Parodontitis: Die Gemeinschaft ist verantwortlich

2. August 2012, 08:58
  • In der menschlichen Mundhöhle leben etwa 700 verschiedene Bakterienarten.
    foto: apa/soeren stache

    In der menschlichen Mundhöhle leben etwa 700 verschiedene Bakterienarten.

Analyse einzelner Bakterienarten reicht nicht aus, um Erfolg bei der Behandlung von Parodontitis beurteilen zu können

Es gibt einen direkten Zusammenhang zwischen der Gesundheit der Zähne eines Menschen und der Zusammensetzung der Mikroorganismen in der Mundhöhle. Um die Entstehung von Parodontitis - einer Entzündung des Zahnhalteapparates, die mit Knochenabbau einhergeht - zu verstehen, ist es nötig, die Gemeinschaft der Mikroorganismen im Mund zu analysieren. Nur einige wenige Bakterienarten zu untersuchen, wie bisher üblich, ist nicht ausreichend. Zu diesem Schluss kommen Wissenschaftler der Universitäten Münster und Bielefeld in einer neuen Studie, die nun in der Online-Fachzeitschrift "PLoS ONE" veröffentlicht ist.

Parodontitis führt unbehandelt dazu, dass die Zähne locker werden und ausfallen. Sie ist weltweit eine der häufigsten Erkrankungen, von der mehr als die Hälfte der über 40-Jährigen in den Industrieländern betroffen sind. Zur Behandlung reinigt der Zahnarzt üblicherweise die Zahntaschen, um bakterielle Beläge (Plaques) zu entfernen, welche die Erkrankung auslösen. Häufig werden zu dieser professionellen Zahnreinigung noch zusätzlich Antibiotika verschrieben, obwohl unklar ist, wie effektiv sie wirken, so die Wissenschaftler.

Bestimmte Kombinationen sind verantwortlich

Im menschlichen Mund leben bis zu 700 verschiedene Bakterienarten. Bestimmte Kombinationen der Bakterienarten spielen eine zentrale Rolle bei der Entstehung von Parodontitis, erklären die Forscher. Welche das genau sind, sei bislang nicht im Detail bekannt. Ziel der Studie war es daher, herauszufinden, wie die Bakteriengemeinschaft auf die konventionelle Parodontitis-Behandlung reagiert. Dies sei der erste Schritt, um zu verstehen, wie diese Methode wirkt, und um in Zukunft Vorhersagen über den Verlauf der Erkrankung treffen zu können, betonen die Wissenschaftler.

Den bisher üblichen Ansatz, ausgewählte Bakterienarten zu untersuchen, hält Dag Harmsen von der Poliklinik für Parodontologie der Universität Münster, Mitautor der neuen Studie, für uneffektiv. "Parodontitis wird nicht von einzelnen Bakterienarten ausgelöst. Es ist nötig, alle Mikroorganismen im Mundraum zu erfassen und zu beobachten, wie diese Lebensgemeinschaft auf die Behandlung reagiert. Nur so kann man verstehen, ob und weshalb eine Behandlung wirkt", betont der Mediziner. Das Team konnte erstmals zeigen, dass die professionelle Zahnreinigung mit und ohne Antibiotikagabe zu einer Erhöhung der Vielfalt und Gleichverteilung an Bakterienarten im Mund der Patienten führt.

Metagenomischer Ansatz

Dag Harmsens Ansatz, die Gesamtheit aller Mikroorganismen im Mund zu betrachten, ist ein sogenannter metagenomischer Ansatz, bei dem bestimmte DNA-Fragmente - "Amplikons der ribosomalen DNA" - untersucht werden. Diese molekulargenetische Methode ermöglicht es, das Erbgut aller im Mund vorkommenden Organismen durch eine DNA-Sequenzierung zu erfassen und somit nachzuweisen, welche Arten von Mikroorganismen dort leben. Das Forscherteam hat für diese Art von Untersuchung erstmals einen "Ion PGMTM"-Sequenzierer eingesetzt. Dieses Sequenziergerät ermöglicht eine schnellere und günstigere metagenomische Analyse als bisher, also eine Sequenzierung der "nächsten Generation". "Die größte Schwierigkeit dabei ist es, die großen Datenmengen, die dabei entstehen, sinnvoll auszuwerten. Es war für uns eine Herausforderung, ein automatisches Analysesystem für diese neue Technologie zu entwickeln", betont der Erstautor der Studie, Sebastian Jünemann vom Institut für Bioinformatik am Zentrum für Biotechnologie der Universität Bielefeld.

Dag Harmsen wirft einen Blick in die Zukunft: "Die Ergebnisse der Studie müssen zunächst durch weitere Experimente mit einer größeren Stichprobe bestätigt werden. Dann wird unser neuer Ansatz, Veränderungen in der gesamten mikrobiellen Lebensgemeinschaft im Mund zu beobachten, den Erfolg von Parodontitis-Behandlungen verbessern. Diese Methode wird sicherlich bald routinemäßig in der Praxis eingesetzt", prognostiziert er. (red, 2.8.2012)

an alle leidenden

bitte vitamin D spiegel feststellen lassen und bei bedarf D3-tropfen nehmen.

das war DIE bei weitem hilfreichste massnahme für mein zahnfleisch.

ist nur blöd...

...wenn man D3 Tropfen nicht verträgt.
ich z.b.

Kann jemand einen guten ungarischen Zahnarzt bzw. -Chirurgen empfehlen, der auf Knochenaufbau und Implantate spezialisiert ist?

Ich bin seit Jahren bei Weiß (Feher) Dental in Sopron und sehr zufrieden...Zahnfleischprobleme habe ich keine, aber die Praxis hat auch einen parodontologischen Schwerpunkt, macht Knochenaufbau wie auch Implantate.

Ah, das ist aber interessant, die hab ich mir im web nämlich schon angeschaut. Können Sie also empfehlen, ja?
Spricht man da denn durchgehend deutsch, auch die Ärzte und Helfer oder gibt's Dolmetscher oder wie läuft das?
Die Kosten sind auf üblichem Ungarn-Niveau nehme ich an?

Guter Ansatz !

Diese Studie bestätigt die Überlieferungen von alten "Kräuterweiblein", welche ihre Besucher immer davor warnten, das Bakteriengleichgewicht im Mund zu zerstören, da sonst die Paradontose Überhang bekommen würde und Zerstörungen anrichtet. Leider sind nur mehr sehr wenige schriftliche Aufzeichnungen darüber vorhanden, aber der Weg der Forscher dürfte richtig , wenn auch sehr mühevoll bei den vielen Gemeinschaftsbakterien sein. Jahrelang hat man aufgrund falscher Erkenntnisse die Mundbakterien nur zerstört und damit erst recht die Paradontose ausgelöst.
Damit ist Hoffnung für viele gegeben.

Die Kommentare von Usern und Userinnen geben nicht notwendigerweise die Meinung der Redaktion wieder. Die Redaktion behält sich vor, Kommentare, welche straf- oder zivilrechtliche Normen verletzen, den guten Sitten widersprechen oder sonst dem Ansehen des Mediums zuwiderlaufen (siehe ausführliche Forenregeln), zu entfernen. Der/Die Benutzer/in kann diesfalls keine Ansprüche stellen. Weiters behält sich die derStandard.at GmbH vor, Schadenersatzansprüche geltend zu machen und strafrechtlich relevante Tatbestände zur Anzeige zu bringen.