Botox stoppt übermäßiges Wachstum bei Akromegalie

Versuch von Schweizer Forschern glückt: Bei Ratten konnte die Produktion des Wachstumshormons gestoppt werden

Genf - Bei Menschen mit der Krankheit Akromegalie produziert das Gehirn zu viele Wachstumshormone, weshalb ihre Knochen und Gewebe übermäßig wachsen. Nicht nur Gelenkserkrankungen sind die Folge, oft leiden Betroffene auch an Herzkrankheiten oder Diabetes. Ihre Lebenserwartung ist deutlich verkürzt. Meist ist ein gutartiger Tumor in der Hirnanhangsdrüse die Ursache, aber nicht alle können operiert werden.

Forscher des Universitätsspitals Genf haben nun einen überraschenden Ansatz gewählt, um eine neue Behandlung zu finden: Sie testeten das Anti-Faltenmittel Botox. Der Gedanke dahinter: Wenn dieses Gift Gesichtsnerven lähmen kann, warum nicht auch überaktive Hormon-produzierende Zellen? Das Team um den Pädiater Emmanuel Somm kombinierte Botox dazu mit verschiedenen Eiweißbausteinen, damit die entstandene Substanz ganz spezifisch auf die Hormon-abgebenden Zellen einwirken würde.

Erfolgreicher Rattenversuch

Tatsächlich stoppte das so entstandene Eiweiß bei Ratten die Produktion und die Absonderung des Wachstumshormons, wie die Forscher nun im Fachblatt "Journal of Clinical Investigation" berichten. Entsprechend waren auch der Körper, die Organe und die Knochen der Tiere kleiner und leichter als bei unbehandelten Artgenossen.

Diese Ergebnisse zeigten, dass das Nervengift Botox auch andere Zelltypen als Nervenzellen beeinflussen kann, schreiben die Forscher. Ihre Resultate würden Grund zur Hoffnung liefern, dass mit solchen Substanzen auf Botox-Basis einst ganz gezielt die Hormonüberproduktion bei Menschen mit Akromegalie, aber auch anderen Hormonstörungen, gezügelt werden kann. (APA/red, derStandard.at, 3. 8. 2012)

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