Bank Austria mit solidem Gewinn

3. August 2012, 17:11
  • Bank-Austria-Chef Wilibald Cernko
    foto: apa/pfarrhofer

    Bank-Austria-Chef Wilibald Cernko

Die UniCredit-Tochter hat im ersten Halbjahr 2012 unterm Strich 646 Millionen Euro verdient. Für BA-Chef Cernko ist "das Glas deutlich halbvoll"

Wien - Die UniCredit-Tochter Bank Austria hat im ersten Halbjahr 2012 unterm Strich 646 Mio. Euro verdient, um 1,2 Prozent mehr als in der ersten Jahreshälfte 2011. Dazu trug ein Sondergewinn aus dem Rückkauf von Hybridanleihen bei, der im ersten Quartal 124 Mio. Euro brachte. Zugleich musste nicht mehr so viel für Kreditrisiken zur Seite gelegt werden.

"Das Glas ist deutlich halbvoll", kommentierte Bank-Austria-Chef Willibald Cernko das Ergebnis. Das Betriebsergebnis nach Abzug des Kreditrisiko-Aufwandes erhöhte sich gegenüber dem Vorjahreszeitraum um 11,1 Prozent auf 997 Mio. Euro, wobei sich der Kreditrisikoaufwand um 18,6 Prozent auf 568 Mio. Euro vermindert hat - ganz im Gegensatz zum Mutterkonzern UniCredit.

Risikokosten sinken

In Österreich haben sich die Kreditrisikokosten auf 88 Mio. Euro (von 182 Mio.) mehr als halbiert, in Mittel-Osteuropa sind sie um 6,7 Prozent zurückgegangen. Gemessen an den durchschnittlichen Kundenforderungen gingen die Risikokosten im Vergleich zum Vorjahr von 108 auf 85 Basispunkte zurück, erklärte Finanzvorstand Francesco Giordano.

Ein Dorn im Auge sind Cernko die Bankensteuern, die das Ergebnis im ersten Halbjahr mit 58,7 Mio. Euro belastet haben. "Das macht drei Prozent der Gesamtaufwendungen aus", sagte der Bank-Austria-Chef am Freitag bei der Präsentation der Halbjahreszahlen. "Wenn ich das abziehe, dann haben wir eine eher rückläufige Kostenentwicklung."

Der Großteil dieser Abgabenbelastung - 48,3 Mio. Euro - stammt aus Österreich, 4,8 Mio. Euro schöpfte die Slowakei ab, 0,5 Mio. Euro Rumänien und 0,4 Mio. Euro fielen in Slowenien an. In Ungarn belief sich die Bankensteuer auf 14 Mio. Euro, denen allerdings ein positiver Einmaleffekt auf Grund der teilweisen Anrechenbarkeit der Verluste aus dem vorzeitigen Rückzahlungsprogramm für Fremdwährungskredite in Höhe von 9,3 Mio. Euro gegenübersteht.

Keine Zwangskonvertierungen

Auf Schweizer-Franken-Kredite lege man seit Jahren ein Hauptaugenmerk, sagte Cernko. Die Qualität dieses Kreditportfolios in Österreich sei sehr gut und die Rate an Non-performing-loans (NPL) sogar geringer als bei Eurokrediten. Man sehe bei den Kunden nach wie vor keine Bereitschaft, in den Euro zu wechseln und "wir halten uns auch strikt daran, dass wir keine Zwangskonvertierungen vornehmen". Dennoch nehme dieses Kreditportfolio geringfügig ab.

Insgesamt stieg das Kreditvolumen im ersten Halbjahr im Vergleich zur ersten Jahreshälfte 2011 um 3,3 Prozent auf 136 Mrd. Euro. Die Kundeneinlagen legte um 9,4 Prozent auf 107,4 Mrd. Euro zu. Das Kreditwachstum sei vor allem in Osteuropa erzielt worden, während das Kreditgeschäft in Österreich mehr oder weniger stabil gewesen sei, sagte Giordano. Einen besonders großen Wachstumsbeitrag hätten die Türkei und Russland geliefert. Der Nettozinsertrag lag mit 2,249 Mrd. Euro nur geringfügig über dem Vorjahreswert.

