Putin gegen zu hartes Urteil für Pussy Riot

3. August 2012, 12:10

Russlands Präsident gab bei Olympiabesuch Erklärung ab - Internationale Proteste gegen Verfahren reißen nicht ab

Moskau/London - Der russische Präsident Wladimir Putin hat sich nach Protesten gegen den Moskauer Prozess um die Punkband Pussy Riot gegen eine zu harte Strafe für die drei angeklagten Frauen ausgesprochen. "Ich denke nicht, dass sie dafür zu hart verurteilt werden sollten", sagte Putin am Donnerstag der Agentur Interfax zufolge am Rande seines Besuches bei den Olympischen Spielen in London. Die Verteidigung sprach in Moskau von einem möglichen "Wendepunkt" in dem Verfahren wegen Rowdytums.

Maria Aljochina (24), Nadeschda Tolokonnikowa (22) und Jekaterina Samuzewitsch (29) drohen nach einem Punkgebet gegen Putin und Patriarch Kirill in der wichtigsten russisch-orthodoxen Kathedrale sieben Jahre Haft wegen "Hooliganismus aus religiösem Hass". Seit Tagen fordern Künstler und Politiker international die Freilassung der Musikerinnen.

Musiker protestieren in "The Times"

Auch vor Putins Besuch in London gab es Proteste gegen den Prozess, den Menschenrechtler als politisch gesteuertes Verfahren kritisieren. Die Vorwürfe gegen die Frauen seien absurd, schrieben Musiker wie Jarvis Cocker, Pete Townshend, Kate Nash und Martha Wainwright in der Zeitung "The Times". "Eine andere Meinung zu haben ist in jeder Demokratie ein Grundrecht."

Überraschend habe sich Putin nun "weicher" als zuletzt geäußert, sagte der Verteidiger Nikolai Polosow. "Das könnte mit Druck von außen zusammenhängen - oder von innen heraus kommen", sagte er. Das könne auf einen "Wendepunkt" hindeuten. Zwar kritisieren Kremlgegner immer wieder die politische Einmischung in laufende Verfahren in Russland. Dies könne aber ein positives Signal sein, sagte Polosow. Die Verteidigung werde am Ende nur einen Freispruch akzeptieren.

Kirche ist Putins Meinung

Auch die russisch-orthodoxe Kirche schlägt nun unerwartet mildere Töne an. Die Protestaktion der Musikerinnen in der Moskauer Erlöserkathedrale sei "sehr dumm und verletzend für die Gläubigen" gewesen, sagte der Chefideologe des Patriarchats, Wsewolod Tschaplin, am Freitag der Agentur ITAR-TASS. "Aber es ist auch eine Dummheit, endlso darüber zu sprechen", sagte Tschaplin.

Er begrüßte Putins Worte, der sich gegen eine zu harte Strafe ausgesprochen hatte. Tschaplin hatte zuvor eine "harte Bestrafung" gefordert.

Putin verweist auf Nordkaukasus

Putin verurteilte den Kirchenauftritt der vermummten Musikerinnen zwar erneut, äußerte aber auch die Hoffnung, dass die Angeklagten aus den Folgen ihrer Aktion gelernt hätten. Die Kirche hatte das Gebet für Putins politisches Ende als Gotteslästerung gebrandmarkt. Die Frauen stehen auch wegen Verletzung religiöser Gefühle vor Gericht. Putin gab zu bedenken, dass eine vergleichbare Aktion etwa im islamisch geprägten russischen Konfliktgebiet Nordkaukasus für die Künstlerinnen lebensgefährlich hätte sein können.

Die jungen Frauen, die im Gericht in einem Kasten aus Plexiglas ausharren müssen, beschweren sich seit dem Prozessbeginn am Montag über zu wenig Schlaf und Essen sowie fehlende Pausen. Russische Anwälte veröffentlichten eine Resolution, in der sie den Prozess als Justizskandal bezeichneten, der die Rechtsgrundlagen des Staates zerstören könne. (APA, 3.8.20212)

Kommentar posten
Posting 1 bis 25 von 528
1 2 3 4 5 6 7 8 9 10 11 12
Na endlich ...

...hat das internationale mediale Theater doch genutzt. Interessant ist nur, dass Putin durch seine Äußerungen nun eigentlich auch die "Gerichte beeinflusst" hat, was vorher in diesem Forum ja so vehement kritisiert wurde.

Genau -

hinrichten reicht - wir ersparen ihnen die Verbrennugn auf dem Scheiterhaufen. Oder wie soll man das verstehen, Zar Putin?

Ein widerliches Regime

Und daß genau die Gewinnler dieses Systems gerade Wien usw aufkaufen, finde ich echt nicht putzig.

Jeder Tag, der vergeht, an dem sie nicht gerettet werden,

halbiert ihre Überlebenschancen!

In Österreich: § 188 StGB

Wer öffentlich .... eine gesetzlich zulässige Einrichtung einer solchen Kirche oder Religionsgesellschaft unter Umständen herabwürdigt oder verspottet, unter denen sein Verhalten geeignet ist, berechtigtes Ärgernis zu erregen, ist mit Freiheitsstrafe bis zu sechs Monaten oder mit Geldstrafe bis zu 360 Tagessätzen zu bestrafen.

aber genau dieser paragraf...

