Sudan und Südsudan: Einig über Öl, Grenzfragen noch offen

USA und EU lobten Übereinkunft als wichtigen Schritt - Afrikanische Union: Offene Fragen bis 22. September lösen

Khartum/Juba - Der Durchbruch bei den Verhandlungen zwischen dem Sudan und dem Südsudan ist geschafft: Die beiden ostafrikanischen Staaten einigten sich nach erbittertem Streit um das Öl und seinen Transport in der Nacht auf Samstag in der äthiopischen Hauptstadt Addis Abeba. US-Präsident Barack Obama und die EU lobten den wichtigen Schritt zum Frieden. Noch im Frühjahr drohte nach dem Ausbruch blutiger Kämpfe ein neuer Kriegsschauplatz in Afrika.

Beide Staaten hätten ein Abkommen über die Transitgebühren beim Export von südsudanesischem Erdöl durch den Sudan erreicht, sagte sichtlich erleichtert der Vermittler der Afrikanischen Union (AU), Thabo Mbeki, nach der nächtlichen Sitzung des Friedens- und Sicherheitsrats des Staatenbundes. "Das Öl wird bald wieder fließen", so der ehemalige südafrikanische Präsident.

Allerdings konnten nach seinen Worten nicht alle Probleme - beispielsweise die umstrittene Grenzführung zwischen beiden Ländern - beseitigt werden. Diese noch offenen Fragen sollen nun nach dem Willen der AU-Kommission bis zum 22. September gelöst werden.

Glückwünsche

Der Südsudan hatte im Jänner die Erdölproduktion eingestellt, nachdem keine Übereinkunft über die Transitgebühren mit dem Nachbarn im Norden zustande gekommen war. Der Streit hatte der Wirtschaft in beiden Ländern schwer geschadet. Die meisten Ölreserven liegen im Südsudan, der Transport läuft aber über Leitungen im Norden. Vor allem der Staatshaushalt des seit Juli 2011 unabhängigen Südsudan hängt zu mehr als 75 Prozent von den Öleinnahmen ab.

Das nun erzielte Abkommen ebne den Weg zu mehr Wohlstand für die Bürger beider Staaten, betonte Obama in einer vom Weißen Haus verbreiteten Erklärung. Die politischen Führer des Sudan und des Südsudan verdienten Glückwünsche für einen Kompromiss in einer solch wichtigen Frage.

Wirtschaftliche Besserung

US-Außenministerin Hillary Clinton, die noch am Freitag im Rahmen ihrer Afrikareise im Südsudan die Konfliktparteien zu einer Lösung gedrängt hatte, pries "den Mut der Führung des Südsudan". Die Zukunft des Landes sei nun "sehr viel heller", aber auch für den Sudan "eröffnet das Abkommen einen Weg aus den enormen wirtschaftlichen Belastungen". Die EU-Außenbeauftragte Catherine Ashton meinte nach Angaben aus Brüssel, die Übereinkunft werde der Wirtschaft beider Länder helfen. Sie hoffe nun auch auf Kompromisse bei den noch offenen Fragen zwischen beiden Staaten.

Nach dem neuen, bis Ende 2016 gültigen Abkommen wird der Südsudan 9,48 US-Dollar (7,74 Euro) pro Barrel Öl Transportkosten an den Sudan bezahlen - ursprünglich hatte Khartum 36 Dollar gefordert. Der Südsudan wird zudem eine Ausgleichszahlung von etwa drei Milliarden Dollar an den Sudan wegen entgangener Einnahmen leisten.

Am Donnerstag war ein Ultimatum des UNO-Sicherheitsrats für die beiden Länder abgelaufen. Das Gremium hatte sie aufgefordert, bis zum 2. August ihre zahlreichen Probleme zu lösen. Mbeki kündigte in Addis Abeba ein Treffen zwischen den Präsidenten des Sudan und des Südsudan, Omar al-Bashir und Salva Kiir, im September an. Bereits am Rande des AU-Gipfels in Addis Abeba vor vier Wochen hatten beide vereinbart, möglichst bald die aktuellen Konflikte zu lösen. (APA, 5.8.2012)

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