Der Provisionsüberschuss fiel mit 786 Mio. Euro um 4 Prozent niedriger aus als im Vergleichszeitraum. Das Handelsergebnis nahm hingegen um fast ein Drittel auf 357 Mio. Euro zu, dazu trug vor allem der Rückkauf von Hybridinstrumenten im ersten Quartal bei. Das Finanzanlageergebnis fiel mit -63 Mio. Euro schlechter aus als im Vorjahr (-29 Mio. Euro). Das Ergebnis vor Steuern war mit 864 Mio. Euro um 3,4 Prozent über dem Vorjahreswert.

Über regulatorischen Anforderungen

Bei den Kapitalkennzahlen übertreffe man ohne weitere Kapitalmaßnahmen deutlich die regulatorischen Anforderungen, betonte Cernko. Unter Einrechnung des IFRS-Halbjahresgewinns ergebe sich eine Pro-forma Core Tier 1 Ratio von 10,45 Prozent nach EBA-Kriterien. Die EBA (EU-Bankenaufsicht) verlangt ab Juni 2012 für Großbanken eine Quote von 9 Prozent, die Basel-III-Untergrenze liegt bei 7 Prozent. Dass die Tier-1-Quote zuletzt leicht rückläufig war, liegt laut Cernko u.a. am gestiegenen Kreditvolumen, aber auch daran, dass der unterjährige Gewinn aufsichtsrechtlich nicht einbezogen werde.

Cernko setzt auch künftig auf das Osteuropa-Geschäft. "Das ist der Markt, in dem wir zu Hause sind, dieser Markt bietet Perspektiven." Besonders gute Chancen sehe er in der Türkei und in Russland, "aber wir haben auch gelernt, dass selbst Märkte wie Ungarn beherrschbar sind".

Die Diskussion über ein "Trennbankensystem" - also die Trennung von Geschäfts- und Investmentbanken - "führt in die falsche Richtung", ist Cernko überzeugt. Auslöser der Krise seien Banken gewesen, die alles auf eine Karte gesetzt hätten, "ob es die Kommunalkredit ist, oder Lehman oder auch eine Bankia, die letztlich alles auf eine Karte gesetzt hat, nämlich das Immobiliengeschäft". Das Universalbankensystem sei ein durchaus attraktives und zeitgemäßes, dass es aber "auch Komponenten wie Investmentbanking beinhalten muss, ist für mich auch ein Faktum". Cernko erwartet heuer in Österreich Unternehmensanleihen im Ausmaß von ca. 7 Mrd. Euro, 4,2 Mrd. seien es bis jetzt. "Das ist auch Investmentbanking", so Cernko. (APA, 3.8.2012)

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11 Postings

mal sehen, wie voll das Glas ist, würden wir morgen alles Geld abheben.

Auf kosten der Sparer die davon nichts haben

Her mit der Marie ....

.

Schön für die BA, aber langfristig wird ein ROE (return on equity) von <<1 % die Bank auch nicht vor der Filettierung retten.

"...646 Millionen Euro verdient"

Die kleinen Sparer werden sicherlich anhand der Zinsen-Info auf ihrem Auszug wissen, woher die kommen....... :-(

ob ein glas halbleer oder mehr oder weniger deutlich halbvoll ist

ist eigentlich ziemlich schnuppe, mein' halt ich.

(hauptsach' es ist nicht leer. in diesem sinne: prost!)

was ich selber nicht einsehen kann

glaub ich nicht mehr, weder einer bank noch vielen bürgern in österreich oder auf der welt!

40 prozent von unternehmern wissen nicht was gewinn und umsatz bedeutet - die bank austria dürfte einer davon sein von vielen!

40 Prozent ist Ihre persönliche Fantasiezahl. Ich schließe natürlich nicht aus, das viele Unternehmer (besonders am Anfang ihres Business) damit überfordert sind.
PS: Eine Bank macht keinen Umsatz. Bilanzsumme trifft es da schon eher.

Ernsthafte Frage ...

... kann man der BA mehr als den anderen in AT trauen?

Grün für ja, Rot für nein bitte - Danke!

welch eine Überraschung!

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