Professor nimmt BAWAG bei Swap-Äffare in Schutz

2. August 2012, 15:01

"Reine Währungsspekulation" sei der Franken-Deal nicht gewesen, so Mark Wahrenburg. Es bestehen aber Zweifel am Gutachten

Linz - Im Zusammenhang mit einem für Linz verlustreichen Franken-Swap kontert die BAWAG PSK der Stadt nun mit einem eigenen Gutachten: Bei dem Geschäft habe es sich um keine "reine Währungsspekulation" gehandelt, zitiert das "WirtschaftsBlatt" aus dem Papier des Frankfurter Professors Mark Wahrenburg. Dem städtischen Gutachter Martin Janssen wirft er "fehlende Wissenschaftlichkeit" vor, so die "Oberösterreichischen Nachrichten" (OÖN).

"Die Schlussfolgerung, dass der Swap eine 'reine Spekulation' ist, ist unzulässig, denn dem Swap stand zur Gänze ein Grundgeschäft, die Schweizer-Franken-Anleihe, gegenüber", schreibt Wahrenburg laut "Wirtschaftsblatt". Er kritisiert zudem, dass die Mindestanforderungen des Risikomanagements nicht erfüllt worden seien. "Wenn diese Prinzipien auf die Stadt Linz übertragen werden, dann hätte die Stadt vorab eine maximal tolerierbare Verlusthöhe definieren müssen." "Die Stadt Linz konnte zu jedem Zeitpunkt reagieren und das Risiko beherrschen", wird die Bank von der "Kronen Zeitung" zitiert.

Gutachter gegen Gutachter

Weder sei das Risiko für die Stadt "unkontrollierbar" gewesen, noch habe es sich um ein auf dem Markt unübliches Geschäft gehandelt, zitieren die OÖN aus Wahrenburgs Expertise. Der Wert des Swap habe sich bei Vertragsabschluss nicht in der von Janssen dargestellten Größenordnung bewegt. "Infolgedessen ist auch die Schlussfolgerung einer exorbitant hohen Gewinnmarge für die BAWAG falsch", so Wahrenburg. Im Schriftsatz, mit dem die BAWAG-Anwälte Wahrenburgs Papier verschickt haben, wird Janssens Gutachten als "ergebnisorientiertes Auftragswerk" bezeichnet. Es habe "offensichtliche Mängel" und sei "nicht zur Beweisführung geeignet", zitiert das "Neue Volksblatt" aus dem Schriftsatz der Bank.

Zweifel an Honorigkeit von Wahrenburg

Die Linzer SPÖ bezeichnete die von der BAWAG an die Staatsanwaltschaft übermittelte Eingabe in einer Aussendung als "erwartete Reaktion". Interessant und bezeichnend sei, dass das Kreditinstitut seine Ausführungen auf einen Gutachter stütze, dessen Institut "House of Finance" von der Deutschen Bank finanziert werde. Diese habe wiederum der BAWAG Optionen aus dem besagten Swap abgenommen und Interesse daran, dass derartige Derivate in keinem negativen Licht erscheinen. Aus Sicht der SPÖ "bleibt der Betrugsverdacht bestehen".

Janssen hatte in der Vorwoche vor dem Linzer Kontrollausschuss von einem "unethischen Geschäft, bei dem die Stadt über den Tisch gezogen wurde", gesprochen. Die BAWAG handelte demnach "wider besseres Wissen". Der Swap habe das bestehende Fremdwährungsrisiko "noch dramatisch verschärft". Aber auch die Stadt agierte laut Janssen "dumm und überheblich". Sie sei ein Geschäft eingegangen, ohne es im Kern verstanden zu haben.

Die Stadt Linz hat - nach ihrer Darstellung durch ihren damaligen Finanzdirektor - zur Absicherung einer auslaufenden Kreditlinie über 195 Mio. Schweizer Franken (damaliger Kurs: 152 Mio. Euro) 2007 mit der Bank eine Art Kurs-Zins-Wette abgeschlossen. Durch den Kursanstieg des Franken ist der Wert des Swap 4175 inzwischen auf mehrere hundert Mio. Euro gewachsen, die zusätzlich zur Kreditschuld zu zahlen wären. Die Stadt hat beschlossen, nicht mehr zu zahlen und eine Klage über 30,64 Mio. Schweizer Franken (24,8 Mio. Euro) eingereicht. Die BAWAG hat kurz nach der Zahlungsverweigerung den Vertrag gekündigt und ihrerseits auf 417,74 Mio. Euro geklagt. (APA, 2.8.2012)

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3 Postings
das problem

ist generell das fremdwährungskredite unfug sind.

die banken in ö haben ihre sorgfaltspflicht verletzt.

nur um kurzfristig viel abzucashen. sie sollten für alle verluste aufkommen.

die kunden in ihrer gier verlangen diese kredite ja, weil jeder bauer in seiner bauernschläue glaubt, dass er gscheiter is, als der rest der welt!

Ein beauftragter Gutachter wirft dem anderen Gutachter, beauftragt worden zu sein. Hmmm

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