Vorarlberg: Richter fordert Liveticker-Verbot im Gerichtssaal

  • Blick in den Gerichtssaal beim Testamentsfälscherprozess.
    foto: apa/barbara gindl

    Blick in den Gerichtssaal beim Testamentsfälscherprozess.

Der Liveticker von VOL.at soll die Zeugen im Testamentsfälscherprozess beeinflusst haben - Die Justiz sieht keinen Handlungsbedarf

Der Richter im Vorarlberger Testamentsfälscherprozess hat am Mittwoch Kritik an der Medienberichterstattung laut werden lassen. Die Echtzeitberichterstattung des VOL.at-Livetickers habe die Zeugen durch die Kenntnis des Prozessverlaufs vor ihrer Befragung beeinflusst, sagte der Richter nach der Urteilsverkündung.

Marc Springer, Chefredakteur von VOL.at, verteidigt auf Anfrage von derStandard.at die Notwendigkeit transparenter Berichterstattung: "Der Fall ist der größte Justizskandal in der Vorarlberger Geschichte und für die Menschen war unser Liveticker die einzige Möglichkeit den Prozess praktisch hautnah und so im Detail mitverfolgen zu können. Unser Ticker hat so gesehen auch zu der transparenten Aufarbeitung des Fälscher-Skandals beigetragen, denn viele hatten die Befürchtung, dass diverse Dingen unter den Tisch gekehrt werden könnten."

Positives Feedback der Bevölkerung

Aus der Bevölkerung gab es laut Springer gutes Feedback auf den Liveticker. Er verstehe das hohe Interesse an dem Gerichtsticker als Auftrag, die Justiz zu mehr Transparenz zu bewegen, "auch wenn das manchmal schmerzhaft sein mag". Laut Strafprozessordnung sei es schließlich erlaubt, Nachrichtenfragmente auf Zetteln aus dem Gerichtssaal zu tragen, sagt Springer und der Live-Ticker von VOL.AT sei nichts anderes als eine Übertragung dieser Praxis ins digitale Zeitalter.

Beschwerdebrief ans Innenministerium

Laut einem Bericht auf Ö1 soll sogar ein Beschwerdebrief ans Innenministerium gerichtet worden sein, dieses sieht jedoch keine Notwendigkeit für eine gesetzliche Änderung. Das Informationsrecht der Bevölkerung stehe zudem laut Experten über der Zeugenbeeinflussung, die durch die Abnahme von Smartphones oder eine Zeugenbefragung in einem Extraraum mit einfachen Mitteln vermeidbar sei. (red, derStandard.at, 2.8.2012)

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