Hut ab vor den Helmträgern

Fritz Neumann aus London, 3. August 2012, 17:45

Der Zylinder könnte bald ausgedient haben. Auch im Dressurreiten geht der Trend, wie sich in London zeigt, Richtung Helmpflicht - so gewöhnungsbedürftig die Helm-Frack-Kombination sein mag. Das Umdenken wurde am 3. März 2010 ausgelöst. Durch einen Unfall

Nach den Aufwärmübungen auf dem Abreiteplatz nahm sie ihren Helm ab, dann setzte sie ihren Zylinder auf und ritt ins olympische Viereck. Als Victoria Max-Theurer zurückkam, freute sie sich über Rang 17 und die Qualifikation für den Grand Prix Special am Dienstag. Sie stieg von ihrem Pferd Augustin, nahm den Zylinder ab, setzte eine Kappe auf. Die Kappe trägt sie, wenn sie zu Fuß unterwegs ist. Früher hat sie auch mit Kappe trainiert. Früher, das war vor dem 3. März 2010.

Manchmal muss erst etwas passieren, damit etwas passiert. Am 3. März 2010 ist die US-amerikanische Dressurreiterin Courtney King-Dye beim Palm Beach Derby in Florida schwer zu Sturz gekommen. Der Unfall passierte nicht im Turnierviereck, sondern auf dem Abreiteplatz, King-Dyes Pferd rutschte aus, sie trug keinen Helm. Einen Monat lang lag sie im künstlichen Koma, und noch immer leidet sie an den Folgen der Schädelhirnverletzungen, die sie erlitten hat.

King-Dye war in ih rem Sport eine recht große Nummer gewesen, Mitglied der Olympia-Equipe 2008 in Peking. Vier Jahre später geht es in London um Medaillen, seit Donnerstag läuft die Dressur, und im Gegensatz zu Peking sieht man zumindest auf den Trainings- und Abreiteplätzen viele behelmte Reiterinnen und Reiter.

Bald könnte selbst der Zylinder, der in Prüfungen mit dem Frack zu kombinieren war (Ausnahme: Uniform), auf dem Nagel hängen. U-18-Reiter müssen bereits jetzt Helme tragen, U-6-Pferde dürfen nur von Helmträgern bewegt werden. Eine allgemeine Helmpflicht bei Events des Weltverbands (FEI) ab 2013 gilt als beschlossene Sache. Der US-Verband hat ähnliche Regeln 2011 eingeführt. Andere nationale Verbände sollen folgen, damit auch kleinere Turniere sicherer werden.

Ein Appell per Video

Reiten ist prinzipiell nicht der ungefährlichste Sport, es passiert mehr als im Tennis oder Rudern. Der Freizeitbereich ist hauptbetroffen, der Spitzensport bleibt nicht verschont. Courtney King-Dye hat einiges bewirkt, durch ihren Unfall und mit einem Video-Appell im Internet. Man sieht, wie ihr das Reden schwerfällt, wie sie sich konzentrieren muss. Sie wünscht sich, sagt sie, dass ihr Schicksal "auch einen positiven Effekt hat", nämlich jenen, dass vielen schweren Kopfverletzungen künftig durch Helmtragen vorgebeugt wird.

Es gibt nun einen jährlichen "Helmet Awareness Day", es gibt die Kampagne riders4helmets mit eigener Homepage. Immer mehr Reitstars sind sich ihrer Vorbildwirkung bewusst. Von Amerika ging die Bewegung aus, in Europa setzt sie sich fort. Max-Theurer sowie Charlotte Dujardin, Mitglied des britischen Olympiateams, und die Deutsche Isabell Werth, fünfmal Olympiasiegerin, aber für London nicht qualifiziert, sehen sich in der Vorreiterrolle. Werth sagt, sie habe "eine Verantwortung als Athletin in der Öffentlichkeit, als Mutter und gegenüber meinen Mitarbeitern".

Die FEI hat - manche meinen: spät - die Zeichen der Zeit erkannt. Hut ab vor den Helmträgern, so lautet quasi das Motto. Der Industrie kommt der Trend wie gerufen, Trends lassen die Kassen klingeln. Firmen wie Uvex und Cas co stellen modisch flotte und vor allem leichte Helme her, die aber sehr wohl den strengen Sicherheitsstandards entsprechen. Unglücklich sind allein die Zylinderhersteller, die mit einer Art Sicherheitszylinder kontern wollen.

Elisabeth Max-Theurer, die Olympiasiegerin 1980, die Verbandspräsidentin Österreichs und Victorias Mutter ist, begrüßt die allgemeine Tendenz. "Spitzenreiter müssen Vorbilder sein." Ihre Tochter sei im Training seit Jahren stets mit Helm unterwegs, schließlich sei selbst das trittsicherste Pferd nicht vor einem Stolperer gefeit. "Und die gefährlichsten Stürze sind schließlich solche, bei denen das Pferd mitfällt."

Auf Bikes und Brettern

In den meisten Vereinen herrscht ohnedies Helmpflicht. Ob jemand privat baren Hauptes mit seinem Pferd ins Viereck, auf den Springplatz oder ins Gemüse geht, also ausreitet, lässt sich kaum überprüfen. Das ist der große Unterschied zum Motorradfahren, das in Österreich seit 1979 nur mit Helm erlaubt ist. Sonstige Helmpflichten betreffen vor allem Kinder, siehe Fahrradfahren (bis 12 Jahre) oder Skipiste (bis 15 Jahre). Wer weiß, vielleicht setzt sich bald auch der legendäre ORF-Helmi ("Augen auf, Ohren auf, Helmi ist da") fürs Helmtragen beim Reiten ein.

