"Das wird ein großartiges Rennen"

Am Samstag steigen die Vorläufe, am Sonntag um 22.50 Uhr wird das zentrale Ereignis der Spiele gegeben, der 100-m-Lauf der Herren. Usain Bolt will eine Legende werden. Yohan Blake will das verhindern - Österreicherin Dadic mit gutem erstem Tag im Siebenkampf, Vojta über 1500 m out

London - Ivona Dadic, Österreichs Beitrag zum Siebenkampf, wird ganz sicher keine Medaille gewinnen. Aber die Oberösterreicherin trat cool auf vor 80.000 Zuschauern im Olympiastadion, erzielte am Freitag in den ersten zwei Bewerben jeweils persönliche Bestzeit. 14,58 Sekunden über 100 m Hürden und 1,80 Meter im Hochsprung sind nicht gerade Weltklasse. Nach einem guten 200-m-Rennen beendete die Österreicherin den ersten Tag nach vier Disziplinen mit 3.503 Punkten an der 28. Stelle. Doch es gibt noch reichlich Luft nach oben. Dadic ist erst 18 Jahre alt. In Führung liegt nach dem ersten Tag die britische Topfavoritin Jessica Ennis mit 4.158 Punkten vor Austra Skujyte aus Litauen mit 3.974.

Über 1.500 Meter schied Andreas Vojta im Vorlauf ausgeschieden. Der Niederösterreicher war in einem taktischen Lauf chancenlos und kam mit der Zeit von 3:43,52 nicht über Platz zwölf hinaus. In der Endabrechnung belegte Vojta nur den 36. Platz unter 43 Teilnehmern.

Abgesehen davon freut sich Prinz Harry auf eine große Siegesparty. Und in Jamaika wird bereits einen Tag vor dem 50-jährigen Jubiläum der Unabhängigkeit der kollektive Ausnahmezustand ausgerufen: Usain Bolt kann sich am Sonntag in London mit einem zweiten Sieg über 100 Meter vier Jahre nach dem Triumph von Peking endgültig zum König der Sprinter krönen. Wenn nicht, wird die Karibikinsel vermutlich trotzdem Olympiagold feiern.

Giganten-Duell

Wer dem 26-jährigen Bolt im Kampf der vier schnellsten Sprinter der Geschichte die Krone streitig machen kann? Natürlich der 23-jährige Yohan Blake. Aus dem Lehrling ist selbst ein Meister geworden, der Weltmeistertitel 2011 und zwei Siege gegen Bolt bei den Trials in Kingston sprechen für sich. Das Aufeinandertreffen der jamaikanischen Supersprinter verspricht nicht weniger als das schnellste 100-m-Rennen überhaupt.

Neben Blake und Asafa Powell, dem dritten Jamaikaner im Bunde, wirft Tyson Gay für die USA den Fehdehandschuh im Kampf um die Krone auf die extrem schnelle Bahn des Olympiastadions. Bei optimalen Bedingungen wackelt sogar Bolts Fabelweltrekord (9,58). "Es geht nur um den Titel", sagen Dreifach-Olympiasieger Bolt und Blake unisono. Aber angesichts der starken Konkurrenz werden die Medaillen wohl erst ab Zeiten unter 9,80 Sekunden vergeben.

Gay, der dreifache Weltmeister von 2007, sieht Bolt dabei im Vorteil: "Er war da, wo wir noch nicht gewesen sind", sagt der 29-Jährige, dessen Bestzeit aus dem Jahr 2009 bei 9,69 steht. Zusammen mit dem nach seiner Dopingsperre in diesem Jahr auf 9,80 verbesserten Athen-Olympiasieger Justin Gatlin kämpft Gay gegen die jamaikanische Dominanz.

Während die Amerikaner wohl vor allem mit dem ehemaligen, bereits 30-jährigen Weltrekordhalter Powell (9,72) um Bronze ringen werden, richten sich alle Augen auf Bolt und Blake. Die Trainingspartner begegnen sich auf Augenhöhe, nachdem sich Blake ("Wir werden immer Freunde bleiben") bei den jamaikanischen Meisterschaften auf 9,75 gesteigert hat und damit auch die Jahresweltbestenliste vor Bolt (9,76) anführt. "Es wird ein großartiges Rennen", verspricht Blake.

Bolt hat aus dem Fehlstart-Fiasko der WM 2011 in Daegu und den Trials-Pleiten ("Ein Weckruf") gelernt und hält sich mit den sonst üblichen Mätzchen zurück. Zwar gibt er sich bei seltenen öffentlichen Auftritten gewohnt locker und selbstbewusst ("Ich bin immer bereit. Ich bin mental sehr stark"), doch hinter der Fassade steckt ein sensibler, junger Mann, der sein Lebenswerk gefährdet sieht.

"Eine Legende" will Bolt in London werden. Jetzt droht ihm ausgerechnet ein Freund und Landsmann einen Strich durch die Rechnung zu machen. Seit sein Stern 2007 endgültig aufging, hat Bolt nicht mehr eine derartige Achterbahnfahrt auf der Laufbahn erlebt. Teilweise gehandicapt durch Rückenprobleme leistete sich "Lightning Bolt" Aussetzer wie die 10,04 Ende Mai im tschechischen Ostrau. Die Konkurrenz und hier vor allem Blake witterten Morgenluft.

Auf der anderen Seite ist aber auch klar: Ruft ein gesunder Usain Bolt sein volles Potenzial ab, dann wird der Blitz wie vor vier Jahren in Peking auch in London einschlagen. Am Samstag setzen die Superstars in den Vorläufen zum ersten Mal ihre Füße auf die Bahn im Olympiastadion. (sid/red, 3.8.2012)

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