Trend: Android-Smartphones direkt aus China importieren

13. August 2012, 18:04
  • iPhone-Imitat mit Android: All zu ähnlich sehende Klone können ein teures Nachspiel haben.
    foto: taobao

    iPhone-Imitat mit Android: All zu ähnlich sehende Klone können ein teures Nachspiel haben.

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Auf dem Weg zum Schnäppchen sind allerdings einige Hürden zu nehmen

Sie heißen Jiayu, Zopo, Apanda oder Ainovo. Ihre Smartphones  tragen teils skurrile Namen und die verbauten Chips kommen von Firmen wie Mediatek, Rockchip oder Boxchip, die im Westen kaum bekannt sind. Und sie bieten Gadgets der Einsteiger- bis Mitteklasse zu Preisen unterhalb der 200-Dollar-Grenze. Der Weg zu ihrem Besitz ist mit Vorsicht zu beschreiten, kann sich aber durchaus lohnen.

Pro und Kontra

Welche Vorteile bietet eigentlich so ein Chinaphone? Beim Gedanken an Elektronik aus Fernost schweift man im Gedächtnis schnell durch Reihen billiger und wenig widerstandsfähiger Spielwaren und inferior-lieblose Nachbauten von im Westen beliebten Geräten. Ein Bild, das schon länger nicht mehr der Wahrheit entspricht.

Schlechte Klone existieren freilich immer noch, beschränken sich aber weitgehend auf herkömmliche Telefone. Daneben gibt es auch durchaus leistungsfähige Imitationen verschiedener Smartphones und - noch wichtiger - potente Eigenprodukte aus dem Land des Lächelns. Sie laufen mit Android und bieten gute Verarbeitung und leistungsfähige Komponenten zu einem schier unschlagbaren Preis. Darüber hinaus gibt es aktuell sogar zwei Vertreter - das Xiaomi M1 und das Meizu MX - die in Sachen Performance international im Spitzenfeld mitspielen, sich aber auch preislich deutlich vom Rest der Meute abheben.

Auch die Nachteile sollen nicht verschwiegen werden. Wer sich auf ein Tablet oder Telefon aus China einlässt, sollte sich tunlichst mit den Geräten auskennen. Denn der Support von Händler und Hersteller hält sich üblicherweise in engen Grenzen. Dazu besteht hinsichtlich der Arbeitsbedingungen in jenen Fabriken, in welchen die Gadgets hergestellt werden, noch weniger Kontrolle als es bei Markenzulieferern wie Foxconn ohnehin schon der Fall ist.

Hilfreiche Communities

Wer sich dazu entschließt, es trotzdem zu wagen, der sollte sein Vorhaben mit Recherche beginnen. Die Suche nach dem passenden Gerät gestaltet sich in der schier unendlichen Vielfalt mitunter schwierig. Anlaufstellen bieten hier deutschsprachige Communities wie chinamobiles.org oder china-phones.de, wo sich Kenner, Interessenten als auch Early Adopter treffen und austauschen. Dort erhält man nach dem Kauf auch oft Hilfe bei Problemen mit dem Device oder Software-Modifikationen.

Von Vorteil ist die Kenntnis der russischen Sprache. In Foren wie 4pda.ru oder china-iphone.ru tummeln sich ebenfalls Leute, die teilweise direkten Draht nach China haben. Insbesondere bei technischen Erklärungen helfen Google Translate und Co nicht immer ausreichend weiter.

Von weißen und schwarzen Schafen

Ist das Objekt der Begierde identifiziert, gilt es einen vertrauenswürdigen Händler zu finden. Mittlerweile haben sich Chinavasion, Merimobiles, FastCardTech, SpeMall sowie der CECT-Shop einen guten Namen gemacht. Englischkenntnisse sind von Vorteil, da nur letztgenannter Store auch eine deutsche Webseite und Betreuung bietet.

In der Regel wird Gratisversand angeboten, der allerdings 2 bis 4 Wochen, manchmal auch länger, in Anspruch nehmen kann. Wenn es schneller gehen soll, fallen Zusatzkosten für DHL und Co. an. Dafür ist das Gerät dann auch binnen weniger Tage am Ziel.

Natürlich gibt es auch andere Händler, die wahrscheinlich zuverlässig arbeiten und gute Qualität liefern. Als Faustregel gilt aber in jedem Fall: Man sollte ausschließlich über Dienstleister wie PayPal zahlen, der die eigenen Käufe versichert. Geht etwas schief, entsteht neben der verlorenen Zeit zumindest kein monetärer Schaden. Handelsplattformen wie Alibaba.com/AliExpress oder DHGate sollte man eher meiden, da diese nur als Vermittler für eine große Anzahl an Produzenten dienen und es besonders als Endabnehmer leicht ist, an schwarze Schafe zu geraten.

