Wenn das Tier zur Deko wird

2. August 2012, 14:15
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Noch immer lassen sich Touristen dazu hinreißen, geschützte Tiere und Pflanzen zu kaufen oder mitzunehmen - Sie tragen damit wesentlich zum Aussterben der Arten bei

Bevor man auf Reisen ein Souvenir ersteht, sollte man ganz genau hinschauen. Denn viele Souvenirs bestehen aus Produkten von Tieren oder Pflanzen, die weltweit durch das internationale Artenschutzübereinkommen CITES (Convention on International Trade in Endangered Species of wild Fauna and Flora) geschützt sind.

"Bei manchen Souvenirs wie z. B. bei Armbändern aus Elefantenhaar, Lederprodukten oder Schmuck aus Tierzähnen ist es für einen Laien schwierig zu erkennen, woraus diese Produkte gefertigt wurden. Daher sollte man im Zweifelsfall auf den Kauf eines solchen Souvenirs - für das ein geschütztes Tier herhalten musste - gänzlich verzichten," so Karin Büchl-Krammerstätter, Leiterin der Wiener Umweltschutzabteilung. "Die besten Souvenirs aus dem Urlaub sind schöne Erinnerungen und Bilder in der Kamera!"

Im Urlaub lassen sich auch viele dazu hinreißen, Tiere zu kaufen und diese mit nach Hause zu nehmen. "Die süße Schildkröte oder die faszinierende Vogelspinne werden dann allerdings beschlagnahmt und landen nicht im heimischen Wohnzimmer oder Garten, sondern bei uns im Tiergarten", erklärt Tiergartendirektorin Dagmar Schratter vom Zoo Schönbrunn. Sie warnt auch davor, im Urlaubsland Korallen und Muscheln zu sammeln sowie Pflanzen auszugraben. "Man kann sich nie sicher sein, ob es sich dabei nicht um eine geschützte Art handelt. Es ist besser, Tiere und Pflanzen dort zu lassen, wo sie hingehören."

Handel streng kontrolliert

Der Handel mit Produkten, die aus Tieren oder Pflanzen gefertigt wurden, trägt wesentlich zum Aussterben vieler Tier- und Pflanzenarten bei. Hunderte Millionen Exemplare geschützter Arten werden jedes Jahr gehandelt. Mit dem Washingtoner Artenschutzübereinkommen (CITES-Konvention) und der für Österreich gültigen EU-Artenschutzverordnung wird der Handel mit wildlebenden Tier- und Pflanzenarten und deren Produkten streng kontrolliert bzw. ist für viele Arten überhaupt verboten. CITES listet insgesamt ca. 33.000 Arten gefährdeter Tiere und Pflanzen auf. Bei Verstößen gegen CITES-Verordnungen drohen unangenehme Strafverfahren mit Beschlagnahmung, hohe Geld- oder sogar Haftstrafen.

"Bereits seit Jahren unterstützt uns der Tiergarten bei der Ausbildung der Artenschutzhunde mit sogenannten Geruchsträgern und lebenden Reptilien, schult die Hundeführer in der sicheren Handhabung teils gefährlicher Tierarten und ist nicht zuletzt auch oft Auffangstation für die beschlagnahmten Tiere", erklärt Rudolf Druml vom Österreichischen Zoll. Artenschutzhunde arbeiten extrem effektiv. Innerhalb kürzester Zeit kontrollieren sie Gepäckstücke, ohne dass diese geöffnet werden müssen. Da Hunde einen guten Riecher haben, reichen schon geringe Duftspuren aus.

Derzeit kontrollieren 75 MitarbeiterInnen des Zolls mit Unterstützung von vier Diensthunden den Reiseverkehr von 0-24 Uhr, und das 365 Tage im Jahr. Unter anderem konnten dabei im Bereich Artenschutz 51 Aufgriffe alleine in den letzten eineinhalb Jahren verzeichnet werden.

Zwei zuständige Stellen

In Österreich sind zwei Stellen für CITES zuständig, und zwar das Lebensministerium als zuständige Behörde, und eine wissenschaftliche Behörde in jedem Bundesland. In Wien ist diese in der Wiener Umweltschutzabteilung - MA 22 angesiedelt. Die MitarbeiterInnen der MA 22 überprüfen zum Beispiel Tier-Börsen und Tierhandlungen in Wien und werden als CITES-Sachverständige etwa bei Beschlagnahmungen durch den Zoll oder bei Anfragen zu Nachzucht und Meldepflichten herangezogen.

Parallel dazu setzt die MA 22 auf bewusstseinsbildende Maßnahmen, Kooperationen und Information. Der Folder "CITES in Wien" informiert über die gesetzlichen Voraussetzungen, Genehmigungs- und Meldepflichten von CITES-geschützten Tierarten. Der Folder "Reisen genießen - Arten erhalten" richtet sich an alle Reisenden und listet, nach Kontinenten geordnet, die häufigsten Beschlagnahmungen geschützter Tier- und Pflanzenarten bzw. Produkte aus deren Teilen auf. (red, derStandard.at, 2.8.2012)

Service

Die Folder sowie das neue CITES-Lesezeichen mit den wichtigsten Informationen zu CITES und den häufigsten Beschlagnahmungen sind kostenlos bei der Wiener Umweltschutzabteilung erhältlich.

Foldertelefon: 01/4000-73420,
E-Mail: uk@m22.magwien.gv.at

Informationen zu CITES

umweltschutz.wien.at

cites.at

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    Wer sich solche und ähnliche "Souvenirs" mit nach Hause nimmt, trägt zum Aussterben der Arten bei.

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    Wer nicht sicher ist, was verboten und was erlaubt ist, kann sich auf den Webseiten von MA 22 und Lebensministerium vor Antritt der Reise informieren.

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