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Gute Tipps für den aufmerksamen Schüler: Der junge Tenor Paul Schweinester (li.) lässt sich von Starbariton Thomas Hampson die Welt der Lieder und der Stille erläutern.
Salzburg - Bestens in Stimmung und ebenso bei Stimme kann man heuer Thomas Hampson, nach Jahren der Abstinenz, wieder in Salzburg erleben. Nach seinem umjubelten Auftritt mit Ernst Blochs Avodath Hkodesch bei der Ouverture spirituelle folgt am 4. August ein Liederabend, den der gebürtige US-Amerikaner zusammengestellt hat. Aus seinem breiten Repertoire wählte er Werke von Robert Schumann, Antonin Dvorák und Gustav Mahler - inklusive einer Premiere: "Ich singe zum ersten Mal Schumanns op. 39. Vielleicht hatte ich anfangs eine gewisse Scheu vor der Popularität des Stücks. Ich habe auch nie Die schöne Müllerin öffentlich gesungen."
Dem Starbariton ist die Pflege des Liedgesangs als "völlig unterschätzte Kunstform" ein großes Anliegen. "Es gibt keinen Opernsänger der Welt, der nicht besser wäre, wenn er auch Lied singen würde; und es gibt keinen Liedsänger der Welt, der nicht ein besserer Sänger wäre, wenn er die Bühnenerfahrung als Operninterpret hätte." Hampson vergleicht es mit dem Tennisspiel: "Ob Gras, Sand oder Klee: Es verändert sich der Spin, die Geschwindigkeit. Aber es bleibt immer Tennis."
Liederabende erlebt Hampson als sehr persönliche Beziehung zwischen Sänger und Publikum - eine enorme Herausforderung für beide. "Das lehre ich auch meine jungen Kolleginnen und Kollegen: Wir gehen nicht auf die Bühne, um jemanden anzusingen, zu belehren oder zu überzeugen. Sondern wir sind Stellvertreter für zumindest zwei große Denker: den Komponisten und den Dichter. Wir sind die Vermittler. Wir machen es hörbar."
In Salzburg kommen nun 15 internationale Stipendiaten des von der Credit Suisse gesponserten Young Singers Project (YSP) in den Genuss von Hampsons Gesangslehre. Der Mitbegründer der Liedakademie in Heidelberg, an der jährlich höchstens zehn von hundert Bewerbern aufgenommen werden, unterrichtet als Gastprofessor in der YSP-Meisterklasse: "Ich möchte den Teilnehmern gern die Balance zwischen Intellektualität, Emotionalität und Körperbewusstsein näherbringen, die für das Singen wichtig ist. Diese drei auszutarieren ist nie beendet. Das ist unser Leben. Wenn ein junger Musiker sagt: 'Ich bin mit dem Studium fertig', freu ich mich. Ich bin's nicht. Ich werde nie fertig mit meinem Studium."
Faires Stück Kuchen
Einer der YSP-Teilnehmer ist der 27 Jahre junge Tiroler Tenor Paul Schweinester, der heuer sein Studium in Lied und Oratorium an der Wiener Musikuniversität abgeschlossen hat und bereits seit 2009 Ensemblemitglied der Wiener Volksoper ist. Er singt seit seinem achten Lebensjahr, zwischendurch hat er in einer Funk-Ska-Band musiziert, er kam aber bald drauf, "dass ich lieber etwas interpretiere, eine Rolle spiele, als selbst die Texte zu schreiben".
Seine Erwartungen an das YSP sind hoch: "Man wird aus einer Vielzahl an Mitbewerbern zum wichtigsten Festival der Welt eingeladen, hat die Chance, die besten Sänger kennenzulernen. Wer das nicht nützt, hat das Ziel des YSP verfehlt. Ich gehe jeden Abend in eine Probe oder eine Aufführung. Wir haben das Privileg, in großen Produktionen mitwirken zu dürfen, daher kann ich nicht immer mit Herrn Hampson arbeiten. Aber es wird für jeden von uns ein faires Stück Kuchen da sein, das wir uns von seinem Angebot abschneiden können."
Schweinester singt in Bernd Alois Zimmermanns Die Soldaten (Regie: Alvis Hermanis, musikalische Leitung: Ingo Metzmacher, Premiere: 20. 8.) einen der drei Offiziere und in der starbesetzten Bohème (siehe Kritik Seite 23) die Sechs-Takte-Rolle des Parpignol - "Gar nicht so einfach!", wirft Hampson ein. Als der junge Tenor nach Salzburg kam, fürchtete er, vor Aufregung nicht schlafen zu können. Ausgerechnet Anna Netrebko und Piotr Beczala haben ihm die Angst genommen: "Wenn die so Großartiges zuwege bringen, werde ich die sechs Takte auch noch schaffen." Seine Erkenntnis: "Es kochen alle mit Wasser. Nur schmeckt es bei den Vollprofis besser."
Konzertführer für Huster
Während des Gesprächs formiert sich am Mozartplatz ein Straßenorchester, Tschinellen, Trompeten, Pauken: keine dezenten Ohrenschmeichler. Aus den Boxen im Restaurant tröpfelt Lounge-Musik. "Ich fürchte", sagt Hampson, " dass wir den permanenten Lärmpegel unterschätzen. Wir nehmen Geräusche und Musik nicht mehr bewusst wahr. Das bedaure ich, denn es beeinflusst, wie wir Konzerte erleben. Ich wünschte mir, dass man Musik als Sprache erkennt. Ich glaube nicht, dass man in jedem Lift oder Frühstücksraum von Musik angeplärrt werden muss. Es gilt, auch die Stille zu genießen."
Kontemplation und Aufmerksamkeit sind kostbare Momente, auch bei den Festspielen schrillen Handys während der Aufführungen: "Das ist für mich so, als würde jemand aufstehen und im Zuschauerraum furzen. Es ist so unverzeihlich, wie wenn jemand permanent hustet."
Er habe sogar schon einen Konzertführer für Huster angeboten, sagt er lachend. Wann man am besten hustet? "Jedenfalls nicht in die Stille. Nicht gleich in die Pause. Huste erst, wenn's laut wird. Oft ist der erste Satz noch kaum verklungen, da verwandelt sich der Konzertsaal schon in eine Lungenheilanstalt." (Andrea Schurian, DER STANDARD, 3.8.2012)
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