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vergrößern 800x533Dieses mit Seide bestickte Stück Baumwolle wurde im 19. Jahrhundert in Rybany (Westslowakei) gefertigt: Emilie Flöge liebte solche Textilien.
Wien - "Aufgepimpt" hat man schon lange bevor Aufmöbel-Plattformen wie Pimp-Your-Ikea erfunden wurden oder Fashion-Blogs vorführten, mit welchen Kniffen simple Basics zu einmaligen Hinguckern werden. Gewusst-wie galt auch für Emilie Flöge, enge Freundin Gustav Klimts, die ab 1904 in Mariahilf mit ihren Schwestern den Modesalon "Schwestern Flöge" betrieb: Auf einem Foto von 1913 sieht man Emilie in einem schlichten, hellen, zart-quergestreiften Künstlerkleid. Vorne ziert es ein senkrechter, schwarz-weißer Ornamentstreifen aus Plattstichstickerei wie er für die Westslowakei charakteristisch ist.
Volkskunst war zu jener Zeit "en vogue" und Flöge, die mehrmals im Jahr aus Paris und London die neuesten Stoffe und Trends mit nach Wien brachte, sammelte privat Textilien aus der Slowakei, Tschechien und Rumänien. Stoffmuster und Stickereien, die aus Hemden, Schürzen oder Hauben nachträglich ausgeschnitten wurden.
Anlässlich des Klimt-Jahres zeigt man nun im Museum für Volkskunde die Textilmustersammlung Emilie Flöge: Eine Kollektion kleinster Stoffproben, wie sie in Flöges Salon wohl als Anschauungsobjekte präsentiert wurden und deren Wert sogar heute noch eher ideeller Natur ist.
Um diesen zu schätzen, benötigt man Muße, sich dem Reiz der außerordentlichen Handarbeit zu widmen. Dann wird jedoch ersichtlich, welchen Einfluss auch diese florale und vegetabile Ornamentik auf den Jugendstil gehabt haben muss. Neben dem in Klimts Briefen erwähnten Interesse für japanische Kunst, könnte also auch die als "primitiv" und " urtümlich" bewertete Volkskunst aus Zentraleuropa, Einfluss auf seinen Ornamentstil gehabt haben.
Das Volkskundemuseum belässt es bei Andeutungen. Zur Veranschaulichung hätte man sich jedoch ein wenig Vergleichsmaterial gewünscht: Abbildungen von Kleidern des Salons, Textilentwürfe der Wiener Werkstätte oder Ornamentdetails aus Klimt-Werken wären eine Idee gewesen. (Anne Katrin Feßler, DER STANDARD, 4./5.8.2012)
Bis 2. 12., Österreichisches Museum für Volkskunde, 8. Laudongasse 15-19
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