Trend: Android-Smartphones direkt aus China importieren

  • iPhone-Imitat mit Android: All zu ähnlich sehende Klone können ein teures Nachspiel haben.
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    iPhone-Imitat mit Android: All zu ähnlich sehende Klone können ein teures Nachspiel haben.

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Auf dem Weg zum Schnäppchen sind allerdings einige Hürden zu nehmen

Sie heißen Jiayu, Zopo, Apanda oder Ainovo. Ihre Smartphones  tragen teils skurrile Namen und die verbauten Chips kommen von Firmen wie Mediatek, Rockchip oder Boxchip, die im Westen kaum bekannt sind. Und sie bieten Gadgets der Einsteiger- bis Mitteklasse zu Preisen unterhalb der 200-Dollar-Grenze. Der Weg zu ihrem Besitz ist mit Vorsicht zu beschreiten, kann sich aber durchaus lohnen.

Pro und Kontra

Welche Vorteile bietet eigentlich so ein Chinaphone? Beim Gedanken an Elektronik aus Fernost schweift man im Gedächtnis schnell durch Reihen billiger und wenig widerstandsfähiger Spielwaren und inferior-lieblose Nachbauten von im Westen beliebten Geräten. Ein Bild, das schon länger nicht mehr der Wahrheit entspricht.

Schlechte Klone existieren freilich immer noch, beschränken sich aber weitgehend auf herkömmliche Telefone. Daneben gibt es auch durchaus leistungsfähige Imitationen verschiedener Smartphones und - noch wichtiger - potente Eigenprodukte aus dem Land des Lächelns. Sie laufen mit Android und bieten gute Verarbeitung und leistungsfähige Komponenten zu einem schier unschlagbaren Preis. Darüber hinaus gibt es aktuell sogar zwei Vertreter - das Xiaomi M1 und das Meizu MX - die in Sachen Performance international im Spitzenfeld mitspielen, sich aber auch preislich deutlich vom Rest der Meute abheben.

Auch die Nachteile sollen nicht verschwiegen werden. Wer sich auf ein Tablet oder Telefon aus China einlässt, sollte sich tunlichst mit den Geräten auskennen. Denn der Support von Händler und Hersteller hält sich üblicherweise in engen Grenzen. Dazu besteht hinsichtlich der Arbeitsbedingungen in jenen Fabriken, in welchen die Gadgets hergestellt werden, noch weniger Kontrolle als es bei Markenzulieferern wie Foxconn ohnehin schon der Fall ist.

Hilfreiche Communities

Wer sich dazu entschließt, es trotzdem zu wagen, der sollte sein Vorhaben mit Recherche beginnen. Die Suche nach dem passenden Gerät gestaltet sich in der schier unendlichen Vielfalt mitunter schwierig. Anlaufstellen bieten hier deutschsprachige Communities wie chinamobiles.org oder china-phones.de, wo sich Kenner, Interessenten als auch Early Adopter treffen und austauschen. Dort erhält man nach dem Kauf auch oft Hilfe bei Problemen mit dem Device oder Software-Modifikationen.

Von Vorteil ist die Kenntnis der russischen Sprache. In Foren wie 4pda.ru oder china-iphone.ru tummeln sich ebenfalls Leute, die teilweise direkten Draht nach China haben. Insbesondere bei technischen Erklärungen helfen Google Translate und Co nicht immer ausreichend weiter.

Von weißen und schwarzen Schafen

Ist das Objekt der Begierde identifiziert, gilt es einen vertrauenswürdigen Händler zu finden. Mittlerweile haben sich Chinavasion, Merimobiles, FastCardTech, SpeMall sowie der CECT-Shop einen guten Namen gemacht. Englischkenntnisse sind von Vorteil, da nur letztgenannter Store auch eine deutsche Webseite und Betreuung bietet.

In der Regel wird Gratisversand angeboten, der allerdings 2 bis 4 Wochen, manchmal auch länger, in Anspruch nehmen kann. Wenn es schneller gehen soll, fallen Zusatzkosten für DHL und Co. an. Dafür ist das Gerät dann auch binnen weniger Tage am Ziel.

Natürlich gibt es auch andere Händler, die wahrscheinlich zuverlässig arbeiten und gute Qualität liefern. Als Faustregel gilt aber in jedem Fall: Man sollte ausschließlich über Dienstleister wie PayPal zahlen, der die eigenen Käufe versichert. Geht etwas schief, entsteht neben der verlorenen Zeit zumindest kein monetärer Schaden. Handelsplattformen wie Alibaba.com/AliExpress oder DHGate sollte man eher meiden, da diese nur als Vermittler für eine große Anzahl an Produzenten dienen und es besonders als Endabnehmer leicht ist, an schwarze Schafe zu geraten.

Letzte Hürde: Zollamt

Ist der Kauf abgewickelt, heißt es Warten, bis das gute Gerät - meist ausgehend von den Frachthäfen Shenzhen oder Hongkong - das eigene Heimatland erreicht hat. Doch auch dann ist noch nicht alles überstanden, denn für Importe aus vielen Nicht-EU-Staaten wie China ist Zoll und Umsatzsteuer zu entrichten.

Oft passiert das allerdings nicht, da die Händler die Sendungen nicht korrekt deklarieren, was wiederum die an sich verlangte Auszeichnung für die Transportdienstleister verunmöglicht. Wer seine Sendung nicht freiwillig anmeldet, kann aber immer noch in eine Stichprobe geraten. Zwei Grenzen existieren beim Import von Elektronik. Die erste liegt bei 22 Euro. Ab diesem Warenwert ist ein Umsatzsteueranteil von 20 Prozent an die Republik Österreich zu entrichten.

Über der 150-Euro-Schwelle gesellt sich Zollgebühr hinzu. Diese richtet sich nach Typ und Funktionalität des Gerätes. Handelt es sich um ein Telefon oder Smartphone, ist nach Auskunft des Zollamts Klagenfurt wahrscheinlich nichts zu zahlen. Dient das Gerät primär zum Abspielen von Multimediainhalten oder erfüllt ähnliche Tätigkeiten - was etwa Tablets betrifft -, kann wiederum das Maximum von 14 Prozent anfallen. Diese Gebühren mindern dementsprechend den ursprünglichen Preisvorteil.

Gefährliche Klone

Hier sei auch vor Phones und Tablets gewarnt, die Markengeräten auffällig nachgeahmt sind. Besonders heikel wird es obendrein, wenn ein entsprechendes Logo am Gerät angebracht wird. Landet ein solches Fundstück beim Zoll, kann es im schlimmsten Falle zu einer Anzeige Seitens des Originalherstellers gegenüber dem Käufer kommen. Auch wenn ein Telefon mit einem auf iOS-Look getunten Android-System eine Versuchung ist: Wenn es aussieht wie sein Vorbild aus Cupertino, sollte man tunlichst die Finger davon lassen.

Aktuell halten übrigens die ersten Dualcore-Telefone am chinesichen Markt Einzug, die teils gerade einmal 160 Euro kosten. Wir werden auch bald ein aktuelles Chinaphone unter die Lupe nehmen und auf Herz und Nieren testen. (gpi, derStandard.at, 04.08.2012)

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