Frauen in der Kinderzimmer-Falle

Kommentar der anderen3. August 2012, 19:02
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Mütter tragen nach wie vor die größten familiären Lasten - Eine Replik

Ein Ja zur gemeinsamen Obsorge und Kritik an Frauenquoten fordert Vertreterinnen der feministischen Idee heraus. Eine Antwort auf den Gastkommentar "Goldmarie und falsche Ideale" von Monika Ebeling, der für zahlreiche, im Inhalt ähnliche Zuschriften steht.

Dieser Beitrag von der Sozialpädagogin Monika Ebeling verfolgt offensichtlich das niedere Ziel, eine "Jahrhundertkeule" gegen "feministische Kriegshetzerinnen" zu schwingen. Was möchte uns Frau Ebeling eigentlich sagen? Wenn ich es richtig verstanden habe, möchte sie einem nach ihrem Verständnis "feministischen Hexenkessel" in der Obsorge-Debatte etwas entgegensetzen, ohne Argumente zu nennen. Ihre einzige Beweisführung gegen die von ihr angeprangerte "lila Faust" liefert ausgerechnet ein braungebrannter Pilot, der durch die Gegend jettet, während seine Frau mit dem Neugeborenen zu Hause sitzt. Bei seiner Rückkehr sind Frau und Kind fort - in ein Frauenhaus geflüchtet. War um wohl? Das erinnert fatal an die Äußerung von Straches F-Funktionärin, Frauenhäuser würden Familien zerstören.

Mit welchem Recht muss sich der Vater "bewähren und rechtfertigen", fragt Frau Ebeling. Hier noch einmal ein bissel Nachhilfe: Selbst wenn Männer eine Auszeit nach der Geburt ihres Kindes nehmen, dauert das für 71,9 Prozent maximal ein halbes Jahr. Nur 6,4 Prozent der Männer unterbrechen ihre Erwerbstätigkeit wegen des Kindes, und nur 31 Prozent der Frauen bekommen bei der Kinderbetreuung Unterstützung durch den Partner. Im Jahresschnitt 2010 erhielten 44.524 Kinder einen Unterhaltsvorschuss (Statistik Austria), das heißt, väterliche Drückeberger sind nicht nur beim Kinderbetreuen, sondern auch bei den Alimentationszahlungen für den Nachwuchs auszumachen.

Dieser Tatbestand, dass von konservativer und reaktionärer Seite den Frauen und Müttern all die unangenehmen, anstrengenden und berufshindernden Seiten der Kinderversorgung zugewiesen werden, während Väter z. B. braungebrannt durch die Gegend jetten können, hat zur Folge, dass Frauen im Berufsleben weniger Bodenhaftung haben. "Niemand wird eine motivierte, talentierte, toll ausgebildete Frau vor der Tür stehen lassen", wagt Frau Ebeling zu behaupten. Das kann, angesichts höherer weiblicher Bildungs- und Ausbildungsabschlüsse, wohl nur heißen: Frauen sind zu doof, um daraus Karrieren zu basteln. Oder vielleicht doch: Frauen werden strukturell und individuell daran gehindert, ihre Talente auch außerhalb des Kinderzimmers zu entfalten? Da könnten Frauenquoten schon mal etwas weiterbringen, die Hürden leichter zu nehmen.

Zur "gemeinsamen Obsorge": Der Vater, Frau Ebeling, muss sich ebenso wie die Mutter bewähren, und zwar zum Wohle des Kindes und nicht, um Rosenkriege zu führen. Ja, es gibt sie, die Väter, die sich um ihren Nachwuchs kümmern, die (nicht nur finanziell) für ihr Kind sorgen, die, karenziert oder nicht, die Windeln wechseln und nachts am Bett des kranken Kindes sitzen.

Aber ehrlich, diese Sorte Vater ist noch immer rar. Ihr Beitrag, Frau Ebeling, trägt leider nicht dazu bei, diese Zahl zu erhöhen. (Bärbel Danneber, DER STANDARD, 4.8.2012)

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