Nachrichten in aller Kürze
Alles zur Community
Nachrichten, die zu Ihnen kommen: Newsletter, Feeds und SMS
Alles zu unseren mobilen Angeboten: Apps, Mobilversion und SMS
Unsere Radio- und TV-Angebote
Die Zeitung im Internet: Abo, E-Paper, Anzeigen und mehr
Alles über die Redaktion von derStandard.at
Alles über Onlinewerbung, Stellenanzeigen und Immobilieninserate

Reagieren statt explodieren: Therapeutin Helga Kernstock-Redl hat die Gefühle im Griff.
STANDARD: Wann haben Sie sich zuletzt geärgert?
Kernstock-Redl: (lacht) Jetzt gerade über diese Frage. Aber im Ernst: Ärger ist mir total wichtig. Er zeigt mir meistens an, dass hier jemand eine meiner Grenzen überschreitet. Oder er zeigt mir ein Hindernis auf dem Weg zu einem wichtigen Ziel. Der biologische Sinn von Ärger ist es, uns mit Kraft zu versorgen: um unsere Grenzen zu schützen oder Ziele zu erreichen.
STANDARD: Selbst Sie als Emotionsexpertin sind also offensichtlich nicht davor gefeit, manchmal so richtig auszuzucken?
Kernstock-Redl: Ich selbst bin hier ganz und gar nicht perfekt, aber zwischen "leichtem Ärger" und "Auszucken" gibt es einige Zwischenstufen. Ich finde Auszucker extrem anstrengend, für mich - schon rein körperlich - und für die anderen. Echtes "Rotsehen" ist außerdem nicht mehr kontrollierbar und hat oft verheerende Folgen. Deshalb arbeite ich daran, so eine "Explosion" möglichst nicht zu haben, weil ich frühzeitig reagiere. Ich bemühe mich, unnötigen Ärger, etwa beim Autofahren, zu vermeiden.
STANDARD: Ihr Arbeitsschwerpunkt ist die "Emotionsregulation" - wie funktioniert das?
Kernstock-Redl: Gefühlsmanagement funktioniert in vier Phasen. Am Beginn steht das Erkennen - möglichst rechtzeitig und möglichst das echte oder primäre Gefühl hinter dem gezeigten. Dann das Verstehen: Was will es mir sagen, woher kommt es, was ist sein Ziel? Es folgt das Akzeptieren und Würdigen: eine Atempause machen. Einen Punkt. Zuletzt das Verändern, Regulieren oder Nutzen. Es gibt immer mindestens zwei sinnvolle Reaktionen. Ein Auszucken nicht mitgerechnet.
STANDARD: Welche Leute kommen zu Ihnen - typische Choleriker? Oder auch Menschen, denen man ihre innere Wut nicht anmerkt?
Kernstock-Redl: Wer immer erkannt hat, dass er so nicht weitermachen kann oder will. Cholerisches Verhalten kann Beziehungen zerstören. Manche glauben, "Ich bin halt so" und das könne man nicht ändern. Aber das ist weder wahr noch eine Entschuldigung. Nur sehr primitive Tiere sind ihren Gefühlen ganz ausgeliefert. Wir Menschen kommen zwar mit nur wenigen Emotionsregulationsmethoden auf die Welt. Aber wir können beständig unser Repertoire erweitern. Manche glauben, es gebe nur "Explodieren" oder "Runterfressen". Aber nicht reagieren, nichts anmerken lassen ist ziemlich ungesund. Ärgerhormone machen den Körper schließlich kampfbereit.
STANDARD: Wie reagiert man jetzt richtig auf ein Ärgernis?
Kernstock-Redl: Die bekannten Tipps "tief durchatmen" und "bis zehn zählen" können den Ärger so weit reduzieren, dass der Verstand online bleibt, dass also sinnvolle Aktionen möglich sind. Aber solche Folgeaktionen müssen eben dann schon noch sein. Mit Durchatmen ist das Problem selber ja noch nicht gelöst. Es gilt: Sobald ein Ärger als sinnvoll und notwendig bewertet wird, gibt es jede Menge Handlungsalternativen. Das rechtzeitige Darüber-Reden mit den richtigen Worten ("Ich bin, ehrlich gesagt, etwas sauer"), Angebote zur Problemlösung, klare Zeichen der Verteidigung. In jedem Einzelfall gibt es mehrere Möglichkeiten, wovon jene umgesetzt werden kann, die aktuell am besten passt.