Letzte Hürde: Zollamt

Ist der Kauf abgewickelt, heißt es Warten, bis das gute Gerät - meist ausgehend von den Frachthäfen Shenzhen oder Hongkong - das eigene Heimatland erreicht hat. Doch auch dann ist noch nicht alles überstanden, denn für Importe aus vielen Nicht-EU-Staaten wie China ist Zoll und Umsatzsteuer zu entrichten.

Oft passiert das allerdings nicht, da die Händler die Sendungen nicht korrekt deklarieren, was wiederum die an sich verlangte Auszeichnung für die Transportdienstleister verunmöglicht. Wer seine Sendung nicht freiwillig anmeldet, kann aber immer noch in eine Stichprobe geraten. Zwei Grenzen existieren beim Import von Elektronik. Die erste liegt bei 22 Euro. Ab diesem Warenwert ist ein Umsatzsteueranteil von 20 Prozent an die Republik Österreich zu entrichten.

Über der 150-Euro-Schwelle gesellt sich Zollgebühr hinzu. Diese richtet sich nach Typ und Funktionalität des Gerätes. Handelt es sich um ein Telefon oder Smartphone, ist nach Auskunft des Zollamts Klagenfurt wahrscheinlich nichts zu zahlen. Dient das Gerät primär zum Abspielen von Multimediainhalten oder erfüllt ähnliche Tätigkeiten - was etwa Tablets betrifft -, kann wiederum das Maximum von 14 Prozent anfallen. Diese Gebühren mindern dementsprechend den ursprünglichen Preisvorteil.

Gefährliche Klone

Hier sei auch vor Phones und Tablets gewarnt, die Markengeräten auffällig nachgeahmt sind. Besonders heikel wird es obendrein, wenn ein entsprechendes Logo am Gerät angebracht wird. Landet ein solches Fundstück beim Zoll, kann es im schlimmsten Falle zu einer Anzeige Seitens des Originalherstellers gegenüber dem Käufer kommen. Auch wenn ein Telefon mit einem auf iOS-Look getunten Android-System eine Versuchung ist: Wenn es aussieht wie sein Vorbild aus Cupertino, sollte man tunlichst die Finger davon lassen.

Aktuell halten übrigens die ersten Dualcore-Telefone am chinesichen Markt Einzug, die teils gerade einmal 160 Euro kosten. Wir werden auch bald ein aktuelles Chinaphone unter die Lupe nehmen und auf Herz und Nieren testen. (gpi, derStandard.at, 04.08.2012)

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Schlimmste Kauferfahrung aller Zeiten (Chinavasion)

Aufgrund dieses Berichts habe ich mich dazu ermutigen lassen ein Tablet (Modellbezeichnung "Rurik") bei dem hier als etabliert bezeichneten Verkäufer "Chinavasion" zu kaufen. Glücklicherweise habe ich mit Paypal bezahlt.
Eine Tortur kann ich nur sagen.

4 Wochen nach Kauf(im August) habe ich es mit einer defekten Hintergrundbeleuchtung geliefert bekommen.
Nach ewigem hin und her mit dem Supportchat des Verkäufers habe ich es auf eigene Kasse zur Reparatur zurückgeschickt.
Nach weiteren 12 Wochen habe ich es nach der vermeintlichen Reparatur zurückerhalten.

Es ist nachwievor defekt.

Monetärer Schaden 250€. Eine Menge Geld für einen Schüler.

Händler nicht nur in China

Es gibt mitlerweile auch Händler in Deutschlan, von denen man bestellen kann ( zopo.de, ejiayu.de). Dort würde ich den Kauf aber empfehlen, denn dadurch kann nichts von Zoll beschlagnahmt werden.

best information

gilt es einen vertrauenswürdigen Händler zu finden. Mittlerweile haben sich http://www.itabletpcshop.com/

Samsung wird auch beinhart kopiert:
http://www.cect-shop.com/de/star-g... i9300.html

jetzt musste ich doch gleich mal so ein phone bestellen... mal sehen was das wirklich kann. werds ausgiebig testen und sobald derstandard seinen Test online stellt meinen Senf dazu geben. :)

wo ist der unterschied zwischen apple und einem chinaphone? ;-)

nur weil das eine in den usa designt wird?

Garantie, Updates, Qualität, um nur ein paar zu nennen. Wenn ich ein iPhone/HTC/Samsung/Nexus kaufe, dann weiß ich, was ich kriege.

Wenn man sich dessen bewusst ist, kann man bei den Chinaphones sehr gute Schnäppchen machen.

