht mehr.
Und auch das nur für schnelleres wie Radfahren etc.

im amateursport ist es ok, dass man sich auch gern auf ein unentschieden einigt - im profisport möchte man einfach wissen, wer der beste ist ---
und da kann es nur einen geben!

Ich finde eben, dass es keinen “besten“ gibt, wenn nach 2 Stunden der Vorsprung 5 cm beträgt...
Da sind wir wohl verschiedener Meinung ;o)

dann muss man halt "einen" besten finden!
in manchen sportarten hat man früher sogar gelost,
oder sich sonstiges einfallen lassen - auswärtstor, elfmeterschiessen, geringere anzahl von fehlversuchen, stechen etc.
im fechten wird schon vorher der sieger bei unentschieden gelost.
besser als ein losen ist ein zielfoto allemal!

alles im bestreben - den "einen" sieger zu finden!

zu unseren verschiedenen meinungen:
deine meinung könnte von meiner mutter/freundin/schwester sein - die finden es auch oft "gemein" oder "unfair", dass irgendwer so knapp verliert, wo er sich doch genauso angestrengt hat ;-)

In diesem Fall führt sich die Zeitmessung ad Absurdum

wer hätte nicht beiden Starterinnen die Goldene geben wollen?
Dies ist halt die Schattenseite der "Es kann nur einen geben"-Welt.
Mit so einer "Niederlage" fertig werden, muss schrecklich sein. Jeder Blick auf den Straßenrand, jeder Huster kann einer zu viel gewesen sein.
Als Siegerin hätte ich demonstrativ bei der Siegerehrung die "2." auf mein Podest gehoben, wohlwissend, dass sich der "Eichkatzelfurz" auch gegen mich richten hätte können

Es wurde nur so knapp, weil Spirig mit dem Bauch voran ins Ziel gekommen ist (wegen dem Zielband). Dieser taktische Fehler hätte beinahe die Goldmedaille gekostet.

sportlich sportlich ..

.. ich kann noch nicht so gut draufhaun wie die anderen, aber das lern ich auch noch

würdelose welt!

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