STANDARD: Vom "Häferl" zum Lamm - funktioniert so eine Umkehr der Persönlichkeit?
Kernstock-Redl: Ich denke, es gibt Menschen, die empfinden grundsätzlich intensiver als andere. Es gibt auch eine Entwicklung im Alter: Kleinkinder oder Jugendliche sind regelrecht emotionsgebeutelt, mit zunehmendem Alter nimmt es ein wenig ab, und es steigt - hoffentlich - die Kompetenz, damit umzugehen.
STANDARD: Kann also auch der friedlichste Mensch in eine Situation kommen, wo er so richtig narrisch wird?
Kernstock-Redl: Ich behaupte sogar, fast jeder Mensch fühlt sich manchmal so extrem zornig, dass er vielleicht sogar töten könnte. Doch glücklicherweise tun wir das nicht, denn wir haben genug emotionale Kompetenz, uns zu bremsen und andere Lösungen zu finden. Ärger selber ist ja nicht gut oder böse, sondern stellt nur Energie zur Verfügung, wo wir uns gut oder böse verhalten können. Wohldosierter Ärger kann jahrelang Kraft geben, wichtige Dinge zu erreichen. (Markus Rohrhofer, DER STANDARD, 4./5.8.2012)
Helga Kernstock-Redl (48) arbeitet in Wien als systemische Trainerin, Psychotherapeutin und Arbeitspsychologin. Zuletzt ist im Signum-Verlag ihr Buch "Zoff, Zank & Zores" erschienen.
Gleichstellung und Öffnung der Ehe für Lesben und Schwule können nicht über die weiter massiven Vorurteile gegen Homosexuelle hinwegtäuschen – wie eine EU-weite Umfrage zeigt
Als Milica Petrovic 1990 von Serbien nach Österreich ging, mussten sie und ihr Mann einen Koffer auf Kredit kaufen. Heute fühlt sich Milica als Wienerin. Die Geschichte einer Heimatsuche.
Weltweit friedliche Versammlungen, nur in Georgien kam es zu Zusammenstößen
Die Bruji haben mit ihrem Gedröhne einst den burgenlandkroatischen Kammerton A verändert. Die Burgenlandroma leisten als jüngste Volksgruppe Aufbauarbeit an ihrer beinahe vernichteten Kultur
Nach einem Termin mit Stadtrat Christian Oxonitsch wehrt sich Norbert Ceipek, Leiter der Wiener Jugendwohlfahrtsstelle "Drehscheibe", gegen Rassismusvorwürfe durch Gewerkschafter. Er vermutet interne Feindschaften
Überwacht werden neben den Hauptverkehrs- und Transitrouten auch unfallträchtige Strecken und beliebte Ausflugsstrecken - Keine Staus befürchtet
500 Kilometer südwestlich von Buenos Aires versank 1985 ein Kurort im Salzsee - 2009 wurde er wieder freigegeben
ÖBB gibt Polizei Zugriff auf Server, Wiener Linien geben jährlich 2000 Kopien weiter
Kameras in 21 Bussen und 15 Variobahnen aktiv - Daten werden bis zu 120 Stunden gespeichert
LH Peter Kaiser verspricht: Missstände im Asylheim Felsenkeller werden abgestellt
Unterhalt 21 Millionen teures Boot sei mit Sparzwängen des Lands nicht zu vereinbaren
Zehn Fakten, die Sie über Dänemarks Hauptstadt noch nicht wussten
Er habe damals nicht verstanden, dass es sexueller Missbrauch war
Wie können Jugendliche die Spirale aus Wut und Aggression verlassen? Im Neurologischen Zentrum am Rosenhügel versucht man die jungen Patienten mit einem Antiaggressionstraining dabei zu unterstützen
Auf der Website "Yes we do" werden Projekte vorgestellt, die nachhaltig wirken
Ein Gespräch über den Alltag der Menschen, die noch immer Weltkriegsbomben entschärfen
Kriminalamt weist Stögers Vorwürfe zu neuen Stoffen zurück - Minister legt nach
Im Juni soll das Europaparlament das Asyl-Paket beschließen. Asyl-Experte Michael Diedring über die Vor- und Nachteile der anstehenden Novellen
Die Caritas ist auf der Suche nach einer neuen Unterkunft
"Der Sündenfall unserer Spezies liegt in der Abkehr von der Tradition der Verehrung des Weiblichen": Naomi Wolf, US-Star-Publizistin, ruft in ihrem jüngsten Buch zu einer neuen sexuellen Revolution auf
Öffentlicher Verkehr in der Verkehrsregion Ost hatte 2012 um knapp vier Prozent mehr Fahrgäste
Technikfolgenabschätzer Johann Čas über Missbrauch, Tendenzen und Folgen der anwachsenden Videoüberwachung
Verfassungsjurist bestätigt Zulässigkeit der Novelle - Eigene Hinweisschilder für überwachte Strecken geplant
In Wien wurde für die gesellschaftliche, ökologische und medizinische Anerkennung von Cannabis demonstriert
aber beim Großteil der Österreicher halte ich das für kontraindiziert, denn zu gut lernt man in diesem Land seinen Ärger (zB auf Institutionen und Obrigkeiten) zu unterdrücken. Explodieren ist nämlich nicht grundsätzlich etwas Negatives. Mitunter wird einem ein Ärger erst in seiner Dringlichkeit bewusst, nachdem man explodiert ist. Sinnlos ist nur das chronische immer wieder über dasselbe Auszucken.