Was Dressurprüfungen angeht, ist sich Verbandspräsidentin Max-Theurer nicht sicher, da sehe der Helm zum Frack "doch einigermaßen ungewohnt aus". Speziell bei älteren Reitern sei viel Überzeugungsarbeit nötig. "Mein Mann und ich, wir reiten noch immer ohne Helm", gesteht Max-Theurer. Immerhin weiß sie: "Es ist unvernünftig." Und zwar nicht erst seit dem 3. März 2010. (Fritz Neumann aus London, DER STANDARD, 4.8.2012)

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In der Dressur (ab Klasse L/M) ist es üblich mit Zylinder zu reiten. Ein Helm würde da lächerlich aussehen.
Soll jeder machen wie er es für richtig hält.

....Weshalb ein Zylinder im Sport weniger lächerlich aussieht als ein Helm müssens mir auch erst erklären.

Wenn ich mitm Zylinder schwimmen gehe - schaut das dann auch besser aus?

Ich bin für Zylinder und Frack für den Reiter.
Und fürs Pferd einen Helm.

ich find ja klass, dass sie jetzt beim fechten masken mit klarvisier haben...

Wegen mir könnens den ganzen "Sport" mitabschaffen. Es ist eine Sache sich selbst für Gold zu quälen, eine andere ein Pferd für Gold zu quälen.

Sie haben keine Ahnung vom Reitsport. Ich kenne kein "Freizeitpferd" was so verhätschelt und medizinisch gut betreut wird wie Sportpferde.
Schwarze Schafe gibts leider überall.

Ach bitte, was braucht ein Freizeitpferd auch eine Tip-Top medizinische Betreuung wie ein hochbelastetes Sportpferd?
Und ich gebe dem Originalposter schon recht, die Pferde werden im Sport sehr oft gequält, manchmal aus Unwissenheit, oft aus Profitgier. Ein Pferd ist ein Tier und hat Bedürfnisse - aber Leistungssport kann darauf keine Rücksicht genommen werden - es muss funktionieren. Und wenn Sie Ahnung vom Reitsport haben, dann wissen Sie das sicher. Stichworte: zu frühes Anreiten, Rollkur, Capsaicinpasten, nicht artgerechte Haltung, zu scharfe Gebisse und nicht sachgerechte Anwendung derselben, dasselbe bei Sporen, Hochbinden der Köpfe von Westernpferden, etc etc.

Das stimmt alles, leider wird viel Schindluder getrieben. Es gibt aber auch Alternativen und extreme rollkur finde ich auch schlimm-Stichwort Totillas-so schoen er auch ist, er tut mir leid. Ich reite nicht im spitzenfeld mit, sonst wäre ich jetzt in London ;-), bin aber in klasse S, Inter 1 unterwegs. Idioten gibts leider überall, auch auf nationalen Turnieren. Wir reiten aber eher nach klassischer Reitweise, mein Trainer ist OB in der spanischen gewesen-die haben da einen anderen, besseren Zugang. Es gibt aber eben auch freizeitpferde die von Ahnungslosen Reitern durchs Gelände gehetzt werden und reiter die Glauben offenstall wäre das einzig wahre.Wie ueberall gilt wohl auch hier: der Goldene Mittelweg ist der beste.

Stimme Ihnen zu und bin auch Anhängerin der Légèreté classique. Soso, ein OB der Spanischen - sagen die dort immer noch, dass Frauen nicht reiten können, weil sie nicht das richtige Becken dafür haben? :D
Tja, auch Freizeitpferde müssen viel erdulden, da haben Sie Recht.

Ja, manche sagen das noch-aber nur hinter vorgehaltener Hand, denn es ist nicht politisch korrekt ;-)

Na, dann hat sich ja doch ein bisserl was geändert. Und die paar Dinosaurier sterben auch noch aus ;)

dem Rotstrichler möchte ich diese ZDF Doku empfehlen: http://tinyurl.com/chvhjvz

.....sprach er un biss in sein schweinsschnitzel

zum gefuehlten 100000000000 mal...:
ein unrecht hebt kein anderes auf

ich wieg gar nix auf, ich sag nur das es scheinheilig ist wenn ihm das arme arme pferd so leid tut aber er kein problem damit hat, für seinen eigenen genuss, den Tod von Schwein und co in kauf zu nehmen....

Ich bin tatsächlich Fleischesser, ich kaufe mein Schwein im ganzen bei einem kleinen Nebenerwerbsbiobauern und lerne es noch zu Lebzeiten kennen, und sie so?

ich ess auch Fleisch, am liebsten Steak, ich ess aber keine Jungtiere.... das schwein zu kennen ist ja wohl ne faule ausrede.... wennst es selbst schlachten würdest, das wäre ehrlich....

und lerne es noch zu Lebzeiten kennen..

Dann würde es bei mir an Altersschwäche sterben.

jammerschade!

die ultracoolen zylinder waren das einzige, was mich motiviert hat, die langweiligen dressurreiter am bildschirm zu verfolgen.

(künftig werd' ich stattdessen eben spazierengehen - mit zylinder auf der birne)

DAS möcht ich mir dann ansehen. Spazieren Sie mit Kamerateam!

wenn man reiten kann und ein minimum an körperbeherrschung hat kann man auf einen helm getrost verzichten...

bei manchen sportlern soll´s zwischen den ohren

nichts zu schützen geben.
ich bin für die freie wahl der anlauflänge beim schispringen und für ein helmverbot.
</sarkasmus>

können nicht endlich solche idiotischen Sadistensportarten wie Reiten von den olympischen Spielen ausgeschlossen werden?
Es ist vollkommen uninteressant wer seinen Gaul mit Drogen und Qualen am besten zugerichtet hat.

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