Grab eines Maya-Prinzen in Uxul entdeckt

  • Das reliefverzierte Keramikgefäß dürfte als Kakaobecher gedient haben.
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    foto: archäologisches projekt uxul/universität bonn

    Das reliefverzierte Keramikgefäß dürfte als Kakaobecher gedient haben.

  • Die Grabkammer unter dem Königspalast
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    foto: archäologisches projekt uxul/universität bonn

    Die Grabkammer unter dem Königspalast

Deutsche Archäologen finden Grab mit reichhaltigen Keramikbeigaben in hervorragendem Erhaltungszustand

Bonner Archäologen haben bei Ausgrabungen in einem Maya-Palast in Mexiko ein reichhaltig ausgestattetes Prinzengrab entdeckt. Das Grab in einem Gebäude des königlichen Palastkomplexes der Maya-Stadt Uxul in Campeche wurde Anfang des 8. Jahrhunderts angelegt und enthielt neben den sterblichen Überresten eines Jünglings zahlreiche hochwertige Grabbeigaben. Das gaben die Archäologen der Abteilung für Altamerikanistik der Universität Bonn vor wenigen Tagen bekannt.

Wie berichtet waren vor einem Jahr bei Grabungen im größten der Palastgebäude von Uxul, der "Struktur K2", sechs Relieftafeln gefunden worden, von denen vier Könige der Herrscherdynastie von Calakmul, dem übergeordneten Zentrum, beim Ballspiel zeigten. Die Wissenschaftler vermuten, dass Uxul, ein ursprünglich unabhängiges kleineres Königtum, zeitweise von Machthabern der in Calakmul herrschenden Kaan-Dynastie bewohnt und regiert wurde.

Grab mit reichhaltigen Beigaben

"Im Rahmen der Ausgrabungskampagne 2012 wurde etwa 1,5 Meter unterhalb der südlichen Räumlichkeiten des Gebäudes K2 ein Grab freigelegt, das in die Zeit unmittelbar nach Ende des Einflusses von Calakmul datiert werden kann und in dem wahrscheinlich ein Prinz bestattet wurde, wie Inschriften auf verschiedenen in der Grabkammer gefundenen Gefäßen andeuten", erläuterte Kai Delvendahl. Die Wände der Gruft bestehen aus Mauerstein und wurden mit einem, für die Maya-Kultur typischen, Kraggewölbe abgedeckt.

Im Inneren dieser rund 1.300 Jahre alten Grabkammer wurden die Überreste eines jungen Mannes entdeckt, der auf dem Rücken liegend, mit über dem Bauch verschränkten Armen bestattet worden war. Umgeben waren die Überreste von reichhaltigen Grabbeigaben in Form von vier Keramiktellern und fünf Keramikbechern in hervorragendem Erhaltungszustand, die teilweise mit spektakulären Malereien und Reliefs verziert waren. Ein einzigartiger Teller mit Bemalungen im "Codex-Stil" lag auf dem Schädel des Verstorbenen.

Becher mit Widmung

Die hochwertigen Grabbeigaben deuten auf den Rang des Toten: "Auf einem der Becher steht mit elegant modellierten Hieroglyphen ganz einfach nur '[Dies ist] das Trinkgefäß vom Jüngling/Prinzen'. Auch ein zweites modelliertes Gefäß scheint einen 'Jüngling/Prinzen' zu erwähnen", so Nikolai Grube. Zwar seien diese Erwähnungen kein endgültiger Hinweis auf die Identität des Toten, die Lage des Grabes und auch das Fehlen bestimmter rangspezifischer Grabbeigaben wie z.B. Jadeschmuck, ließen aber darauf schließen, dass es sich bei dem Toten um einen jung verstorbenen Königssohn handle, der nicht in direkter Thronfolge stand.

Anhand eines Datums auf einem der Becher, das dem Jahr 711 entspricht, könne der Tod des jungen Prinzen und die Anlage seines Grabes auf die ersten Jahrzehnte des 8. Jahrhunderts datiert werden - einer Zeit, in der der Calakmul-Einfluss verebbt sein und wieder eine lokale Herrscherfamilie an der Macht gewesen sein dürfte. (red, derStandard.at, 3.8.2012)

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