Gutachter hat an Bilanz 2003 nichts auszusetzen

2. August 2012, 14:40

Nur mehr Bilanzfälschung 2002 möglich, so Gutachter Keppert. Das Gericht drängt weiter auf Ex-Bawag-Chef Elsners Kommen

Wien - Das Ringen um Ex-BAWAG-Chef Helmut Elsner geht weiter: Während Richter Christian Böhm heute, Donnerstag, am 14. Verhandlungstag des zweiten BAWAG-Strafprozesses weiter auf ein Erscheinen des mitangeklagten Ex-Bankers vor Gericht drängt, betont dessen Anwalt Jürgen Stephan Mertens, dass sein Mandant zu krank sei, um zu kommen. Elsner ist für kommenden Montag zur nächsten Verhandlung geladen. Der Sachverständige Thomas Keppert hat heute die BAWAG-Bilanz 2003 bzw. die in ihr durchgeführten Korrekturen für "richtig" befunden.

Elsner war im Juni vom Gutachter Günter Leopold Steurer für verhandlungsunfähig eingestuft worden, weil er wegen Tuberkulose behandelt wurde. Heute Abend habe Elsner beim Gutachter in Wien einen Überprüfungstermin, so der Richter. Den Wiener Arzttermin wird Elsner wohl nicht einhalten, da er sich laut Auskunft seines Anwalts in einer Lungenklinik in Natters in Tirol befindet. Zuvor sei er in einer Asthmaklinik im bayerischen Berchtesgaden behandelt worden. Das Gericht habe immer über Elsners Aufenthalt Bescheid gewusst, betonte Elsners Anwalt heute gegenüber der APA. Elsner sei einfach zu krank, um an einer Verhandlung teilzunehmen.

Elsner-Einvernahme aufteilen

Nach Ansicht von Beobachtern muss sich das Gericht bemühen, dass Elsner doch noch zur Verhandlung kommt. Auch die Vorführung des Angeklagten wäre möglich, wird jedoch für Montag noch nicht erwartet. Falls Elsner am Montag der Ladung zu Gericht nachkommt, könnte seine Einvernahme auf mehrere Tage aufgeteilt werden, um die gesundheitliche Belastung zu verringern. Dann wären nächste Woche mehrere Hauptverhandlungstage möglich.

Der heute 77-jährige Elsner ist im zweiten BAWAG-Prozess wegen einer Klage der BAWAG mitangeklagt, obwohl er bereits rechtskräftig zur Höchststrafe von 10 Jahren verurteilt wurde und davon viereinhalb Jahre abgesessen hat. Die BAWAG fordert die Pensions-Abfindung in Höhe von 6 Mio. Euro zurück. Elsner hat als einziger aller Angeklagten (im ersten Prozess neun, jetzt acht) bisher das Haftübel verspürt.

Bilanz 2003 für Sachverständigen "richtig"

Der Sachverständige Thomas Keppert hat heute die BAWAG-Bilanz 2003 für aus seiner Sicht "richtig" erklärt. Die Korrektur der Fehler des Konzernabschlusses 2002 in der Bilanz 2003 sei im damals noch bestehenden Wahlrecht gedeckt, so der Gutachter. Im ersten Strafprozess hatte das Gericht auf Rechtswidrigkeit der Bilanz 2003 entschieden.

Keppert hatte seine heutige Stellungnahme als Reaktion auf Fragen des mitangeklagten Wirtschaftsprüfers Robert Reiter erstellt. Gemäß der heutigen Lehre seien Berichtigungen von fehlerhaften Jahresabschlüssen in laufender Rechnung in Folgejahren in allen Fällen zulässig und geboten, derartige Berichtigungen bedrohten den Folgeabschluss keinesfalls mit der Rechtsfolge der Nichtigkeit, so Keppert

Der zweite BAWAG-Strafprozess findet ab heute im Großen Schwurgerichtssaal des Wiener Straflandesgerichts statt, wo schon das erste Verfahren 2007/2008 unter Richterin Claudia Bandion-Ortner abgehandelt wurde. Der Saal war in den vergangenen Monaten renoviert worden. Der Anklagevorwurf lautet damals wie heute auf Untreue gegenüber der Bank sowie Bilanzfälschung. Die frühere Gewerkschaftsbank sei durch verlustreiche Spekulationen von Wolfgang Flöttl mit BAWAG-Geldern geschädigt worden, die Bankspitze soll dies vertuscht haben. (APA, 2.8.2012)

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2 Postings
Der Elsner war eben ein Trendsetter.

Die anderen Spitzenbanker haben es ihm einige Jahre später nachgemacht.
War die Bankenrettung der Bawag durch den Staat im Jahre 2006 noch eine Sensation, gehört das heute ja beinahe schon zur Tagesroutine.

Wiedersehen mit Sheriff Ruth !

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