...ist auf das verhalten von pussy riot eben nicht anwendbar. sie haben keine religion herabgewürdigt. sie haben lediglich den präsidenten kritisiert und den patriarchen als hund beschimpft. letzteres mag der patriarch zivilrechtlich klagen, aber da er keine person der anbetung ist, kann diese beschimpfung auch keine herabwürdigung religiöser lehren sein.

in österreich könnten pussy riot allenfalls wegen störung der öffentlichen ordnung verwaltungsstrafrechtlich belangt werden.

Das österreichische Gesetz ist ebenfalls eine Ungeheuerlichkeit.

Dennoch, warum erwähnen Sie das gerade hier? Was hat es mit Putin zu tun?

https://de.wikipedia.org/wiki/Tu_quoque

Sie können Parlamentarier direkt ersuchen, eine entsprechende Gesetzesänderung zu beantragen. Wenn es keine Mehrheit findet, kann man halt leider nicht machen, so ist halt die Demokratie!

http://www.parlament.gv.at/PAKT/VHG/... ndex.shtml

http://www.parlament.gv.at/PAKT/VHG/... ndex.shtml

Entsprechende Versuche gab es schon mehrmals. Anscheinend haben die werten Parlamentarier daran kein Interesse.
Man will sich anscheinend Optionen offenhalten. Das Gesetz wird ja mit einer äußerst verdächtigen Beliebigkeit angewendet. Aber genau zu diesem Zweck hat man wohl die schwammige Formulierung gewählt ("geeignet ist, berechtigtes Ärgernis zu erregen").

Dennoch, was hat das mit Putin zu tun?

Dazu auch noch §§ 111, 115, ggf. 189

Üble Nachrede, Beleidigung, Störung einer Religionsübung.

Alles Strafgesetze in Österreich.

Aber wenns gegen Russland und den Putin geht kommen offenbar die Freizeitempörten ins Forum....

Troll dich doch.

Auf nix davon stehen 7 Jahre!

Ist das eine gutbezahlte Meldung der russischen Botschaft??

Und wann gabs in Ö deswegen einen Schauprozess und möglicherweise 7 Jahre Haft? Russland ist im Arsch, aber eher nicht durch diesen Fall sondern z.b. das neue Mediengesetz. Pfui.

Und wann gabs in Ö deswegen einen Schauprozess..

Oswald Wiener der Vater von Sahra Wiener.
1968 war er einer der Teilnehmer an der Aktion „Kunst und Revolution“ („Uni-Ferkelei“) am 7. Juni an der Universität Wien.Er wurde deswegen zu sechs Monaten Gefängnis verurteilt. Nach seiner Flucht aus Wien 1969 – es drohte ihm in Österreich auch ein Verfahren wegen Gotteslästerung – lebte er als Gastwirt (Gaststätte „Exil“) bis 1986 in Berlin

1968. Wie zeitnah.
Das könnte man dann auch mit z.b. der Situation in der Sowjetunion zu dieser Zeit vergleichen: Prager Frühling z.b.

Warum wird denn immer von sieben Jahren Haft fabuliert?!

Ahso, weils in der Qualitätszeitung steht ;)

Bitte sehr: (§213)
http://ukrf.narod.ru/glavy/g24.htm

Oh, je! Wurden die russischen Gesetzestexte im Internet jetzt schon von Hackern angegriffen und mainpuliert?

Leider kommt die Meldung
"Access has been blocked as the threat Mal/HTMLGen-A has been found"
auf dieser Webseite, kann sie nicht daher nicht öffnen!
Haben Sie vileicht einen alternativen Link?

Bitte sehr:

http://advokat-p.ru/dela-adv/213/
http://www.zakonrf.info/uk/213/

(Kein Widerstand gegen die Staatsgewalt - keine sieben Jahre, aber damit kann man die antirussische Empörung steigern).

Danke!

Jaja. Kaum wird Putin kritisiert ist es antirussisch. So kann man sich die Welt zurechtbiegen.

das neue Mediengesetz?
Na ja, NICHT gegen KiPorno Seiten vorzugehen, dass wäre Pfui!

Du weißt anscheinend nicht worum es beim neuen Gesetz geht.

Wir sind nicht per Du!

im internet gilt die du-regel. find dich damit ab.

Kommentar posten
Posting 1 bis 25 von 528
1 2 3 4 5 6 7 8 9 10 11 12

Die Kommentare von Usern und Userinnen geben nicht notwendigerweise die Meinung der Redaktion wieder. Die Redaktion behält sich vor, Kommentare, welche straf- oder zivilrechtliche Normen verletzen, den guten Sitten widersprechen oder sonst dem Ansehen des Mediums zuwiderlaufen (siehe ausführliche Forenregeln), zu entfernen. Der/Die Benutzer/in kann diesfalls keine Ansprüche stellen. Weiters behält sich die derStandard.at GmbH vor, Schadenersatzansprüche geltend zu machen und strafrechtlich relevante Tatbestände zur Anzeige zu bringen.