Der Unterschied ist, dass bei den hier besprochenen Produkten genau niemand ein Auge auf die Arbeits- und Produktionsbedingungen hat.

Foxconn wird aufgrund des Interesses der Medien fuer Apple zumindest bis zu einem Gewissen Grad beobachtet und kontrolliert.

Was glaubst du, wer den Preis fuer diese ungeheuer billigen Produkte im Endeffekt bezahlt!?

nur kein stress.. apple ist nur der bekannteste vertreter, deswegen hab ich ihn angeführt, aber sicher nicht der einzige.

es ging aber ums bashen gegen chinaphones, und da fast alle handys in china produziert werden, sagt der herstellungsort alleine nichts über die qualität aus.

Naja. China ist gross. Sehr gross!

da gibts keinen unterschied

nur hauen die westlichen firma zur optimierung ihres gewinns gewaltigste aufschläge von teilweise an die 250% dazu... das ist der einzige unterschied und natürlich teilweise die technik

lustig, hauptsache gegen Apple. Androids werden ja auf österreichischen Bergbauernhöfen ganz nachhaltig erzeugt und sind zu 100% abbaubar. Die haben alle gleichviel Dreck am Stecken...

Bitte

http://www.youtube.com/watch?v=d_CrT3elQuc

Hier ein Video, bevor die Gruppe wieder meint, dass nur Apple so schlecht ist.

nimm jedes andere mobiltelephon.

defacto rennt alles über foxconn.

AliExpress

Ist sehr vertrauenswürdig wie ich finde. Ist zwar, wie im Artikel erwähnt, nur eine Art "Marketplace"-Plattform, aber:
1.) Händler können bewertet werden
2.) Händler bekommen erst Ihr Geld, wenn der Kunde den korrekten Erhalt der Ware bestätigt
3.) Man bezahlt an AliExpress als Treuhänder und nicht direkt an den Händler.
4.) AliExpress hat einen guten eigenen Support zur Schlichtung von Streitigkeiten.

Hatte mir mal eine Android TV-Box bestellt, mit Bluetooth. Wurde aber ohne BT geliefert. Händler bot mir nur 10$ Nachlass an, was hoch sei, da der BT Chip nur 5$ kostet.
Dem Support habe ich klar gemacht, dass ich BT unbedingt braucht und das Teil sonst nutzlos ist für mich.
Ich bekam dann 50% des Kaufpreises erstattet (55$)

Georg G. Pichler
00
14.8.2012, 18:24

So ist das zB bei DHGate auch. Hat zwei Mal bei mir nicht gut funktioniert.

Nachtrag

Habe mittlerweile schon ein paar Sachen über Aliexpress gekauft und war bisher immer zufrieden.
Die Händler sind immer sehr bemüht, wohl, weil sie Ihr Geld erst dann ausbezahlt bekommen, nachdem der Kunde den einwandfreien Ablauf bestätigt hat.

Ich besitze 2 solche Dualsim-Handys aus China mit Android (Hero7300 mit MTK 6573 Chip und Dapeng A75 mit MTK 6575), beide sind sehr solide verarbeitet, haben gute Haptik und Displays und funktionieren seit einigen Monaten flott und zuverläßig. Probleme gäbe es mit defekten Geräten, die muss man auf eigenen Kosten zurückschicken.

Ich bin kein China-Smartphone-Fan (damit es zu keinen Mißverständnissen kommt), mein wichtigstes Smartphone ist das Galaxy Note. Ich finde aber das Dapeng A75 (5 Zoll Display), nicht (viel) schlechter oder unterlegener , als das Note; UND DAS DAPENG HAT 133€ GEKOSTET (die Zollbeamten wollten nichts kassieren).

Strange. Bei meinem 55-Dollar-Tablet wollten sie 8 Euro Einfuhr-USt. Dafür musste ich auch ans andere Ende der Stadt ins reizende Industriegebiet Inzersdorf pilgern.

Und wenn dann brav alle aus China kaufen, gibt es bei uns ein paar Arbeitslose mehr und etwas Wirtschaft weniger. Aber Hauptsache billig.

In diesem Fall lieber billig, als um 600€ ein Marken Handy kaufen, dass einem dann gestohlen werden kann und der Verlust entsprechend hart ist.
Dass Arbeitsplätze durch den Kauf von China Handys, bei uns verloren gehen bezweifle ich.
Vielmehr ist das eine Marktnische, die neue Arbeitsplätze schaffen kann.

Arbeitslose Handyverkäufer? Ja...die sind sicher schwer vermittelbar ^^

Und dein Smartphone ist sicher Made in Austria, gell? ;-)

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