mit was man alles geld machen kann.
da könnte sich die schüssel-bande mal ein beispiel nehmen: man muss nicht unbedingt stehlen, wenn man zu geld kommen will. und in diesem fall ist es nicht einmal betrug, denn die emo-tante glaubt an das, was sie erzählt.
und ob der "verstand online ist" oder nicht, wen interessiert das denn, hauptsache: die offene hand ist online.
gruß
Ich habe vor Jahren einen Schlaganfall durchlebt
der den Gehirnteil, welcher für Kontrolle und Regelung von Emotionen wesentlich ist, beschädigt hat (Logik unbeeinträchtigt, aber jedes positive/negative Erlebniss war von der Intensität her eine kaum managebare Grenzerfahrung).
Nicht jeder kann mit jedem Therapeuten, aber mir hat Frau Kernstock-Redl in diesen schwierigen Zeiten essentiell weitergeholfen (und sie arbeitet auch nicht "nur" mit Emotionen, auch wenn sich das in dem kurzen Artikel so darstellt).
warum es einige beinahe aggressiv-beleidigende negativ-postings hier gibt - mein all-time-favorite ist der Hinweis auf die "Hände"(?!) der Dame!
Zitat: "Queen of Sheba
Die Hände zeigen, dass diese Dame selbst dringendst Therapie braucht."
musste, statt mich zu ärgern mal echt laut lachen...ja, manche borderliner scheinen auch hier ihren statistischen Platz einzunehmen...
zur sachlichen Kritik:
alle angeführten Schritte sind sinnvoll und wirklich hilfreich bzw. therapeutisch zu unterschreiben!
@ astemp79:
sie verwechseln hier glaube ich un-sachlichen, diffusen "Groll" oder latente Gereiztheit (wie zB. im Straßenverkehr täglich zu erfahren) mit echtem, akutem, situativem Ärger - wie unten das Baustellen-Beispiel perfekt verdeutlicht.
...lassen Sie es einfach zu, dass manche mehr mit Händen (und Füßen) reden um den Inhalten der Worte mehr Bedeutung und Emotion mitzugeben.
Manchmal ist halt die Botschaft zu schwach um für sich selbst zu stehen.
Beobachten Sie doch mal im Alltag, wie manche ebenso zu reden beginnen, wenn Emotionen mit iom Spiel sind.
Autofahrer in Situationen der Überforderung sind da z.B. ein gutes Beispiel. Was man da so manchmal zu sehen bekommt ist eine Show.
es sind nicht primär die Hände, es sind die im Gesicht geoffenbarten Realitäten, die Mundpartie mit abwärts gezogenem Mundwinkel verrät, dass da im Leben nur wenig mit Optimusmus und Freude gelebt wurde und wird, anders ein mehr zuversichtliches freudestrahlendes Carisma abzulesen wäre, auch die Gestik wäre dann anders ausgeprägt.
Die Kommentare von Usern und Userinnen geben nicht notwendigerweise die Meinung der Redaktion wieder. Die Redaktion behält sich vor, Kommentare, welche straf- oder zivilrechtliche Normen verletzen, den guten Sitten widersprechen oder sonst dem Ansehen des Mediums zuwiderlaufen (siehe ausführliche Forenregeln), zu entfernen. Der/Die Benutzer/in kann diesfalls keine Ansprüche stellen. Weiters behält sich die derStandard.at GmbH vor, Schadenersatzansprüche geltend zu machen und strafrechtlich relevante Tatbestände zur Anzeige zu bringen.