Wirf die Hornbrille

  • Der Sieger bekam den Titel Hipster des Jahres 2012 verliehen.
    foto: ap/gero breloer

    Der Sieger bekam den Titel Hipster des Jahres 2012 verliehen.

Warum die Hipster-Olympiade in Berlin dieser Tage zu Unrecht kaum gewürdigt wird: Menschen, die keine Muskeln haben (sonst würden sie nicht in ihre Röhren passen), lassen hier ihre Kräfte spielen

Es ist heute an der Zeit, wieder einmal ein paar Worte über einen unserer liebsten Zeitgenossen zu verlieren, und zwar den Hipster. Das ist eine Spezies, die gemeinhin über den Dingen steht, hin und wieder aber trotzdem ein wenig Spaß haben will. Wer könnte es ihr verdenken, gelangweilt auf Partys herumzustehen kann mit der Zeit ganz schön fad sein. In Berlin, das bekanntlich als Hauptstadt der Hipster gelten kann, hat man deswegen vor einigen Tagen bereits zum zweiten Mal zur offiziellen Hipster-Olympiade geladen. Eintritt wurde nicht verlangt, darüber freuten sich insbesondere die Hipster-Eltern, deren Brieftaschen an diesem Tag also ausnahmsweise geschont blieben.

Röhrenjeans-Tauziehen

Statt einer Eröffnungszeremonie wie in London (zu ernsthaft) wurde in Berlin zu Beginn ein Manifest verlesen, in dem es u. a. darum ging, in U-Bahn-Stationen mehr Ladestationen für iPhones zu installieren. Das stärkte den Kampfesmut, bevor die Mannschaften zum Wettbewerb schritten, um sich in Disziplinen wie Hornbrillen-Weitwurf, Stoffsackl-Hüpfen oder Bubbletea-Schlürfen zu messen. Aus dem Wettbewerb genommen wurde Latte-macchiato-Kekse-Stapeln, weiterhin im Programm hingegen das Röhrenjeans-Tauziehen. Letzteres ist die Königsdisziplin der Olympiade, der 100-Meter-Lauf der Hipster sozusagen. Menschen, die keine Muskeln haben (sonst würden sie nicht in ihre Röhren passen) lassen hier ihre Kräfte spielen. Der Sieger bekam übrigens den Titel Hipster des Jahres 2012 verliehen.

Frage: Kann es sein, dass die Hochzeit der Hipster vorbei ist? (Stephan Hilpold, Rondo, DER STANDARD, 3.8.2012)

Share if you care